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30. März 2017

"Es ist wichtig, Brücken zu bauen"

BZ-INTERVIEW mit Andreas Bühler von den Rainbow Stars zu den homophoben Äußerungen des Bad Säckinger Imams.

  1. Die Regenbogenflagge ist ein Symbol für sexuelle Vielfalt. Foto: Ingo SChneider

  2. Andreas Bühler Foto: Held

BAD SÄCKINGEN. Die Bad Säckinger Ditib-Gemeinde steht in der Kritik, weil ihr Imam auf Facebook unter anderem Homosexuelle als "pervers" bezeichnet hatte. Felix Held hat sich mit Andreas Bühler von der Bad Säckinger LSBTTIQ-Gruppe Rainbow Stars darüber unterhalten, wie Homosexuelle in Bad Säckingen damit umgehen.

BZ: Herr Bühler, waren Sie davon überrascht, dass sich der Bad Säckinger Imam homophob auf Facebook äußert?

Bühler: Ich hätte es nicht unbedingt erwartet, aber überrascht war ich nicht. Unser bisheriger Hauptberührungspunkt mit der Ditib-Gemeinde war eine geplante Vorführung des Films "Out in the Dark", in dem es auch um Homosexualität geht, bei der interkulturellen Woche im vergangenen Jahr. Der wurde vor allem auf Betreiben des Imams und seiner Gemeinde aus dem Programm genommen. Hinter die Ditib-Gemeinde hatten sich damals aber auch die Kirchen in Bad Säckingen gestellt.

BZ: Hatten Sie damals persönlich Kontakt mit dem Imam?

Bühler: Ja, wir haben ihn bei einer Sitzung des multikulturellen Beirats getroffen. Uns gegenüber war er freundlich. Wir hatten damals nicht unbedingt den Eindruck, dass er homophob ist. Die vehemente Ablehnung des Films hat uns allerdings befremdet.

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BZ: Können Sie kurz erklären, wer die Rainbow Stars sind?

Bühler: Wir sind momentan eine lose Gruppierung von einigen aktiven Leuten im Bereich LSBTTIQ. Kurz gesagt steht diese Abkürzung für unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten. Wir sind in den Landkreisen Waldshut-Tiengen und Lörrach aktiv und haben uns 2016 neu gegründet. Unsere Schwerpunkte sind die Stadt Lörrach und Bad Säckingen, in denen es Vorgängergruppen gab.

BZ: Fühlen Sie sich persönlich getroffen von homophoben Attacken?

Bühler: Als "homosexuell-pervers" bezeichnet zu werden, kann natürlich sehr verletzend sein. Solche Äußerungen zeigen uns, dass noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Der Imam hatte uns damals angeboten, eine weitere Veranstaltung im Bereich sexuelle Vielfalt in Kooperation zu organisieren. Ich denke, dass die aktuelle Lage doch eine ganz gute Gelegenheit wäre, so etwas in Angriff zu nehmen. Wir würden uns freuen, wenn die Ditib-Gemeinde oder der Imam persönlich auf uns zukämen, um dieses Angebot noch einmal zu erneuern.

BZ: Sie würden also gerne Aufklärungsarbeit leisten?

Bühler: Ja, sehr gerne. Falls die Ditib-Gemeinde denkt, dass wir persönlich nicht geeignet sind, könnten wir auch Kontakte zu anderen Gruppen vermitteln. Aufklärungsarbeit ist uns sehr wichtig. Wir sind der Überzeugung, dass es wichtiger ist, Brücken zu bauen als Brücken abzubrechen. Natürlich lassen sich Brücken aber nur schwer von einer Seite aus bauen.

BZ: Haben Sie den Eindruck, dass Homophobie in Bad Säckingen besonders stark ausgeprägt ist?

Bühler: Homophobie kommt in jeder gesellschaftlichen Schicht, unabhängig von Bildungsgrad oder Einkommen vor. Das heißt, die gibt es überall im Land. Ich habe nicht den Eindruck, dass es in Bad Säckingen besonders schlimm wäre. Ich habe aber den Eindruck, dass sich die religiösen Führer hier besonders schwer tun. Weil sie, vermute ich, zum Teil noch unsicher sind, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Mir scheint jedoch, dass viele Gemeindemitglieder in Bad Säckingen da schon weiter sind. Aufklärungsarbeit in Kooperation mit allen Konfessionen wäre wahrscheinlich der bestmögliche Weg.

BZ: Erwarten Sie von der Ditib-Gemeinde noch eine Reaktion?

Bühler: Für uns wäre es wichtig, dass die islamische Gemeinde klar Stellung bezieht. Denn die bisherige Erklärung, dass für das korrekte Verständnis der Aussagen des Imams der nötige Hintergrund fehle, kann uns nicht im geringsten überzeugen. Wir wünschen uns ein klares Bekenntnis gegen Homophobie.

Zur Person: Andreas Bühler (25) ist Geschichtsstudent in Basel und engagierte sich bereits seit 2012 im Bad Säckinger Vorläufer der Rainbow Stars.

Autor: lix