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14. November 2017

Leserbriefe

  1. Die Caritas will das Café Zwischen, in dem behinderte Menschen arbeiten, in Bad Säckingen Ende November schließen. Foto: Martin Köpfer

SPITÄLER HOCHRHEIN GMBH
Der Bürgermeister ist nicht der Sündenbock
Zu unserer Berichterstattung über die Schließung des Spitals Bad Säckingen
Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken! Bei der beschlossenen Schließung des Säckinger Krankenhaus unseren Bürgermeister als "Sündenbock" auszumachen ist grotesk und einfach nur peinlich. Die Schuldigen sitzen woanders, nämlich oben! Wo sind sie denn nun eigentlich, unsere gewählten Volksvertreter? Während "unsere" tollen Landtags- beziehungsweise Bundestagskandidaten Schreiner und Schwarzelühr-Sutter ihre Wähler bei irgendwelchen Kaninchenzuchtvereinen oder Podiumsdiskussionen besuchen, hat es die Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Freiburg, Frau Sitzmann, innert zwei Jahren geschafft, für ihren Landkreis eine weitere Klinik mit einer Finanzierung von sagenhaften 83 Prozent (etwa 180 Millionen Euro) herauszuhandeln. So etwas gab es noch nie, aber "es sei genug Geld in den Sozialkassen vorhanden", war da zu lesen.

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Und im Landkreis Waldshut? Da bekriegen sich die Ost- und Westkreisler bis auf das niedrigste Niveau, schieben den schwarzen Peter hin und her und stellen für Millionen-Honorare (ja, richtig gelesen!) Geschäftsführer und Gutachter ein, anstatt gemeinsam eine stabile Grundversorgung auf die Beine zu stellen.

So ist es mit vielen Großprojekten, während der Kreis Waldshut sich seit 25 Jahren um den Verlauf der A 98 streitet, wird – wieder in Freiburg – vom Freiburger Wahlkreisabgeordneten Matern von Marschall die Förderzusage für 350 Millionen Euro für die Stadttunnel-Autobahn verkündet. Die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke geht scheinbar auch nur, indem man den Schweizern die Rosinen (Güterverkehr) überlässt. Aber hoffentlich ist die Zeit gekommen, die Weichen zu stellen. So kann man die laufende Petition, als gemeiner Bürger den Landrat endlich abwählen zu können, nur unterstützen. Wir sind das Volk! Christoph Schneider, Bad Säckingen-Harpolingen Wie naiv muss man eigentlich sein?
Zitat Dr. Schlaudt (Geschäftsführer der Spitaler Hochrhein GmbH, d. Red.): "Noch ist ungeklärt, wo genau sich der Gesundheitscampus befinden soll. ... Das einzige, was wir sicher sagen können ist, dass der Campus nicht im jetzigen Krankenhausgebäude untergebracht wird, ... dass der Beginn der Realisierung in 1,5 bis zwei Jahren sein wird."

Wie naiv muss man sein, um sich auf so einen Deal einzulassen? Es glaubt doch wohl niemand im Ernst, dass ausgerechnet die Truppe, die den ganzen Westkreis und Herrn Guhl (Bürgermeister von Bad Säckingen) vorneweg über den Tisch gezogen hat, noch irgendein Interesse an einem Gesundheitscampus (oder was auch immer) in Bad Säckingen hat, wenn man die (Säckinger) jetzt erst mal wieder zwei Jahre zappeln lassen kann, bis überhaupt nur mal mit einer Realisierung begonnen werden soll. Nachdem man in Bad Säckingen bereits den Tourismus selber abgewickelt beziehungsweise zusammengestutzt hat, lässt man sich nun mit solch einer zwielichtigen Aussage ein weiteres wichtiges Standbein der Kur-Stadt ohne hinreichend massive Gegenwehr von Bürgermeister und Stadtrat amputieren.

Nicht nachvollziehbar ist , dass selbst Bad Säckinger Kreisräte auf so etwas eingehen. Der bereits losgetretene Zoff um die Zuständigkeit steht einer schnellen Umsetzung der Campus-Idee, wie auch immer die aussehen soll, schon mal ziemlich massiv im Weg. Wenn hier nicht schnellstens dicke Pflöcke eingeschlagen werden, dann wird selbst dieser magere Fisch gleich wieder vom Teller sein, und es bleibt bei einer Vision vom Gesundheitscampus. Dem östlichen Landkreis, dem Landrat und vermutlich auch dem Neu-MdB Schreiner wird's recht und ziemlich egal sein. Auf den Kreisrat und seine Beschlüsse muss man nicht bauen, die sind ohnehin nur noch Makulatur und werden, völlig ohne Konsequenzen, einfach nicht mehr umgesetzt. Wie wär’s eigentlich, wenn man es mit dem Spital-Schließungs-Beschluss genauso hielte?

Bleibt noch zu hoffen, dass vielleicht noch irgendwelche "Leaks" auftauchen, die wenigstens die agierenden Personen im Vorfeld dieser Entscheidung noch in Erklärungszwang bringen, zum Beispiel der vielen verschwundenen Millionen.

Eckhard Schlenker, Bad Säckingen Der Wählerwille zählt gar nicht mehr
Meinen nächsten Urlaub werde ich sicherlich nicht dort verbringen, wo Bananen wachsen, denn eine Bananen-Republik habe ich bereits hier! Mein Dank gilt allen, die sich für den Erhalt der Demokratie eingesetzt haben und nun feststellen mussten, dass wiederholt die Diktatur in Deutschland regiert. Der Wählerwille zählt gar nicht mehr, der Wähler wird/ist entmündigt. Diejenigen, die den Mist angerichtet haben, kündigen, ziehen um oder schleichen sich sonstwie aus der Verantwortung.

Sie wissen ja immer, wie das geht und auch wer diese Misere bezahlt: der Bürger! Es erschreckt mich immer wieder, dass diese Verantwortlichen – und zwar alle, vom Geschäftsführer bis Kreisrat – kein Rückgrat haben. Sie waren unfähig, ihre Aufgaben zu erledigen und die notwendigen Kontrollen der Geschäftsführung wahrzunehmen. Sie sind dieser Pflicht über Jahre nicht nachgekommen, haben versagt.

Und da ist kein Staatsanwalt, der diesem Versagen nachgeht, kein Regierungspräsidium, kein Sozialminister? Gefasste Beschlüsse im Kreistag werden ignoriert, gekippt, einfach so. Ist das rechtlich legitim? Wenn ja, kann man dieses "Kaffeekränzchen" auch auflösen, es spart Steuergelder. Besser als nichts – das Neueste soll ein Gesundheitscampus werden. Mir ist der Begriff Campus nur von Universitäten bekannt. Statt eines "Bonbons" ist das eine salzige Praline als Entschädigung für die Schließung des Spitals. Was das werden soll – ein Konzept dafür und bis wann es funktionsfähig ist, steht in den Sternen und dann wieder unter der Leitung Waldshuts? Nein, bitte nicht!

Das bedeutet aber immer noch,dass der Westkreis bis dahin unterversorgt bleibt. Da war doch noch was mit Fürsorgepflicht und Wohlergehen der Bürger. Mein Vorschlag : Lass uns bis dahin ein "Feldlazarett" aufstellen. Die Bundeswehr kann im eigenen Land auch mal aktiv werden. In Feldlazaretten wurde im Zweiten Weltkrieg unter schlechtesten Bedingungen hervorragend gearbeitet. Wir holen uns die geklauten Gerätschaften aus Waldshut zurück, inklusive Schwestern und Pfleger. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegen. Und das ohne Waldshuts Vordenker und Versager. Und bis dahin wünsche ich uns allen: Bleiben Sie gesund!
Ulla Medau, Bad SäckingenEs ist einfach nur traurig
Wir haben noch eine Chance, wenn man bedenkt, dass kein bisheriger Beschluss umgesetzt wurde. Ich befürchte aber, dass die solange beschlossen haben, bis der Beschluss gepasst hat. Es ist einfach nur traurig. Emmerich Mayer, Bad Säckingen

AUS FÜR DAS CAFÉ ZWISCHEN
Worum geht es der Caritas wirklich?
Zu unserer Berichterstattung über die Schließung des Cafés Zwischen
Im November 2016 war ein Artikel über die Erfolgsgeschichte des Café Zwischen zum zehnjährigen Bestehen in der Presse erschienen. Darüber hatte ich mich, wie bestimmt viele andere, sehr gefreut. Gefreut darüber, dass Menschen mit Behinderung den Mut haben, sich den Anforderungen eines gastronomischen Betriebs zu stellen, und dass dieses Café ein Erfolg wurde. Dann kommt die Nachricht der Schließung, und wenn man genau liest und sich auch mit Betroffenen beschäftigt, wird klar, dass ja nur ein Drittel oder ein Viertel der Beschäftigten im Café des Schmidts Markt oder an anderen Stellen beschäftigt wird, was ist mit den Anderen? Das ist aber nur eine der vielen Fragen, die ich mir stelle. Die wichtigste ist, warum reißt man diese Menschen aus einer sicheren und sehr befriedigenden Arbeitssituation? Alle Menschen auf dieser Welt schätzen Sicherheit, jeder weiß, wie es ihm geht, wenn der Arbeitsplatz nicht mehr sicher ist, oder er plötzlich eine Arbeit verrichten soll, die weniger attraktiv ist. Behinderte Menschen benötigen noch mehr Sicherheit, für sie ist jede Herausforderung noch größer. Im Café Zwischen war es ihnen gelungen, eine Gemeinschaft aufzubauen, sich geborgen zu fühlen und sich so den Herausforderungen zu stellen und auch ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Dies den behinderten Menschen und generell den Schwächeren der Gesellschaft zu bieten, ist wohl das Mindeste, was ein Land wie die Bundesrepublik mit soviel Geld im Topf für diese Menschen tun sollte.

Die nächste Frage ist, warum hat man vorher nicht mit den Angehörigen oder Betreuern gesprochen hat. Man hat einfach die Mitarbeiter in einer Vollversammlung informiert, dass das Café in fünf Wochen schließt. Das ist für mich echt ein Skandal. Falls das Café finanzielle Probleme hätte, wären von den Angehörigen vielleicht neue Ideen gekommen. Ein Beispiel ist das Projekt der Lebenshilfe, die Gastronomie "Zum Frieder" in Waldmössingen. Dort kamen mit der Zeit noch eine Kaffeerösterei und Veranstaltungen mit Musik dazu.

Wie es für die behinderten Menschen in einer so großen Cafeteria wie im Schmidts Markt sein wird, ist mir auch nicht ganz klar. Werden sie dort genauso gut integriert sein wie in dem heimeligen Café Zwischen? Das bezweifle ich und jeder, der sich nur ansatzweise in die Situation hineinversetzten kann, bezweifelt das sicher auch. Es könnte doch jeder, der diese Entscheidung zur Schließung getroffen hat, für eine Woche in einer großen Cafeteria arbeiten und dann eine Woche im Café Zwischen. Er würde merken, was das für ein großer Unterschied selbst für ihn ist. Eine Cafeteria für 200 Personen kann nie so liebevoll geführt werden, da muss es oft schnell gehen, für Menschen mit Handicaps oft sehr schwierig. Die Caritas ist eine "soziale" Institution, die sicher versucht, behinderte Menschen zu integrieren. Aber liegen der Caritas die materielle Inklusion oder die Inklusion und Integration, das wirklich dem Wohle der behinderten Menschen dient, am Herzen? Für mich sieht es auf keinen Fall so aus, sondern, dass nur wirtschaftliche Faktoren eine Rolle spielen und als Folge der Inklusion behinderte Menschen zu billigen Arbeitskräften werden. Aber dann bitte, soll die Caritas ehrlich dazu stehen. Ich bin sicher, dass die Caritas gute Argumente darlegt, was die Schließung betrifft, aber um was geht es wirklich?Margot Thomann, Laufenburg

Autor: Christoph Schneider, Bad Säckingen-Harpolingen