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24. Juli 2010
Ärzte behandeln weißrussische Kinder kostenlos
Siarhei Kramenski ist hart im Nehmen. Eben wurde dem Zwölfjährigen, den alle Sergej nennen, ein Zahn gezogen, und dennoch lacht er fröhlich. Sergej ist eines von 49 Kindern aus der Tschernobyl geschädigten Region Gomel in Weißrussland, die gerade vier Wochen Urlaub in Bad Säckingen und Umgebung machen. Zu ihrem Ferienprogramm gehören auch Besuche beim Zahn- und beim Kinderarzt.
Eingeladen wurden die Kinder vom Verein "Zukunft für Ritschow". Der Albbrucker Verein unterstützt seit seiner Gründung 2007 das Dorf Ritschow, etwa 250 Kilometer südlich von der Hauptstadt Minsk, direkt an der ukrainischen Grenze gelegen. Die ganze Region leidet noch heute stark unter den Folgen der Reaktorkatastrophe im nur 70 Kilometer entfernten Tschernobyl im April 1986. Deshalb holt der Verein jedes Jahr rund 50 Kinder zur Erholung nach Deutschland.
Die Kinder wohnen bei Gastfamilien. Sergej ist, wie schon im vergangenen Jahr, bei Gertrud und Franz Zöller in Birndorf untergekommen – zusammen mit seinem Schulfreund Mischa. Die beiden Buben seien so dankbar und anständig; sie fragten sogar, wenn sie etwas zu trinken haben wollten, erzählt die Gastmutter. Auch Manuela Mohr aus Murg-Hänner, die zum ersten Mal ein Ferienkind beherbergt, ist von ihrer Gasttochter Kati begeistert. "Sie spricht auch schon richtig gut Deutsch", sagt sie über die Zwölfjährige.
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Auch Arztbesuche sind oft ein Problem, weil die nächste Praxis weit entfernt und die Behandlung für viele Familien unbezahlbar ist. Darum haben Kati, Sergej, Mischa und die anderen in ihrer ersten Ferienwoche in Südbaden Arzttermine. Fast 30 Mediziner zwischen Waldshut und Villingen behandeln die Kinder und ihre weißrussischen Betreuerinnen kostenlos, darunter die Bad Säckinger Jan Reichmann, Georg Hammer, Klaus Dippel, Rudolf Küpper und Wolfgang Hamm.
"Das Schöne ist, wenn man sieht, dass es auch etwas bringt", sagt der Zahnarzt Rudolf Küpper. So wie bei Sergej und Mischa: Beide waren im vergangenen Sommer schon beim Zahnarzt. Dieses Mal musste er an viel weniger Stellen den Bohrer ansetzen. Karies sei bei den Ferienkindern das Hauptproblem, sagt Küpper und nennt die fehlende Vorsorge und die Ernährung als Ursache. Die Folgen zeigen sich bei Dascha: Die Elfjährige mit den flachsblonden Haaren hat mehrere stark zerstörte Zähne im Mund. Sie will sich aber nicht behandeln lassen. Wahrscheinlich hat sie schlechte Erfahrungen gemacht, denn in ihrer Heimat muss, wer beim Zahnarzt eine Betäubung möchte, umgerechnet 15 Euro zahlen. Zu viel für viele Familien.
Nach viel gutem Zureden öffnet Dascha schließlich doch den Mund. Aber nur, weil Assistenzarzt Kamber Hafizovic versprochen hat, sofort aufzuhören, wenn es weh tun sollte. Dascha, Mischa, Sergej, Kati und die anderen Kinder sind noch bis 14. August bei ihren Gastfamilien. Sie werden Ausflüge unternehmen, ins Schwimmbad gehen, viel spielen und vielleicht noch ein bisschen Deutsch lernen. Hedi Müller und ihr Verein planen derweil schon wieder neue Projekte.
Autor: Barbara Schmidt
