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21. Januar 2015

Voller Sound in einer vollen Kirche

Gerhard Gnann und Karin Karle konzertieren in Bad Krozingen auf zwei Orgeln.

  1. Der Freiburger Domorganist Gerhard Gnann und Bezirkskantorin Karin Karle stellten in St. Alban auf gleich zwei Orgeln vornehmlich Werke aus der Barockzeit vor. Foto: Hans Jürgen Kugler

BAD KROZINGEN. Für eine volle Kirche sorgte das Benefizkonzert, das vom Kiwanis-Club Bad Krozingen-Staufen zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte unter dem Titel "Concerti per due Organi" in der Kirche St. Alban veranstaltet wurde. Der Freiburger Domorganist Gerhard Gnann konzertierte gemeinsam mit Bezirkskantorin Karin Karle an zwei Orgeln. Neben der Mönch-Orgel auf der Empore sorgte im Altarraum eine Truhenorgel aus der Werkstatt des Waldkircher Orgelbauers Wolfram Stützle für ein außergewöhnliches Klangbild. Das gleichzeitige Spiel auf zwei Orgeln erlebte bereits im Barock in Italien und Spanien eine Blütezeit. Eine erstaunliche Anzahl an Originalkompositionen für das alternierende Spiel auf zwei Orgeln zeugt davon.

Für die Partita "Freu dich sehr o meine Seele" des Thüringer Organisten Georg Böhm setzte sich der Domorganist zunächst an die kleine Truhenorgel im Altarraum und konnte das Publikum auf Anhieb davon überzeugen, dass deren erstaunliche Klangfülle durchaus in der Lage ist, mit ihrer großen Schwester auf der Empore mitzuhalten. Im alterierenden Spiel der Instrumente ließ sich an manchen parallel an beiden Orgeln bespielten Registern nur anhand der räumlichen Zuordnung ausmachen, auf welcher Orgel gerade welche Passage gespielt wurde. Der üppig orchestrierte Finalsatz blieb der großen Orgel mit ihrer außerordentlichen Klanggewalt vorbehalten.

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Als Beispiel für einen typisch französisch geprägten Orgelstil präsentierten die Künstler ein "Noël" (Weihnachtslied) von Louis Claude Daquin. Das Spiel auf zwei Orgeln erlaubte den Organisten neben einem interessanten Echoeffekt zugleich ein reizvolles Ineinander der klaren, brillanten Klänge der Labialregister mit dem vollen herben Sound, der sich dem bevorzugten Einsatz der Lingualpfeifen verdankt, zu präsentieren.

Noch vielschichtiger gestaltete sich die musikalische Zweierbeziehung in der Sonate g-Moll Wq 70/6 von Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Sebastian Bachs ältester Sohn. Ein Feuerwerk nicht nur an Klangfarben, sondern auch spezieller kompositorischer Mittel wie eigenwillig punktierter Rhythmen, Vorhalten und abwechslungsreicher Dynamik.

Im Gegensatz zum vollchörigen Allegro moderato präsentiert sich das Adagio zurückhaltend, ja geradezu rücksichtsvoll im musikalischen Dialog. Perlende Läufe im abschließenden Allegro, kunstvoll durch unerwartete Pausen ausgebremst, kennzeichnen den selbst nach heutigen Maßstäben unkonventionellen Kompositionsstil des Meisters des sogenannten empfindsamen Stils. Das als einziges Werk von Pedro José Blanco überlieferte Concerto G-Dur für zwei Orgeln des spanischen Organisten erinnerte wohl nicht nur zufällig auffällig oft an bekannte Mozart-Themen.

Ein Walzer-Potpourri als Zugabe

Gravitätisch, feierlich und getragen von erhabener Melancholie ließen die Organisten danach das einleitende Adagio eines der absoluten Schwergewichte der Barockzeit hören – das Orgelkonzert Nr. 10 d-Moll op. 7 Nr. 4 von Georg Friedrich Händel. Von ganz anderem Charakter der zweite Satz, Allegro, das eine der markantesten Melodien des Meisters in majestätischer barocker Prachtentfaltung effektvoll in Szene setzt. In gemessenem Schritt führt ein kurz gehaltener langsamer Satz zum lebendig-spritzigen Finale im 3/8-Takt. Den fein ziselierten Wechselsatz ließen die beiden Organisten in reicher dynamischer Vielfalt transparent und klar hervortreten.

Das einleitende Moderato aus Joseph Haydns Orgelkonzert C-Dur Hob. XVIII/8 machte in der Interpretation von Gnann und Karle seinem Namen alle Ehre – mit gemessen gesetzten Schritten in den Pedalen trieben die beiden in unmerklich verlangsamenden Wiederholungen ihr doppelbödiges Spiel mit dem allzu abgeklatschten Klischee vom betulichen "Papa Haydn". Alles andere als betulich nämlich zeigte sich Haydn im abschließenden Allegro, das gut gelaunt, spritzig und mit überbordender Fröhlichkeit für eine ausgelassen heitere Note in der Kirche sorgte.

Als vehement geforderte Zugabe bat Gerhard Gnann, ganz Kavalier alter Schule, seine Partnerin galant untergehakt zu einem kleinen Walzer-Potpourri auf den Pedalen der großen Orgel.



Autor: Hans Jürgen Kugler