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29. Juni 2010

Unbekannte Details aus dem Schatzkästlein des Archivars

Ein Vortrag des Kultur- und Bürgervereins in Hausen brachte selbst für Alteingesessene noch Überraschungen / Großes Interesse am geöffneten Archiv.

  1. Großes Interesse weckte das neu im Obergeschoss der Ortsverwaltung eingerichtete Archiv, das im Rahmen einer Vortragsveranstaltung des Kultur- und Bürgervereins seine Türen und Archivkästen für das Publikum öffnete. Foto: Martina Faller

BAD KROZINGEN-HAUSEN. "Über Hausen gibt es doch gar nichts" – so oder so ähnlich lauteten selbst in Hausen und beim Kulturamt die Kommentare zu seinem Vorhaben, auf Einladung des Hausener Kultur- und Bürgervereins einen Vortrag zur Geschichte der Möhlingemeinde zu halten. Doch Jörg Martin, seit knapp einem Jahr Archivar von Bad Krozingen und Staufen, wusste es besser. Immerhin hatte er im vergangenen Jahr 260 Arbeitsstunden investiert um Dokumente, Protokolle, Verträge und andere Archivalien des Hausener Archivs zu sichten und zu ordnen. Und dabei ist ihm so manches Interessante in die Hände gekommen, wovon er beim gut besuchten Vortrag berichten und so alle Pessimisten eines Besseren belehren konnte.

Akribisch, fundiert und doch höchst unterhaltsam und kurzweilig gestaltet Martin seinen Streifzug durch die Hausener Geschichte, den er an der Entwicklung der politischen Gemeinde festmachte. Diese erscheint erstmals im Jahre 1444 aus dem Dunkel der Geschichte, als die Gemeinde aus unbekannten Gründen ein Darlehen aufnimmt. Das Dorf gab es zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange. Bereits im 12. Jahrhundert haben die großen Klöster im Schwarzwald hier Besitz erworben.

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In alte Zeit zurück geht auch die Einschätzung, die Hausener seien ein ganz eigener Menschenschlag. So hielt man, wie Martin ausführte, die Hausener für "den kleinen Adel des Breisgaus". Bezog sich damit aber nicht nur darauf, dass die Hausener Bauern, die auf den großen Klosterhöfen saßen, vergleichsweise wohlhabend waren. Gemeint war mit dem Ausdruck "kleiner Adel" außerdem, dass die Hausener ein adelsähnliches und absonderliches Verhalten an den Tag legten. Im Laufe der Geschichte kam den Hausenern dieser Eigensinn jedoch immer wieder zu Gute, insbesondere in Auseinandersetzung mit der Ortsherrschaft, die sie geschickt gegen die Landgrafschaft ausspielten. So erzielten sie in einer langwierigen Auseinandersetzung mit ihrem Ortsherren, dem Grafen von Falkenstein, um die Dauer und Häufigkeit der Frondienste, durch Eigensinn und Geschlossenheit den gewünschten Erfolg und dass sie am Ende auf den erheblichen Prozesskosten sitzen blieben, nahmen sie gerne in Kauf.

Kirchenboykott für Gottesdienste in der Hausener Kapelle

Die gleiche Geschlossenheit legten die Hausener an den Tag, als es um eine Verbesserung der seelsorgerischen Betreuung ging. Seit jeher gehörte Hausen zur Pfarrei Feldkirch. Die weite Entfernung führte aber, insbesondere nach einem Hochwasser, das angeblich den Besuch der Gottesdienste in Feldkirch über mehrere Wochen vereitelte, zu zunehmender Unzufriedenheit. Der Ortsherr von Feldkirch, der Freiherr von Wessenberg, dem das Aufsichtsrecht über die Pfarrstelle oblag, schenkte dem Wunsch der Hausener Bevölkerung nach eigenen Gottesdiensten in der Hausener Kapelle jedoch kein Gehör. Und nachdem die Hausener beim Bistum Konstanz nach langem Drängen einen Vertrag erwirkten, der ihnen sonn- und feiertags und einmal unter der Woche einen Gottesdienst zusprach, ließ Wessenberg diesen umgehend für ungültig erklären. Die Hausener dachten jedoch nicht im Traum daran, sich wieder auf den Weg nach Feldkirch zu machen.

Sie boykottierten nicht nur die Gottesdienste in Feldkirch, sondern gingen in ihrem Boykott sogar so weit, zwei Frauen ohne geistlichen Beistand auf dem Friedhof bestatten und Kinder ungetauft zu lassen. "In einer Zeit hoher Kindersterblichkeit ein unerhörter Vorgang", kommentierte Martin. Doch nicht der Boykott, sondern ein gelungener Schachzug, nämlich die Anrufung des päpstlichen Nuntius in Luzern, führt schließlich zum Erfolg. Hausen bekam seine eigenen Gottesdienste, musste dafür jedoch eine Abgabe an den Pfarrer zahlen.

Auch den Bau der Kirche haben die Hausener aus eigener Kraft gestemmt, was, so Martin, überraschend schnell gelang. Schon 1791 konnte sie eingeweiht werden. Das Abbezahlen der Schulden hat allerdings weitaus länger gedauert. Erst nach 100 Jahre waren die Schulden getilgt. "Es wirkt recht sympathisch, dass die Gemeinde Hausen sich als Gemeinschaft für das Seelenheil ihrer Mitglieder einsetzte und aus eigener Kraft ihr Verhältnis zu Gott zu bestimmen suchte", fasst Martin dieses Kapitel der Hausener Geschichte zusammen, bevor er den geschichtlichen Faden noch bis zur Eingemeindung fortspann. Dabei zauberte er noch so manches Details aus dem historischen Schatzkästlein, das selbst den alteingesessenen Hausenern nicht bekannt war. Doch mit einem Blick ins Archiv, das an diesem Abend dem Publikum offen stand und im Bürgersaal und im Obergeschoss des Rathauses seine Schätze präsentierte, konnten die Besucher das Vorgetragene überprüfen und noch ausgiebig in der Vergangenheit schmökern.

Autor: Martina Faller