"UHZ komplett unter das Dach des Klinikums"

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Di, 04. Juli 2017

Bad Krozingen

BZ-INTERVIEWmit Bernd Sahner, dem Kaufmännischen Geschäftsführer des Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen, rund fünf Jahre nach der Fusion.

BAD KROZINGEN. Seit gut fünf Jahren besteht das Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen. Mit 1142 Beschäftigten ist das UHZ der größte Arbeitgeber in der Kurstadt. Wie sich das Herzzentrum seit der Fusion entwickelt hat, darüber sprach Barbara Schmidt mit dem Kaufmännischen Geschäftsführer Bernd Sahner.

BZ: Herr Sahner, Sie waren schon Verwaltungschef des Herzzentrums, als Sie 2014 zum Kaufmännischen Direktor der Uniklinik Freiburg bestellt wurden. Die Entscheidung für Sie war nach Ansicht der Ministerin damals auch eine Entscheidung dafür, das Zusammenwachsen der beiden Standorte zu fördern. Wie gut hat das funktioniert?
Sahner: Insgesamt muss man sagen, dass das Zusammenführen der beiden kardiovaskulären Kliniken eine erfolgreiche Geschichte ist, wenngleich noch nicht alle Fragestellungen gelöst sind und mittlerweile auch neue Fragen aufgetaucht sind. Aber wenn ich mir die veränderten Rahmenbedingungen anschaue, bin ich froh, dass wir fusioniert und die damalige Konkurrenzsituation aufgelöst haben. Sonst hätten wir die Herausforderungen in den letzten fünf Jahren viel schwerer bewältigen können.

BZ: Welche Herausforderungen?
Sahner: Die Erlössituation für alle Krankenhäuser, aber insbesondere für die kardiovaskulären Fächer und im Speziellen für das UHZ hat sich extrem verschlechtert. Wir bekommen heute für die gleichen Leistungen 13,5 Millionen Euro weniger von den Krankenkassen als in der Anfangszeit des UHZ. Im gleichen Zeitraum sind die Personalkosten aber weiter gestiegen. Zählt man diese Effekte zusammen, liegen wir bei rund 20 Millionen Euro, die wir ausgleichen müssen, und da habe ich noch nicht die Investitionen erwähnt. Die müssen wir mittlerweile zu einem erheblichen Teil selbst erwirtschaften, obwohl unsere Fallpauschalen, das heißt unsere Preise, keine Investitionsanteile enthalten. Trotzdem haben wir in den fünf Jahren UHZ bis auf ein Jahr immer positive Ergebnisse erzielen können. Unter dem Strich ist es eine Erfolgsgeschichte, auch wenn noch nicht alles so ist, wie wir es uns beim Start vorgestellt haben. Da sich die Rahmenbedingungen ständig verändern, muss man immer wieder nachsteuern.

BZ: An welchen Stellen müssen Sie nachsteuern?
Sahner: Die Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden. Vor diesem Hintergrund haben die beiden Gesellschafter des UHZ, der Verein Benedikt Kreutz und das Universitätsklinikum Freiburg, die Geschäftsführung beauftragt zu prüfen, ob die derzeitige gesellschaftsrechtliche Lösung den Anforderungen der Zukunft genügt. Ende Juni haben wir den Gesellschaftern unseren Bericht vorgelegt. Aus Sicht der Geschäftsführung spricht einiges dafür, dass wir die kardiovaskulären Fächer komplett unter das Dach des Uniklinikums nehmen. Aber noch sind nicht alle Prüfungen abgeschlossen.

BZ: Bisher ist das UHZ eine eigenständige GmbH. Lautet der Vorschlag, dass das UHZ in der Uniklinik aufgehen soll? Oder soll es eine eigenständige Tochtergesellschaft bleiben?
Sahner: Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass wir Änderungen vornehmen müssen, dann gibt es nur eins: Das UHZ kommt komplett unter das Dach des Klinikums. Die GmbH würde aufgelöst.

BZ: Wäre der Verein Benedikt Kreutz, der das Herzzentrum Bad Krozingen 1969 gegründet hat, damit raus?
Sahner: Nicht völlig, alldieweil Benedikt Kreutz die Immobilie in Bad Krozingen gehört. Aber er wäre dann natürlich kein Gesellschafter mehr, weil es die GmbH nicht mehr gäbe. Aber wie gesagt, wir sind noch in der Prüfung. Wir werden die offenen Fragen in nächster Zeit abarbeiten und dann den Gesellschaftern zur Entscheidung vorlegen. Die Mitarbeiter sind darüber informiert. Und an dem Ziel, den Standort Bad Krozingen zu stärken und die Arbeitsplätze dort zu erhalten, wird sich durch eine andere gesellschaftsrechtliche Lösung nichts ändern. Das wird mit Sicherheit niemand in Frage stellen.

BZ: Für viele Bad Krozinger wäre es aber emotional ein schwieriger Schritt...
Sahner: Die Frage ist aber doch, ob UHZ und UKF (Uniklinik Freiburg, die Redaktion) mit den veränderten Bedingungen in der Zukunft zurechtkommen können. Dazu gehören die Vorgaben, die der gemeinsame Bundesausschuss ständig neu formuliert. Um ein Beispiel zu nennen: Frühchen, deren Gewicht eine bestimmte Grenze nicht übersteigt, müssen ab einem bestimmten Stichtag immer eins zu eins betreut werden. Aber es gibt zu wenige Pflegekräfte, als dass man diese Forderung umsetzen könnte. Solche Forderungen betreffen auch kardiovaskuläre Strukturvorgaben. Würden UHZ und UKF eine Klinik bilden, wären die Forderungen so erfüllt, dass die optimale Abrechnung der Leistungen auch weiterhin erfolgen kann.

BZ: Wie sind die Aufgaben denn bisher zwischen den Standorten Bad Krozingen und Freiburg verteilt?
Sahner: Wir versuchen, Synergien zu nutzen und an den beiden Standorten bestimmte Schwerpunkte zu bilden. Zum Beispiel läuft die Gefäßmedizin schwerpunktmäßig in Bad Krozingen, wohingegen Kinder ausschließlich in Freiburg behandelt werden. Die Patientenzahlen sind seit der Fusion permanent gestiegen. Bei den neuen Behandlungsmethoden sind wir ganz vorne mit dabei und werden dies auch in Zukunft bleiben. Deutschlandweit liegen wir seit vielen Jahren immer unter den Top 3 der Herzzentren. Mitarbeiter sind es heute mehr als vor dem Zusammenschluss. Wir haben zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Auch von daher glaube ich, dass wir mit einem gewissen Stolz auf dieses Projekt blicken können.

BZ: Und das UHZ könnte weiter wachsen. Kürzlich hat Bad Krozingens Gemeinderat die Erweiterung des Bebauungsplans Herzzentrum beschlossen. Was planen Sie konkret?
Sahner: Konkret ist, dass wir eine Lösung für die verkehrliche Anbindung gefunden haben. Mit der war ich von Anfang an nicht zufrieden. Der Verkehr zum UHZ hat in den vergangenen 10, 20 Jahren ständig zugenommen. Es gibt berechtigten Unmut bei den Anwohnern. Durch die Bebauungsplanänderung werden wir in Zukunft die Schwimmbadstraße als Zufahrt zum Parkplatz haben. Noch auf der Agenda, aber etwas zurückgestellt haben wir das Thema Hotel.

BZ: Es geht um ein gehobenes Hotel für Patienten und deren Angehörige...
Sahner: Wir haben schon vor einigen Jahren festgestellt, dass wir in der Nähe der Klinik ein Hotel brauchen, das den Ansprüchen beispielsweise auch ausländischer Patienten genügt. Da es in Bad Krozingen kein Fünf-Sterne-Hotel gibt, haben wir selbst Pläne entworfen und die Bebauungsplanänderung beantragt. Doch dann haben wir das Thema zurückgestellt, weil wir die neue Chirurgie gebaut haben. Wenn sich der Betrieb in der Chirurgie eingespielt hat, können wir uns wieder einer solchen Idee zuwenden. Außer, die Stadt beziehungsweise ein Investor kommt uns zuvor und baut an anderer Stelle ein Fünf-Sterne-Hotel. Höhere Priorität als das Hotel hat für mich im Moment, dass wir beim Herzzentrum eigentlich eine Kita bräuchten. Wir sind mit der Stadt im Gespräch, um zu eruieren, wie und wo wir eine Kita realisieren können.

BZ: Eine Betriebs-Kita haben Sie schon länger auf der Agenda...
Sahner: Wir waren mit dem Verein Marienkäfer fast so weit, dass wir miteinander hätten bauen können. Aber dann kam das Baugebiet Kurgarten dazwischen, dort war der Bedarf größer. Bei uns kam der Chirurgie-Neubau. Viele Großprojekte gleichzeitig können wir nicht realisieren.

BZ:
Der Neubau für die Herz- und Gefäßchirurgie wurde im Oktober 2015 eröffnet. Ist der fünfte und letzte Operationssaal inzwischen in Betrieb?
Sahner: Ja. Was wir noch nicht in Betrieb haben, sind alle Betten. Das hängt aber daran, dass es ein Problem ist, Personal zu finden. Ein Problem, das übrigens alle medizinischen Einrichtungen in der Region haben. Obwohl wir aus der Benedikt-Kreutz-Pflegeschule den Großteil der Auszubildenden übernehmen, reicht es nicht, um alle Stellen zu besetzen.

BZ: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Entscheidung des Landes, die Berufsschule mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Pflege nach Bad Krozingen zu verlegen?
Sahner: Ich kann es nur begrüßen, dass wir jetzt noch mehr Anziehungskraft bekommen, um eigenes Personal zu finden. Im Übrigen haben wir auch im Uniklinikum die notwendigen Konsequenzen gezogen und die Zahl der Auszubildenden in der Akademie für Medizinische Berufe erhöht.

BZ: Die Stadt Bad Krozingen hofft, dass ein Teil der Ausbildungsplätze hier entstehen wird, und hält ein Grundstück bereit. Kommt der Gesundheitscampus?
Sahner: Die Prüfung läuft noch. Ich denke, dass wir im Laufe des Jahres eine Entscheidung treffen können.

BZ: Welches Ziel haben Sie für das UHZ in den nächsten fünf Jahren?
Sahner: Mein oberstes Ziel ist, dass wir die hohe Qualität in der Patientenversorgung halten können. Ein weiteres Ziel ist, dass wir den Mitarbeitern wirklich sichere Arbeitsplätze anbieten können, die auch ihren persönlichen Ansprüchen genügen. Insofern müssen wir – und das wäre ein politisches Ziel, das wir verfolgen müssen – dafür sorgen, dass das Vergütungs- und Finanzierungssystem für die Krankenhäuser verbessert wird. Sonst werden wir irgendwann nicht mehr in der Lage sein, die Qualität, die wir den Patienten heute bieten, zu halten.

Bernd Sahner (63) stammt aus Buggingen und wurde 2010 Verwaltungschef des Herzzentrums Bad Krozingen. Bei der Fusion 2012 übernahm der Diplomverwaltungswirt die Kaufmännische Geschäftsführung des neuen Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen. 2014 wurde er zudem zum Kaufmännischen Direktor der Uniklinik bestellt.