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15. März 2010
Der ganz große Wahnsinn eben
Die Darsteller der Festspielgemeinde ziehen bei ihrem neuen Stück alle Register des schauspielerischen Könnens.
BAD SÄCKINGEN. " Mr. Pippet, wir haben ein Problem." Günther Kraus reicht ein Satz, um die Situation zusammenzufassen, sich den Besuchern der Festspielgemeinde auf der Bühne bietet. Und die steht in ihrer Brisanz der historische Situation, in der der zweite Teil dieses Satzes schon einmal gefallen ist, in kaum etwas nach.
Der von Günther Kraus gespielte Bernhard Dunlap ist in dem Stück " Suite Wahnsinn" in der wenig beneidenswerten Lage, in seinem Hotel zwei auf den Tod verfeindete Diven in einer Suite unterbringen zu müssen. Das Hotelzimmer als Arena, die von Mrs. Everett Osgood, gespielt von Rita Schnabel, eingeladenen, marodierenden Marinesoldaten in der Lobby und der schwitzende, verzweifelte Hoteldirektor als Verantwortlicher mit dem Funken des Wahnsinn in den Augen zwischen allen Stühlen.Bei Günther Kraus laufen die Fäden zusammen. Er muss als Hoteldirektor alle Register ziehen, um sich nicht in ihnen zu verknoten. Geht es noch schlimmer? Ja, wenn eine der beiden Showgrößen von Hilde Butz gespielt wird. Die Arroganz und emotionale Kälte, mit der sie die Rolle der Claudia McFadden spielt, suchen ihres Gleichen. Nicht ihre Worte lassen dem Zuschauer das Herz stocken. Es sind die Gesichtszüge und ihr makelloses Lächeln, das zu gefrieren scheint. Wen sie mit ihren stechenden Augen fokussiert, der schaut dem Teufel höchst persönlich ins Gesicht. Besonders ihr Privatsekretär Mr. Pippet kommt oft in diesen unfreiwilligen " Genuss".
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Thierry de Winters wunderbar überzeichnete und mit französischem Akzent ausgestattete Darstellung eines devoten Assistenten bedient das klischeehafte Bild des immer professionellen und humorlosen Franzosen perfekt. Allein seine lebendigen Augenbrauen schaffen es, das ganz Stück hindurch das Augenmerk der Zuschauer auf sein Gesicht zu ziehen. "Mir wurde am Anfang der Proben schlicht gesagt, dass ich einen Franzosen spiele. Das habe ich gemacht", sagt er über seine Rolle. Eine bessere hätte man ihm nicht geben können.
Aus ganz anderem Holz ist Murphy Stevens, die helfende Hand an der Seite des zweiten amourösen Stars, geschnitzt. Fast schon mütterlich wacht Maria Kruse über ihre Chefin, holt die vom Boden der Tatsachen gelöste Diva mit rigiden Worten auf selbigen zurück. Deren kindliche Verfehlungen quittiert sie mit gepressten Lippen und tadelnden Augen, die mehr rollen als still zu stehen.
Bei Athena Sinclair, die von Susanne Kanele gespielt wird, haben sie auch jeden Grund dazu. Verführerisch zwinkert sie dem anderen Geschlecht zu, ihre Bewegungen haben etwas von einer Schlange, so grazil bewegt sie sich über die Bühne. Wenn sie vom Leben der Schönen und Reichen spricht, hebt sich ihre Stimme und dehnt die Wörter ins Endlose. Ein genussvolles Schließen der Augen, ein Seufzer und man hat das Gefühl, mitten in Hollywood zu sein. Da dürfen Tipps rund um die Männerwelt an ihre junge, jedoch frigide Assistentin nicht fehlen, und es ist eine Wonne, danach zu sehen, wie diese beim Anblick des Pagen Otis, gespielt von Walter Schnabel, aus der Fassung gerät, und ihrem ehemaligen Geliebten mit verkrampften Fingern und wütend blitzenden Augen die Meinung sagt.
Dass so viel skandalträchtige Konstellationen nicht unbemerkt bleiben, beweist das Auftauchen der Klatschjournalistin Dora del Rio, die gegeben wird durch Brigitte Weissbrodt. Neugierig, leichtgläubig und naiv verfängt auch sie sich in dem Geflecht aus Zufällen und erwartet zusammen mit dem Zuschauer die große Katastrophe, die Story ihres Lebens, den ganz großen Wahnsinn eben.
Autor: Marcus Seuser
