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27. August 2010

Wasserpfeifen statt Subventionen

Tabakernte im südlichen Breisgau: Wie sich ein Landwirt auf die neue Ära ohne öffentliche Beihilfen einstellt.

  1. Saisonarbeiterinnen sortieren die frisch geernteten Tabakblätter der Sorte Virgin. Foto: susanne müller

  2. Saisonarbeiterinnen sortieren die frisch geernteten Tabakblätter der Sorte Virgin. Foto: susanne müller

BAD KROZINGEN. Das Rauchen hat Hubert Bleile vor neun Monaten gesteckt. Der Tabakanbau bleibt aber weiterhin seine Existenzgrundlage. Nein, Subventionen, so behauptet er, "gibt’s keine mehr". Seit diesem Jahr herrsche "freier Markt".

Aber wie kann Tabakbauer Bleile überleben, wenn die Zuwendungen komplett gestrichen sind? Bleile zuckt mit den Schultern und konstatiert, dass die Rechnung nur durch Kostensenkung aufgehe: "Ich musste rationalisieren, quer durch alle Betriebsbereiche." Indem Bleile etwa umgestellt hat auf mehr halbautomatische Erntefahrzeuge, spart er hier schon mal einen Fahrer ein. Qualitäts- und Mengenverluste muss er in diesem Jahr auch noch hinnehmen. Das Wetter spielt nicht mit. Schon der lange Winter und ein kaltes Frühjahr verursachten eine Verzögerung. Gepflanzt wurde zweieinhalb Wochen später. Dann kam die große Hitzeperiode, und jetzt schüttet es nahezu täglich.

Im Juli musste er seine Felder, deren Größe er nicht beziffern will, teilweise beregnen. In den vergangenen Wochen wiederum war es häufig zu nass. Bislang haben die 150 Saisonarbeiter, die überwiegend aus Osteuropa kommen, gerade mal ein Fünftel der Ernte eingefahren. Bis Mitte Oktober werden wöchentlich zwei bis drei Blätter pro Pflanze geerntet und danach in der großen Produktionshalle auf dem Bleilehof am Südrand von Bad Krozingen auf Schnüren aufgefädelt. Dort werden sie vorbereitet zur Trocknung in den Heißluftanlagen mit Temperaturen von bis zu 70 Grad.

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Früher hat Bleile auch die edlen Sorten Burley und Geudertheimer angebaut, heute konzentriert er sich voll auf den hellen nikotinärmeren Virgin-Tabak. "Für die anderen gibt es keinen Markt mehr", sagt der Landwirt. Überdies liefern die Produzenten in Nordeuropa Bleile zufolge ein Nischenprodukt, denn diese Qualität könne nur hier reifen. Ein Wettbewerbsvorteil.

Neue Absatzchancen durch Lutschtabak?

Auch die Märkte haben sich verschoben. "Das geht alles in den Wasserpfeifenmarkt im arabischen Raum", erklärt Bleile, hinzu komme wachsender Bedarf in der asiatischen Welt. Es muss ihm also nicht bange sein um den Tabakanbau, trotz Subventionsstopp. Auch dass in absehbarer Zeit nicht mal mehr auf der Münchner Wiesen geraucht werden darf, schreckt Bleile nicht. Als Liberaler (Bleile sitzt als FDP-Mitglied im Bad Krozinger Gemeinderat), sagt er, gehe ihm die eine oder andere Reglementierung zwar zu weit, doch sein Verkauf ist derzeit nicht tangiert vom Thema Rauchverbot.

Angesprochen auf den in Schweden bereits legalisierten Lutschtabak "Snus" meint er: "Ich habe schon mal eine Probe getestet, die ein Händler mitgebracht hatte, man muss sich das optisch so vorstellen, wie diese Kaffeepads, da liegt bestimmt Potenzial drin." Bei Snus handelt es sich um ein Cellulosetütchen, in dem sich mit Salz versetzter Tabak befindet. "Es wird einfach in die Backe geschoben", so Bleile, der sowohl Vorteile sieht – "Es gibt keine Atemwegserkrankungen mehr, keine Passivrauchen mehr" – als auch neue Absatzchancen wittert. "Sofern das in der EU freigegeben wird, hat das bestimmt Zukunft."

Autor: Susanne Müller