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03. November 2017 17:38 Uhr

Vorschlag des Landrats

Das Spital Bad Säckingen soll Ende des Jahres schließen

Geht es nach den Vorstellungen von Landrat Martin Kistler, dann gehen im Spital Bad Säckingen am 31. Dezember die Lichter aus – für immer. Bis zur Fertigstellung eines Zentralspitals müssen Kranke nach Waldshut.

  1. Wenn es nach dem Landrat geht, dann beschließt der Kreistag die Schließung des Spitals Bad Säckingen zum Jahresende. Foto: Manuel Fritsch

Kistler empfiehlt den Kreisräten, am Mittwoch, 8. November, das Spital in Bad Säckingen zu schließen. Außerdem soll mit der Leistungs- und Raumplanung sowie dem Einstieg in die Standortsuche die Planung eines zentralen Krankenhauses für den Landkreis beginnen. Ob in Bad Säckingen ein "Gesundheitscampus" errichtet werden kann, soll geprüft werden.

Spital Bad Säckingen
Nach dem Verlauf der jüngsten Kreistagssitzung in Unterlauchringen ist die Beschlussvorlage der Kreisverwaltung keine Überraschung mehr. Landrat Martin Kistler macht sich die Argumentation von Hans-Peter Schlaudt, dem Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH, vollumfänglich zu eigen und empfiehlt, das Spital in Bad Säckingen zum 31. Dezember zu schließen. Bis zur Fertigstellung eines Zentralspitals für den Kreis voraussichtlich im Jahr 2025 solle das Spital in Waldshut ertüchtigt werden. Die Kosten bis dahin werden laut Vorlage zwischen 91 und 117 Millionen Euro betragen. Aufgelistet wird, dass aktuell in der Inneren Medizin im Spital Bad Säckingen täglich etwa sechs Patienten und in der Geriatrie einer aufgenommen wird. Auf der Intensivstation werde im Schnitt alle drei Tage ein Patient aufgenommen. Auch die ambulante und stationäre Notfallversorgung in der Region wäre mit dem Wegfall des Spitals nicht gefährdet. Durchschnittlich fünf Fälle pro Tag würden derzeit in der stationären Notfallversorgung ungeplant aufgenommen. Wörtlich heißt es weiter: "Aufgrund der personellen Situation und der Vernachlässigung des Standorts über viele Jahre ist es am Standort Bad Säckingen nicht mehr möglich, auch in der Zukunft eine qualitativ hochwertige Versorgung für die Patienten anzubieten." Um das Unternehmen in seinem Bestand zu sichern und eine weitere dramatische Verschlechterung der Situation zu verhindern, müsse der Standort Waldshut geschützt werden. Auch dort würden die Honorararztkosten von Jahr zu Jahr steigen. Laut Vorlage hat Geschäftsführer Schlaudt seine Vorschläge mit dem Sozialministerium abgestimmt. Das Land sage seine finanzielle Unterstützung auch nur für einen Standort zu. Ein Verantwortlicher wird auch benannt: "Der bundespolitische Wille war und ist, die Steigerung der Lohnnebenkosten über die Schließung der Krankenhausstandorte zu verhindern. Dies geht seit Jahren zu Lasten dünner besiedelter ländlicher Regionen."

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Gesundheitscampus
Unpräzise bleibt die Sitzungsvorlage in Sachen "Gesundheitscampus", den Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl jüngst in Zusammenarbeit mit Gutachter Jörg Risse vorgestellt hatte. Der Kreistag, so heißt es in dem Papier, solle die Realisierung eines Gesundheitscampus’ am Standort Bad Säckingen "unter Einbeziehung aller Interessengruppen in Abstimmung mit der Stadt Bad Säckingen" prüfen. Zwar beschreibt auch diese Vorlage das Campusprinzip "Alles unter einem Dach", in einem Punkt aber unterscheidet sich der von Kistler beschriebene Gesundheitscampus ganz wesentlich von dem, den Guhl und Risse für Bad Säckingen entworfen hatten. Im Kistlerschen Papier fehlt eine stationäre Komponente völlig, für Guhl aber sind Krankenhausbetten in der Geriatrie und der Inneren elementare Bestandteile eines Campus’ und für dessen Gelingen unabdingbar. Die Idee hinter einem Gesundheitscampus, so heißt es bei Kistler, sei die Verzahnung von unterschiedlichen Gesundheitsangeboten, beispielsweise auf dem Gelände des heutigen Spitals. Neben klassischen ärztlichen Angeboten sollen auch weiterführende therapeutische, pflegerische und rehabilitative Angebote sowie Beratungs- und Serviceleistungen angeboten werden. Zu Kosten und Kostenträgern enthält das Papier keine Angaben.

Zentralklinikum
Schließlich soll der Kreistag in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch zwei große Schritte in Richtung Zentralklinikum gehen. Zum einen soll die Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein GmbH beauftragt werden, die Medizinstrategie und Leistungsplanung sowie das Raumkonzept für den Neubau zu erarbeiten und schließlich soll ein Ausschreibungsverfahren für den geeigneten Standort eines zentralen Krankenhauses gestartet werden. Daran sollen zunächst alle Gemeinden im Kreis beteiligt werden. Grundstücksgröße und Zuschnitt, bauplanungsrechtliche Eckdaten, Grundstücksbeschaffenheit, die Lage, Regionalität, Wohnortnähe und Anbindung an die Verkehrsnetze sowie die Beschaffungskosten sollen die Kriterien sein, die für die Standortwahl letztlich entscheidend sein werden. Geprüft werden soll auch, ob der Neubau von der Kreisverwaltung gesteuert wird oder ob ein Generalunternehmer oder Generalübernehmer damit beauftragt wird.

Kreistag: Die nächste öffentliche Sitzung des Kreistags findet am Mittwoch, 8. November, ab 14.30 Uhr in der Rappensteinhalle in Laufenburg statt. Nach der Bürgerfragestunde ist die Fortentwicklung der Spitäler Hochrhein GmbH bereits der zweite von insgesamt 13 Tagesordnungspunkten.

Autor: Axel Kremp