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22. November 2010
"Wirrtuoser" Klamauk für Pflegegäste
Lachen ist die beste Medizin: Clown Lauscho alias Stephan Klein in der Theresienklinik.
BAD KROZINGEN. Lachen ist bekanntlich die beste Medizin. Warum diesen ebenso einfachen wie wirkungsvollen Therapieansatz nicht einmal im Pflegebereich anwenden, dachte sich Axel Pickhardt, Leiter der Heim- und Pflegedienstleitung in der Theresienklinik Bad Krozingen und engagierte kurzerhand Clown Lauscho, um seinen Pflegegästen ein ganz besonderes Highlight bieten zu können.
Die Damen und Herren in der Caféteria staunten nicht schlecht, als aus dem Nebenzimmer eine merkwürdige Gestalt herauswackelte. "Guten Tag! Ich bin Ferdi Fabler, der Hausmeister. Irgendwie ist hier alles im Eimer" – und deutet auf die beiden Plastikeimer, die er aus unerfindlichen Gründen anstelle von Schuhen an den Füßen trägt. Noch besser als hausmeistern kann Ferdi allerdings den Clown geben. Mit weiß-rotem Ringelhemd, chaplinesker Jacke und Schuhen Größe 56 einhalb stellt Clown Lauscho alias Stephan Klein seine bunte Sammlung seltsamer Gerätschaften vor. Neben ungewöhnlichen Musikinstrumenten hat er ein altes Grammophon, ein ebenso altes Telefon und auch einen wunderschönen roten Heliumballon mitgebracht, den er galant einer Dame im Publikum als Geschenk vermacht. Besagte Dame, von eher praktischer denn romantischer Natur, geht ihrem Geschenk genauer auf den Grund und lässt den Ballon "völlig unbeabsichtigt" quer durch die Cafeteria sausen – mit der entsprechenden akustischen Untermalung natürlich. Clown Lauscho nimmt’s gelassen. Anstatt sich um den Ballon zu grämen, plaudert er lieber mit den Damen aus dem Nähkästchen, das er eigens zu diesem Behufe mitgebracht hat. Aber auch die Musik hat’s ihm angetan, Lauscho erweist sich als "Wirrtuoso" nicht nur auf der "kleinsten, noch spielbaren Violine der Welt", sondern auch auf der Säge, mit der er hingebungsvoll die "Ode an die Freude" aus Beethovens Neunter zelebriert.
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Die anfängliche Zurückhaltung der Pflegeheimbewohner, was diesen etwas ungewohnten Besucher anbelangt, schwindet nach und nach; der Schabernack, den Clown Lauscho mit seinen Gästen im Pflegeheim treibt, kommt an. Stephan Klein übt seinen Beruf seit etwa zehn Jahren aus, gemeinsam mit einem Kollegen oder allein besucht er Kinderkliniken und Senioreneinrichtungen, um mit seinem Spiel Kindern und alten Menschen den Aufenthalt in solchen Einrichtungen zu erleichtern.
"Mithilfe alter Requisiten wie dem Grammophon und dem Telefon lassen sich gerade ältere, womöglich demente Menschen direkt bei ihren Emotionen abholen", ist Stephan Klein überzeugt. Und über Musik: "Denn die erinnert an Schlüsselerlebnisse aus der Kindheit und Jugend, an die erste Tanzstunde oder das erste Verliebtsein."
Clown Lauschos Repertoire konzentriert sich deshalb auf Ohrwürmer aus Ur-Opas Zeiten wie die unvergesslichen Lieder der Comedian Harmonists oder auf altbekannte Volkslieder und jiddische Melodien. Aber auch eher melancholische Weisen haben bei ihm ihre Berechtigung. "Der Clown ist ja nicht immer nur lustig. Er ist im Grunde eine traurige Gestalt." Durch die Kraft der Musik lassen sich die Menschen sehr direkt ansprechen. "So ergeben sich immer wieder schöne Begegnungen." Genau das sei auch das Schöne an seinem Beruf, menschliche Wärme zu vermitteln und hier und da ein Lächeln auf ein Gesicht zu zaubern.
Autor: Hans Jürgen Kugler
