Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. April 2010

Alice auf Entdeckungstour

Sonderpreis bei "Jugend forscht" öffnet Scheffelgymnasiastin spannende Perspektiven.

  1. Den ersten Preis beim Regionalwettbewerb und einen Sonderpreis beim Landeswettbewerb von Jugend forscht bekam Alice Pfohl. Foto: Christin Keller

BAD SÄCKINGEN. Sie leben in ihrer eigenen Welt, sind wenig gesellig und alles dreht sich um Enzyme und Chromosomen – Biotechnologen sind ein eigenes Völkchen. Wie wenig Vorurteile auf Personen im Einzelfall zutreffen, beweist die 18-jährige Alice Pfohl. Beim Regionalwettbewerb von Jugend forscht belegte die lebenslustige Bad Säckingerin zusammen mit Jousef Siouri den ersten Platz – weltfremd ist sie aber ganz und gar nicht.

Die Herstellung eines Proteins, das nicht nur die Fusion von HI-Viren hemmt, sondern diese auch zerstören kann, überzeugte die Wettbewerbsjury im Fachbereich Biologie von der Kompetenz der Abiturienten. Mit dem ersten Platz auf Regionalebene sicherten sie sich die Teilnahme am Landeswettbewerb, wo sie einen Sonderpreis erhielten: Ein Praktikum im Bereich Chemie und Pharmazie an der Universität in Tübingen. "Das Praktikum ist wesentlich mehr wert als die 70 Euro Preisgeld des Regionalwettbewerbs", freut sich Alice. Ermöglicht hatte die Teilnahme eine Arbeitsgemeinschaft des Hochrheinseminars in Waldshut und das Forschungszentrum Phaenovum in Lörrach. Ein Jahr lang hatten sich die Nachwuchsforscher im Bereich Biotechnologie wöchentlich getroffen, um das Projekt vorzubereiten und durchzuführen. Betreut wurden sie von Thomas Wiederkehr, der die Arbeitsgemeinschaft des Seminars leitet.

Werbung


Zwei Tage verbrachten Alice und ihr Kollege vom Hochrhein-Gymnasium in Waldshut außerdem im Universitätsspital Zürich, um zu überprüfen, ob ihr hergestelltes Protein auch funktioniert. Weil ein Testen an echten HI-Viren zu gefährlich gewesen wäre, konnten sie die Versuche an gentechnisch veränderten Krebszellen durchführen, mit Erfolg.

Als es um den genauen Versuchsaufbau geht und um die Frage, worin der Unterschied zu bisher anerkannten HIV-Hemmern liegt, ist Alice vor Begeisterung kaum zu bremsen. Schnell werden Skizzen angefertigt und Erklärungen geliefert: Das neue Protein umhüllt den Virus nicht nur, sondern markiert ihn auch. Wird er so gekennzeichnet über eine bestimmte Art und Weise in eine Zelle des Immunsystems aufgenommen, löst er darin eine Reaktion aus und wird abgebaut. Als Tochter einer Biologin und eines Mathematikers wurde das Interesse für den naturwissenschaftlichen Bereich bei Alice schon früh geweckt. "Biologie war schon immer mein Lieblingsfach" erklärt die Schülerin des Scheffelgymnasiums, deren Abiturprüfungen nach den Ferien beginnen. Ihr Wahl-Prüfungsfach? Ganz klar, Biologie. "Mich interessieren Vorgänge im Körper, also zum Beispiel warum ein Medikament wo wie wirkt". Kein Wunder, dass sie nach dem Abitur in den Bereichen Biotechnologie oder Pharmazie studieren will. Bevor es aber soweit ist, steht ein sechswöchiges Praktikum in einem Schweizer Pharmakonzern an.

Auch Spaß an Sprachen, Sport und Musik

Für Alice gibt es trotz aller Begeisterung aber noch eine Welt abseits von Forschung und Labor. "Sprachen machen mir großen Spaß", verrät die Hobby-Musikerin, die nicht nur Gitarre und Klavier spielt, sondern auch im Gospelchor aktiv ist. Die Volleyballabteilung des Turnvereins, wo sie einige Jahre Jugendvertreterin war, und der Stadtjugendring können ebenfalls auf sie zählen. Um den Geldbeutel vor einer gähnenden Leere zu bewahren, jobbt sie außerdem in einem Lebensmittelmarkt. In der Zeit zwischen Praktikum und Studium kann sie sich gut vorstellen, quer durch Europa zu reisen. "Es wäre toll, wenn ich später mal meine Arbeit und kulturelle Erfahrungen verknüpfen könnte".

Arbeiten möchte Alice am liebsten in der Forschung. "Etwas zu entdecken, was vielen Menschen hilft, das würde ich mir wünschen". Mit dem Projekt für Jugend forscht hat sie damit vielleicht schon einen Grundstein gelegt. Der zuständige Professor des Züricher Spitals hat den beiden Nachwuchsforschern vorgeschlagen, ein Patent anzumelden. Er wird das Protein außerdem an richtigen HI-Viren testen, um auch dort die Wirkung zu überprüfen. "Das wäre super, wenn das Protein zu einem richtigen Medikament wird", ist Alice begeistert.

Autor: Christin Keller