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15. September 2012

Ein Konzert mit Gänsehaut-Feeling

Bad Säckinger Publikum feiert den Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson für seine Klassikversion der Welthits der legendären Rockband.

  1. Rockstar Ray Wilson brachte die Genesis-Hits mit Streicherklängen auf die Bühne des Gloria-Theaters in Bad Säckingen. Foto: Roswitha Frey

BAD SÄCKINGEN. Was für ein Song! Wow! Das dachte sich Ray Wilson, als er als Jugendlicher zum ersten Mal den Genesis-Titel "Mama" hörte. Und jetzt steht der Ex-Sänger jener legendären Rockband auf der Bühne des Bad Säckinger Gloria-Theaters und singt diesen Wahnsinnssong mit atemberaubender Stimme: sehr dunkel, tief, rau und kernig. Wenn Wilson sich so kraftvoll in diesen Song legt, inklusive dem verzerrten Lachen, und die Background-Geigerinnen den Gesang mit Streichertremoli unterlegen, breitet sich dieses Wow-Gefühl aus, Gänsehaut-Feeling.

Nicht nur für eingefleischte Fans war die Saisoneröffnung im fast ausverkauften Gloria mit dem Weltstar und seinem Ensemble ein mitreißender, fantastischer Abend mit einem Hauch großer Popgeschichte. Dabei hängt der Sänger und Gitarrist in diesem "Genesis-Classic"-Projekt gar nicht den Rockstar heraus, kommt unprätentiös daher in Jeans und grauem T-Shirt, mit Dreitagebart, wendet sich locker und sympathisch ans Publikum.

Für optischen Glamourfaktor auf der Bühne sorgen die beiden jungen, attraktiven Geigerinnen Barbara Szelagiewicz und Alicja Chrzaszcz in glitzernden Pailletten-Minis. Die Violinistinnen verleihen den Arrangements der Genesis-Hits mit schwelgerischen und auch mal expressiven Streicherklängen einen klassischen Touch, einen weichen, fast schon orchestralen Klangteppich. Außerdem hat Wilson für diese Classic-Version der Welthits den dynamisch und mit rhythmischem Drive spielenden Pianisten Darek Tarczewski und seinen Bruder Steve Wilson an der Gitarre um sich versammelt. Diese raffinierte Instrumentation gibt den Stücken einen etwas anderen Klangcharakter Richtung Classic-Pop.

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Vom ersten Song an, dem Titel "Follow me, Follow you", fesselt Ray Wilson mit seiner charismatischen Stimme, seinem kräftigen, einfühlsamen Gesang, seiner gradlinigen, ungeheuer intensiven Rockmusiker-Ausstrahlung, die ohne Showmätzchen und aufgesetzte Posen auskommt. Mit der Phil-Collins-Ballade "Another Day in Paradise" packt er die Zuhörer – darunter etliche Genesis-Fans der ersten Stunde – ebenso wie mit dem Superhit "Carpet Crawlers" aus der Peter Gabriel-Ära, den Wilson so stimmgewaltig und eindringlich singt, getragen vom weichen Streicherklang und dem markanten Pianospiel, dass das richtig unter die Haut geht. Stürmisch bejubelt wird auch seine Interpretation von "Another Cup of Coffee". Zwischendurch hat der Schotte auch eigene, nachdenkliche, persönliche Songs parat, wie "First Day of Change", ein Song über Hoffnung und einen Neubeginn im Leben.

Nach der Pause dreht Wilson mit "Land of Confusion" rockiger auf, begleitet von hohen flirrenden Geigenklängen und perkussiv gehämmerten Pianopassagen. Da klatscht der ganze Saal enthusiastisch mit, etliche Fans stehen auf, tanzen, wiegen sich, sind völlig verzückt, ihre heiß geliebten Genesis-Klassiker live und in einer so stimmigen Version zu erleben.

Als kleines instrumentales Intermezzo lassen die Geigerinnen einen Vivaldi-Sturm über die Saiten fegen, und Ray Wilsons Rockgitarre "flirtet" augenzwinkernd mit den Violinen. Beim Schlusssong "Solsbury Hill" herrscht ausgelassene Stimmung, bringt Wilson in rhythmisch treibendem Sound alle zum Mitklatschen, Tanzen, Jubeln. Nach den Zugabe-Rufen kommt der Ex-Genesis-Star allein zurück auf die Bühne, singt ein Bob-Dylan-Medley und verabschiedet sich vom seinem restlos begeisterten Publikum mit einem seiner Lieblingssongs: "No Son of Mine". Da lebten sie wieder auf, die großen Genesis-Zeiten.

Autor: Roswitha Frey