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03. Juli 2009
Kabarettistin Marianne Schätzle gibt in Bad Säckingen die zweite Angela Merkel
Als "Angela die Zweite" gewährte Kabarettistin Marianne Schätzle satirische Einblicke in die Arbeit einer Regierungschefin
BAD SÄCKINGEN. Hoher Besuch weilte am Mittwoch in Bad Säckingen, denn dann trat "Angela die Zweite", die treue Beraterin und Vertreterin der Bundeskanzlerin, im Restaurant "Zum Viertele" auf. Und dabei verriet sie, was wirklich hinter der Finanzkrise steckt.
Marianne Schätzle aus Singen ist eine von nur zwei Merkel-Doppelgängerinnen in Deutschland. Auf Einladung der Gruppe Hochrhii der Muettersproch-Gsellschaft gastierte die aus dem Klettgau stammende Kabarettistin zum ersten Mal in Bad Säckingen. Mit Perücke und den typischen merkelschen Kleidungsrequisiten – schwarze Hose und kurzes Jackett – verwandelte sie sich in die Kanzlerin, allerdings unterscheidet sie sich doch in einem Punkt von Angela Merkel: "Die Leute sagen mir immer, dass ich im Fernsehen dicker aussehe." Marianne Schätzles Clou besteht darin, dass sie vorgibt, treu im Dienste der Kanzlerin zu stehen, aber in Wahrheit kritisiert sie Frau Merkel, indem sie ihr entlarvende Äußerungen in den Mund legt – etwa in Form von Wahlkampfversprechen: "Ich bin bereit, für Sie mehr zu geben, als wir haben. Ich gebe Ihnen sogar mehr, als wir je erarbeiten können. Ich habe kein Problem, es Ihnen einfach zu versprechen, denn das Langzeitgedächtnis habe ich ausgeschaltet." Die echte Angela habe sie mit der Wahlwerbung beauftragt, erklärte die Kabarettistin. Und daher habe sie sich die ganze Wirtschaftskrise ausgedacht, denn: "Jetzt hat Angela viel mehr Möglichkeiten, jetzt kann sie Rettungsschirme aufspannen, und jetzt mögen sie alle." Dummerweise habe auch Herr Steinmeier eine tüchtige Helferin, die sich die Schweinegrippe ausgedacht und damit ihrem Chef ebenfalls tolle Möglichkeiten eröffnet habe.Werbung
Zwar besteht der Hauptteil ihrer kabarettistischen Arbeit aus Merkel-Parodien, aber Marianne Schätzle tritt auch gerne mit ihrem schwarzen Vogel Benni auf, der nie um einen frechen Spruch verlegen ist, zum Beispiel: "Mit des Bieres Hochgenuss wächst des Ranzen Radius." Dennoch biete sich der Vogel als Kindersatz und somit als Lösung des demografischen Problems in Zeiten der berufstätigen Frau an. Die Frauen könnten an dem Vogelbaby ein halbes Jahr ihre Muttergefühle ausleben und ihn dann auswildern, damit sie sich wieder um die Karriere kümmern können. Zwar sei der Vogel nicht gerade schön, aber das ist laut Marianne Schätzle kein Problem, da in 20 Jahren eh niemand mehr wisse, wie ein Kind aussieht.
Auch die Erfindung der von Angela Merkel gern zitierten "schwäbischen Hausfrau" reklamiert Marianne Schätzle für sich. Als solche weiß sie, dass Hausarbeit schlimmer ist als Schwarzarbeit, schließlich "werden bei der Hausarbeit nicht nur die Steuern, sondern auch der Lohn hinterzogen." Daher belohnt sie sich selbst in Naturalien. Für ein gebügeltes Hemd gibt’s ein mon chéri. Um Angela Merkels Leibesfülle zu erreichen, müsste sie noch einige Hemden bügeln. Bis es so weit ist, polstert sie eben ihre Jacke aus.
Wenn Marianne Schätzle im Merkel-Look durch das Regierungsviertel in Berlin spaziert, dann hört sie manchmal die Leute tuscheln. So gemein, dass sie ihr "Regierungsprogramm" den Leuten, die sie tatsächlich für Angela Merkel halten, auftischt, ist Marianne Schätzle aber nicht.
Autor: Michael Gottstein
