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04. Juni 2014

Ein Kinderspielplatz im Schlosspark

Gemeinderat lehnt Urban Gardening an der Schönaugasse gegen die Stimmen von Bürgermeister Guhl und der SPD-Fraktion ab.

  1. Auf Besichtigungstour in Basel (von links): Maritta Vögtle, CDU, Stadtbaumeister Michael Rohrer, Alexander Borho und Alfons Döbele (FDP), Tilla Künzli vom Basler Verein Urban AgriCulture, Michael Maier (CDU) und Michael Koubik (Grüne) Foto: Clemens Pfeiffer

BAD SÄCKINGEN. Am Ende war die Mehrheit eindeutig: Lediglich die Sozialdemokraten und Bürgermeister Alexander Guhl haben sich für das sogenannte Urban-Gardening-Konzept auf dem ehemaligen Minigolfgelände am Rande des Schlossparks ausgesprochen. Mit elf zu sieben Stimmen bei zwei Enthaltungen hielt das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung am Beschluss vom Juni 2013 fest, zwei Drittel des Areals Kleinkindern und Eltern zur Verfügung zu stellen und ein Drittel der botanischen Fläche des Schlossparks zuzuschlagen.

Damit fand in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ein Antrag der Grünen eine Mehrheit. Bereits in der vorangegangenen Sitzung waren es insbesondere Grüne und Christdemokraten, die keineswegs angetan waren vom Konzept des Urban Gardening, welches Tilla Künzli vom Basler Verein Urban AgriCulture damals vorgestellt hatte. Die essbare Stadt ist das Ziel des Vereins, der in Basel bereits 40 Projekte betreibt. Und wie schon damals sahen die Befürworter des Urban Gardening darin eine zeitgemäße, auf bürgerschaftliches Engagement gestützte Fortführung der bisherigen Planung. Es entstünde ein generationenübergreifender Begegnungs-, Lern- und Spielraum.

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Passen Urban Gardening und Kinderspielplatz zusammen?, fragte Franz Stortz von den Grünen. Er jedenfalls sieht Konfliktpotential und erinnert daran, dass die Kinder im Mittelpunkt stehen sollten. Dass der von ihm formulierte Antrag gegen Urban Gardening am Ende recht deutlich durchging, war wohl auch Ergebnis einer Besichtigungsfahrt nach Basel. Nachdem sich etliche Stadträte dort ein Bild von Urban-Gardening-Anlagen machten, schwenkten etwa die Bad Säckinger Liberalen um, wie Alexander Borho berichtete. Und für die Union sagte Clemens Pfeiffer, "wir konnten uns so etwas für den Schlosspark nicht vorstellen." Er habe in Basel Gemeinschafts-Schrebergärten gesehen, auf denen sich eine Bürgergruppe verwirklichen wolle. "Urban Gardening ist nicht schlossparktauglich", sagte Pfeiffer. Damit stellten sich die Christdemokraten nicht kategorisch gegen solch eine Anlage in Bad Säckingen. Der Verein solle sich jetzt gründen und dann gemeinsam mit der Stadtverwaltung nach einer geeigneten Fläche Ausschau halten. Michael Maier (CDU) kann sich einen der Schulgärten vorstellen. In Basel, so zitierte er aus dem Besuch der dort, werde geschaut, dass sich die Kinder aus den Urban-Gardening-Anlagen heraushalten.

Ganz anders argumentierte Christine Friedlmaier (SPD). Sie könne keine einzige Fläche sehen, die nicht für Kinder geeignet wäre, warb sie für die von Stadtbaumeister Michael Rohrer erarbeiteten und vom Denkmalamt im Regierungspräsidium bereits begrüßten Pläne. Dieses Konzept sieht – wie berichtet – neben Spielgeräten wie einer Insektenwippe, einem Kletterbaum und Schaukeln auch eine Sitzfläche in der Mitte etwa für Unterricht, Beerenhecken, Hochbeete, einen Duftgarten und einen Barfußpfad vor. Es könne, so Christine Friedlmaier, zum Glücksfall für Bad Säckingen werden. Es sei ein gleichermaßen ökologisch wie sozial sinnvolles Projekt. Stefan Meier, der auch auf der SPD-Liste für den Gemeinderat kandidiert hatte, wollte das Projekt gemeinsam mit zehn Mitstreitern betreiben.

Gelächter am Ratsrund und unter den Zuhörern erntete Christine Friedlmaier für ihr Argument, dass das Holz der Bäume, die für Urban Gardening am Rande des Schlossparks gefällt werden müssten, gleich an Ort und Stelle genutzt und wieder verwendet werden könne.

URBAN GARDENING

Unter Urban Gardening (urbaner Gartenbau) versteht man eine meist kleinräumige gärtnerische Nutzung städtischer Flächen. "Die essbare Stadt" ist da ein Schlagwort. Daneben geht es auch um Sensibilisierung für nachhaltige Lebensstile, Bildung,
nachhaltige Stadtentwicklung und um Kommunikation.  

Autor: akr

Autor: Axel Kremp