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26. Oktober 2009
Intime Stimmung bei Rockröhre Julia Neigel
Nur rund 150 Besucher kamen zum Konzert des Rockstars aus den 1980ern – die aber waren ausnahmslos begeistert
BAD SÄCKINGEN. 1987 sang sie von "Schatten an der Wand", in den 90er Jahren wurde es irgendwann still um Jule Neigel. Jetzt startet sie einen Comebackversuch, der sie am Samstag auch ins Gloria nach Bad Säckingen führte. Der Auftritt von Julia – wie sie sich inzwischen nennt – Neigel war famos, der Besuch eher spärlich.
Es gibt Konzerte, bei denen heißt es, der Künstler hätte jeden Gast per Handschlag begrüßen können. Genau das machte Julia Neigel am Samstag im Gloria. Bei etwa 150 Gästen war dies machbar – allerdings hat man bei der Frau mit der Wahnsinnsröhre den Eindruck, sie würde das auch in einem ausverkauften Stadion tun. Sie steht gerne in Kontakt mit ihren Fans, das wird gleich zu Beginn des Konzerts deutlich. All jene, die ihre Plätze weiter hinten gebucht hatten, forderte sie auf, nach vorne zu kommen. Die Fans folgten und so wurde die Stimmung sehr intim. Was wiederum gut zur knappen Akkustikbesetzung bei diesem Konzert passte. E-Piano, kleines Schlagzeug und Akustikgitarre – das war’s.
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Julia Neigel unterhält sich mit ihren Fans und erfährt dabei, dass einige sogar 600 Kilometer Anfahrt in Kauf genommen haben, um ihr in Bad Säckingen zuzuhören. Das entschädigt die Sängerin dann wieder für den knappen Besuch. Nach mehreren Jahren Pause, wegen Urheberrechtsstreitigkeiten mit ihrer ehemaligen Band, will Julia Neigel nun auch wieder auf die großen Bühnen.
Ein neues Album soll 2010 erscheinen, während der aktuellen Tournee testet sie dabei eine Reihe Songs, die eventuell darauf erscheinen sollen. "Ich fühl’s nicht mehr" und "Teufel" sind zwei dieser Stücke. Lieder mit viel Gefühl und etwas Pathos, wie man es noch von Jule kennt. Daran hat sich auch bei Julia nichts geändert. Aber für diese Texte liebten ihre Fans sie einst und werden sie auch wieder lieben. Denn eines ist auch gleich geblieben: Die Hammerstimme, mit der sie ihr Publikum an die Wand singt. Mit dieser Stimme kann sie alles. Pop, Rock, Blues, Jazz – das Organ von Julia Neigel ist wie eine Naturgewalt, die einen einfach überkommt und mitreißt, ob man nun will oder nicht.
Mit dieser Röhre singt sie an diesem Abend auch eine Menge Songs anderer Künstler. "Duran Duran", Eric Clapton, Zuccero und "Mecano" bringt sie zu Gehör. Sie singt deutsch, englisch, spanisch, italienisch und französisch. "Mit Etienne" von Guesch Patti präsentiert sie eine weitere Hymne des Jahres 1987, als sie selbst mit "Schatten an der Wand" bekannt wurde. Die hat sie im Gloria auch noch gesungen, als Zugabe. In einer ganz leisen Version, nicht wie auf dem gleichnamigen Album mit der vollen Wucht ihrer Stimme. Die Schatten der Vergangenheit will sie nun endlich loswerden und wieder Erfolg haben. Denn sie singt, um Menschen glücklich zu machen, erzählt Julia Neigel zwischen zwei Liedern.
Das ist ihr an diesem Abend mit Sicherheit gelungen. Auch bei einer gewisse Ilse aus dem Publikum, die mit Julia zusammen "Wärst du bei mir" auf der Bühne singen soll – und das nach einigem Zögern auch tut und am Ende sehr glücklich aussieht. Mit "Je ne regrette rien" (ich bereue nichts) von Edith Piaf verabschiedet sich Julia Neigel dann nach mehr als drei Stunden Musik und Plauderei von ihrem Publikum.
Autor: Jörn Kerckhoff
