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04. April 2011

Geistreich, amüsant und turbulent

Festspielgemeinde Bad Säckingen brilliert mit raffiniert gestrickter Boulevardkomödie / Weitere sechs Vorstellungen geplant.

  1. Eine Party mit Hindernissen und Turbulenzen feiern die schicken Gäste in der Komödie „Gerüchte...Gerüchte“, mit der die Festspielgemeinde Bad Säckingen einen großen Premierenerfolg landete. Foto: Roswitha frey

BAD SÄCKINGEN. Am Anfang fällt ein Schuss. Oder war es nur ein dumpfer Knall? Was spielt sich da Mysteriöses hinter der Schlafzimmertür ab? Um rätselhafte Geschehnisse, Vertuschungsaktionen und Heimlichtuereien auf einer Party dreht sich die Komödie "Gerüchte…Gerüchte", mit der die Festspielgemeinde Bad Säckingen am Freitagabend vor voll besetzten Reihen im Festspiel-Gemeindehaus viel beklatschte Premiere feierte.

Geistreich, amüsant und turbulent entwickelt sich die Inszenierung von Renate Kraus, die diesen Broadway-Klassiker von Neil Simon mit viel komödiantischem Esprit, Dialogwitz und Tür-auf-, Tür-zu-Situationskomik auf die Bühne bringt. Das Publikum unterhielt sich bestens über diese raffiniert gestrickte Boulevardkomödie, die in den besseren Kreisen von New York spielt. Der stellvertretende Bürgermeister hat seine besten Freunde zu einer Party eingeladen. Doch als die schick gestylten Gäste nacheinander eintrudeln, liegt der (unsichtbare) Gastgeber blutend im Schlafzimmer, die Gastgeberin ist verschwunden, das Personal ebenso, es ist nichts zum Essen vorbereitet. Alles höchst seltsam. Aufregung macht sich breit, die wildesten Skandalgeschichten kursieren, keiner weiß, was passiert ist. Nur eines ist bald klar: In diesem Haus ist etwas oberfaul.

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Schon das Bühnenbild mit rotem Sofa und farbigen Pop-Art-Porträts ist ein Hingucker. Unter den noblen Gästen sind lauter Ehepaare, die ihre Eifersüchteleien, Krisen und Spannungen mit viel Ironie austragen. Das ist von den Figuren her eine tolle Steilvorlage für ein so spielfreudiges, bühnensicheres und darstellerisch profiliertes Ensemble. Die Darsteller schöpfen ihre Rollen denn auch mit sichtlichem Vergnügen und in blendender Spiellaune aus. Susanne Kanele, langbeinig und auf schwindelerregend hohen High-Heels, brilliert in dieser Charade als hektisch aufgeregte, nervlich völlig aufgelöste Anwältin Chris am Rande der Hysterie – das reinste Nervenbündel. Mit viel komödiantischer Verve und komischer Verzweiflung agiert Thierry de Winter als Anwalt Ken, der ständig hinter der Tür verschwindet, sich in die verworrensten Lügen verstrickt und alles falsch versteht – was zum reinsten Running-Gag wird.

Publikum hat viel zu rätseln und viel zu lachen

Mit seinem trockenen Humor und seinen lakonischen Kommentaren heimst Günter Kraus als Steuerberater Lenny die meisten Lacher ein. Wie er sich mit Schleudertrauma und schiefem, steifem Hals durch die Party quält und dann als falscher Hausherr Charlie zu großer Form aufläuft, ist eine darstellerische Glanznummer! Große Klasse ist auch Rita Schnabel als Lennys klatschsüchtige, scharfzüngige Frau Claire, die gern giftige, gehässige Bemerkungen macht. Eine Paraderolle für die hinreißende Hilde Butz ist die liebenswert-chaotische Fernsehköchin Cookie, die im Flatterkleid und hexenschussgeplagt die Partygesellschaft bekochen muss, was die komischsten Verrenkungen und Turbulenzen auslöst.

Helmut Kaltenbach liefert ein rundum gelungenes Bühnendebüt als Psychiater Ernie, der sich in diesem Tollhaus der Lügen, Heimlichkeiten und Täuschungsmanöver selbst reif für die Therapie-Couch fühlt. Als letztes Paar tauchen die zerstrittenen Coopers auf: Detlef Bengs als Senatskandidat Glenn gibt im strengen Anzug mit Brille das überzeugende Porträt eines ehrgeizigen Politikers und Karrieristen. Und Maria Kruse als seine Frau Cassie mimt perfekt die etwas exzentrische, zickige Schönheit, die sich provozierend an die fremden Ehemänner ranmacht. Sehr witzig inszeniert ist die Szene, in der alle wie die Hühner auf der Stange auf dem Sofa sitzen und mit den Tellern klappern, vor der Polizei hinterm Sofa in Deckung gehen oder mit wilder Tanzerei pseudofröhliche Partystimmung vorgaukeln. Einen kurzen, aber effektvollen Auftritt hat Walter Schnabel als Detective Welsh, der den haarsträubenden Storys der "Verdächtigen" kein Wort glaubt.

Das Premierenpublikum hatte also viel zu lachen und viel zu rätseln in der Gesellschaftskomödie – bis zur knalligen Schlusspointe!

Weitere Vorstellungen am 8., 9., 10., 15., 16., 17. April und eine Zusatzvorstellung am 20. April, jeweils ab 19.30 Uhr, Hildastraße 2. Karten: Tel. 07761/58376
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Autor: Roswitha frey