Viele Ideen für die Zukunft

Dorothee Möller-Barbian

Von Dorothee Möller-Barbian

Di, 23. April 2013

Bad Krozingen

Die Sozialstation Südlicher Breisgau schreibt für das Jahr 2012 schwarze Zahlen.

BAD KROZINGEN. 60 Prozent der kirchlichen Pflegedienste in Baden-Württemberg schreiben rote Zahlen. Die Sozialstation Südlicher Breisgau (SSB) hingegen kann auf einer soliden Basis arbeiten, hat ihren Ertrag 2012 sogar noch etwas gesteigert. Dessen ungeachtet rief Geschäftsführerin Waltraud Kannen bei der Mitgliederversammlung zur Unterstützung einer diözesanweiten Kampagne auf, die eine faire Finanzierung durch die Kranken- und Pflegekassen zum Ziel hat.

Die Leistungsentgelte für die Sozialstationen, so Kannen, hätten sich seit vielen Jahren nicht verändert, die Politik müsse mit dem Leitsatz "ambulant vor stationär" ernst machen. Wie die Vertreter kirchlicher und politischer Gemeinden weiter erfuhren, startet die Kampagne im Juni mit regionalen und überregionalen Aktionen. "Wir können es uns nicht mehr leisten, allein unterwegs zu sein", kommentierte SSB-Vorsitzender Gerhard Disch die Gemeinschaftsaktion zum Erhalt einer flächendeckenden Versorgung der Pflegebedürftigen.

2012 wurde Waltraud Kannen vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk zur "Übermorgenmacherin" gekürt, im Sommer feiert sie ihr 30-jähriges Jubiläum bei der Sozialstation. Dekan Disch überreichte ihr vorab unter anhaltendem Beifall als Ausdruck hoher Anerkennung einen Blumenstrauß. Im fünften Jahr ihrer Geschäftsführung konnte Kannen der Versammlung abermals schwarze Zahlen präsentieren. Der Jahresüberschuss 2012 lag bei 178 000 Euro (2011 bei 166 000 Euro), das positive operative Ergebnis belief sich auf 83 000 Euro (2011 auf 90 000 Euro). Noch 2008 hatte sich die Einrichtung in einer wirtschaftlichen Schieflage befunden.

2012 bildete das betriebliche Gesundheitsmanagement erneut ein Schwerpunktthema. Hier ging die Geschäftsführerin auf die zunehmende Belastung der Mitarbeitenden durch den zu leistenden Spagat zwischen den Bedürfnissen der Klienten und einer rentablen Arbeitsweise ein, auf die länger werdenden Wege zu den Pflegebedürftigen infolge eines ungenügenden Parkplatzangebotes oder die Konfrontation mit Situationen häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffe. Mit dem Angebot der Supervision und speziellen Workshops werde versucht, dem zu begegnen. Familiengerechte Arbeitsmodelle und tarifgerechte Bezahlung dienten dem Bemühen, Fachkräfte zu finden und zu binden. 2013 wird die SSB zwei Plätze für die Ausbildung zur Altenpflegerin anbieten. Kannen beklagte den von den Kassen auferlegten "unverhältnismäßig hohen bürokratischen Aufwand". Allein das Antragsverfahren für die häusliche Krankenpflege habe den Umfang einer 50-Prozent-Stelle ohne Refinanzierung.

2012 nahmen 1591 Menschen die umfangreichen Leistungen der SSB in Anspruch gegenüber 1400 im Jahr 2011. Zu den rund 125 000 Einsätzen gehörten auch 122 bei Notfällen. 2011 hat die SSB den Hausnotruf der Caritas übernommen. Wie Pflegedienstleiterin Danijela Kondza berichtete, wurde zur Entlastung der Mitarbeitenden dafür ein eigenes Team gebildet. Aufgrund einer Neuorganisation der Pflegedienstleitung wird Kondza nun von vier Teamleitungen unterstützt. 90 speziell geschulte Ehrenamtliche aus den 17 Gemeinden des Einzugsgebietes engagieren sich in der Betreuung von Demenzkranken (häuslich, in Gruppen und im Herzzentrum). Zu den fünf Gruppen sind zwei weitere in Heitersheim und Schallstadt hinzugekommen. Im Mehrgenerationen-Wohnprojekt Rundacker 2 in Staufen ist eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz geplant. "Auch das kann Sozialstation sein", bemerkte Gerhard Disch am Schluss, nachdem zwei der Mitarbeitenden (Waltraud Riek und Andreas Quartier) ihr tägliches Erleben im Einsatz spielerisch umgesetzt und die Versammelten in Gesprächsrunden Ideen für die Zukunft entwickelt hatten.

Darunter fanden sich Anregungen wie die Bildung von Wohngemeinschaften; die Aktivierung junger Senioren; das Knüpfen nachbarschaftlicher Bande über die Generationen hinweg, und zwar noch ehe der Pflegefall eintritt die Übernahme von Patenschaften für Migrantenfamilien oder das Schaffen von Netzwerken unter Einbindung von Seniorenbüros oder der Freiwilligenbörse.