Lücks Glück macht Zuhörer glücklich

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 12. Dezember 2011

Bad Säckingen

Comedy-Star Ingolf Lück brachte mit seinen Geschichten vom Vatersein ausverkauftes Gloria-Theater zum Lachen.

BAD SÄCKINGEN. Eigentlich hätte er an diesem Abend ja "Kinderdienst". Aber wie das Leben so spielt, steht er stattdessen auf der Bühne im voll besetzten Bad Säckinger Gloria-Theater und erzählt dem Publikum von den Freuden und Leiden der neuen Väter: Fernseh- und Comedystar Ingolf Lück gibt in seinem Programm "Lück im Glück" Einblicke in das alltägliche Familienleben der Lücks.

Lück redet satirisch Klartext über Supermamas, chronisch übermüdete Väter, Babysitter, Waldorfkindergärten und Wunderkinder, die mit zwei Jahren Geige spielen. Es brodelt so richtig aus ihm raus. So, als würde er seinen besten Freunden mal so richtig das Herz ausschütten und sich alle Probleme von der Seele reden. Schlaksig, in Jeans und losem Hemd, läuft Ingolf Lück auf der Bühne hin und her, reflektiert kritisch-satirisch und doch liebevoll in weit greifenden Gesten und viel sagender Mimik das Elternsein in diesen globalisierten Zeiten.

"Es ist ein total kinderfreundliches Programm", witzelt der Schauspieler und Komiker, der mit geschliffenem Wortwitz und scharf zugespitzter Ironie brilliert, guten Draht zum Publikum hat und sehr selbstironisch und spontan rüberkommt. Da führt er in wilden Verrenkungen vor, wie er am Geburtstag der kleinen Tochter zu Madonnas "Like a virgin" tanzt. Da erzählt er so entlarvend witzig über Familienglück und Familienstress mit dem vier- und sechsjährigen Nachwuchs, dass das alle Eltern wohl heftig nachfühlen können – und auch alle anderen im Publikum sind höchst amüsiert.

Lück merkt man an, dass er vom Schauspielerischen herkommt, wenn er den Tandemsprung aus dem Flugzeug am 50. Geburtstag filmreif simuliert oder mit agilen Tanzverrenkungen und verknoteten Beinen im Yogasitz demonstriert, wie gelenkig er noch ist.

Süffisant macht sich Lück über die "Nesthocker-Generation" lustig, die "vom Hotel Mama direkt in die Rente" wechselt, über "Berufsjugendliche" wie seine alten Kumpel, die mit 50 noch in der Disco zu Britney Spears tanzen, nächtelang um die Ecken ziehen und optisch in den Vokuhila-80er-Jahren hängen geblieben sind.

Ja, mit den Kumpels abhängen, das geht für den verantwortungsbewussten Familienvater nicht mehr. "Ich habe keine Skatrunde, ich habe Kinder", so bringt Lück seinen stressigen Papa-Job auf den Punkt. Ironisch schildert er, wie er den "Taxifahrer für die ganze Bande" spielen muss und so viel Sprit verfährt, dass er an der Tankstelle eine eigene Zapfsäule hat, wie er dem Babysitter "acht Euro die Stunde nur fürs Rumsitzen" zahlt, was er bei den Elternabenden und bei der pädagogisch wertvollen "Rotkäppchen und der Wolf"-Aufführung im Waldorfkindergarten durchmacht – wo der vierjährige Sprössling die Großmutter spielt.

Von den Klaus-Kevins, den dreisprachigen Krabbelgruppen, späten Vätern, Windeln wechselnden modernen Daddys und politkabarettistischen Seitensprüngen zum Thema FDP, Westerwelle und Eurokrise kommt Lück immer wieder auf seine Kumpels Manne & Co und die wilden alten Zeiten von Sex & Drugs & Rock'n'Roll. Aber, so die philosophische Erkenntnis von Papa Lück: "Familienleben ist viel mehr Rock'n'Roll als AC/DC, unberechenbar, laut und nervig für die Nachbarn…". Und das pure Glück! Zum Schluss sagt er seinem Nachwuchs per Skype Gute Nacht – um für die frenetisch klatschenden Fans noch eine herrliche Satire über den chaotischen Familienurlaub auf Gomera dranzuhängen!