12. November 2009
Die frühen Vorfahren waren Käsemacher
BAD SÄCKINGEN (mie). Die heutigen Familiennamen sind ein Stück Kulturgeschichte. In ihnen finden sich längst vergessene Berufe, fremdsprachige Einflüsse und eine wechselvolle Geschichte. In der BZ-Serie "Nomen est Omen" analysiert Daniela Ohrmann von der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig jeden Donnerstag den Namen eines unserer Leser.
Fußballfans kennen den Nachnamen von Gudrun Keser vielleicht von einem türkischen Nationalspieler, der früher bei Borussia Dortmund spielte. Aber auch in Deutschland, vor allem im Westen und Süden, ist der Name vertreten. 331 Mal hat ihn unsere Namensexpertin im deutschen Telefonbuch gefunden, ein deutlicher Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Landkreisen Waldshut und Lörrach. Deshalb konzentriert sich Daniela Ohrmann bei der Deutung des Namens auf die für den Raum Baden zutreffende Variante: "In Baden ist Keser meist mit dem Namen Käser/Kaeser zu verbinden, die zusammen auf mehr als 900 Telefonbucheinträge kommen und ihren Verbreitungsschwerpunkt in Süddeutschland, vor allem in Bayern haben." All die Namensvarianten gehen nach den Recherchen unserer Namensexpertin in Süddeutschland auf die gleichlautende Berufsbezeichnung zurück: Zugrunde liegt das mittelhochdeutsche Wort kaeser für Käser, Käsemacher. "Diese Berufsbezeichnung kann zuweilen auch den Händler mit dem als Nahrungsmittel beliebten festen Labkäse meinen oder auch den Sennknecht, der die Käserei auf einer Alp betrieb.
Es gibt übrigens eine ganze Reihe von deutschen Familiennamen, die sich auf die Käseherstellung beziehen. Viele davon sind aus so genannten mittelbaren Berufsbezeichnungen hervorgegangen, die nicht – wie Keser – den Beruf selbst, sondern ein berufsspezifisches Produkt, Werkzeug oder anderes aufgreifen. Auf Käseproduktion weisen Namen wie Käse, Käslein, Schönekäs oder Gutkas hin.
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Im niederdeutschen Sprachraum müsste der Name Keser anders gedeutet werden: "Dort steht Keser meist mit einem Berufsbeinamen in Zusammenhang und geht auf das mittelniederdeutsche Wort keser für Wähler, bestellter Prüfer zurück", sagt Daniela Ohrmann. "Das hochdeutsche, also auch mittel- und süddeutsche Namenspendant dazu wäre Kieser."
Kontakt: Sie möchten ihren Namen analysieren lassen? Dann melden Sie sich unter Telefon 07761-92195928 oder per E-Mail: mielcarek@badische-zeitung.de. Wichtig: die Telefonnummer für Rückfragen und den Wohnort nicht vergessen. Mittlerweile sind schon so viele Anfragen bei uns eingegangen, dass mit einer längeren Wartezeit gerechnet werden muss.
Autor: ohrm





