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29. Januar 2009
"Müssen vorschulische Sprachförderung erweitern"
BZ-INTERVIEW mit Hidir Gürakar, dem türkischstämmigen Vorsitzenden der SPD Säckingen zur neuen Integrationsstudie.
BAD SÄCKINGEN. Türkischstämmige Zuwanderer sind in Deutschland schlechter integriert als Migranten aus anderen Nationen. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Untersucht wurde die Situation vor allem in Deutschland lebender Kinder aus Einwandererfamilien. Susan Bersem sprach mit SPD-Stadtrat Hidir Gürakar. Der gebürtige Türke kam im Jugendalter nach Deutschland, studierte Sozialwissenschaften und arbeitet heute als selbstständiger Berater.
BZ: Jugendliche Türken sind die Verlierer der Studie, sie stellen die prozentual größte Zahl von Schulabbrechern, nur wenige Kinder schaffen das Abitur.Gürakar: Wer hier lebt und die deutsche Sprache nicht beherrscht, ist allein auf sein internes soziales Umfeld angewiesen, kann keine Kontakte nach außen pflegen. Das führt zu Parallelgesellschaften, das kann sich unsere Demokratie nicht leisten. Wir müssen in Bad Säckingen die vorschulische Sprachförderung erweitern. Die Kinder haben dann in der Schule keine Probleme, dem Stoff zu folgen. Ein kostenfreies Kindergartenpflichtjahr erachte ich für notwendig, das darf nicht auf Kinder mit Migrationshintergrund reduziert werden. Viele Türken fühlen sich als "Bürger zweiter Klasse", dürfen in Deutschland nicht wählen. Die doppelte Staatsbürgerschaft könnte das ändern, ihre Wurzeln würden anerkannt und sie könnten ein Bekenntnis zum deutschen Staat und seiner Verfassung ablegen. In Großstädten wohnen Türken oft geballt, was zu Konflikten führt. In Bad Säckingen leben etwa 270 Türken, ich würde sagen, wir haben es geschafft, die Problematik zu umgehen.
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BZ: Die Studie ist so nicht auf den Hochrhein übertragbar?
Gürakar: Zum Glück, diese Zahlen betreffen unsere Region nicht, darüber bin ich sehr froh. An unseren Schulen funktioniert die Zusammenarbeit Lehrer, Schüler und Eltern sehr gut. So können beschriebene Schulabbrüche meistens vermieden werden. Dennoch müssen wir wachsam bleiben. Die zukünftige Entwicklung der Gemeinden hängt entscheidend von gelungener Integration ab.
BZ: Wo steht Bad Säckingen?
Gürakar: Ich sehe viele gute Ansätze, etwa den Deutsch-Türkischen Freundschaftsverein. Dort spielen Jugendliche gemeinsam Fußball. Auch der Türkisch-Islamischen Verein leistet gerade im interreligiösen Bereich sehr wichtige Arbeit. So werden langsam viele Barrieren abgebaut, Integration ist keine Einbahnstraße, dieser Prozess beruht auf Gegenseitigkeit. Ich bin guten Mutes.
BZ: Sie sind selbst Türke, haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Sind Sie ein Beispiel für eine erfolgreiche Integration?
Gürakar: Ja, selbstverständlich. Aber das war sicher ein Weg mit Hindernissen und Hürden, ohne einen enormen persönlichen Einsatz und viel Engagement kommt niemand in der Gesellschaft weiter. Das habe ich später auch bei meinen beiden Kindern gemerkt. Es hat funktioniert, mein Sohn hat nach dem Abitur in Nürnberg studiert.
Autor: sun
