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04. Januar 2017

Neue Sorge ums Spital

Sozialminister hält Schließungen im Land für unausweichlich / Folgen für Säckinger Spital ungewiss.

  1. Bekommt das Spital Bad Säckingen Fördermittel? Foto: Konstantin Görlich

BAD SÄCKINGEN/STUTTGART. Ein Interview von Landessozialminister Manfred Lucha (Grüne) mit der Stuttgarter Zeitung nährt neue Sorgen um das Spital Bad Säckingen. Schließungen kleinerer Standorte seien unumgänglich. Der Trend gehe hin zu wenigen, aber großen, leistungsfähigeren Kliniken. 63,7 Millionen Euro ruft das Land aus dem Krankenhausstrukturfonds des Bundes ab – und legt selbst noch mal die gleiche Summe oben drauf. Allerdings fließt das Geld wohl in Umbauten von "sieben mittelgroßen und großen Kliniken" – und womöglich nicht nach Bad Säckingen.

Trotz der Schließungen – es gehe um etwa 50 Klinikstandorte, allerdings auch um die nächsten zehn bis 20 Jahre – werde sich die Versorgung durch leistungsfähigere Krankenhäuser verbessern. Das ambulante Angebot vor Ort werde entsprechend ausgebaut, sagte Lucha.

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Sorgen von Betroffenen begegnet der Minister mit Verständnis – aber auch mit Realismus: "Aus eigener Erfahrung weiß ich übrigens: Die Leute tragen sich in Unterschriftenlisten für ihr kleines Krankenhaus ein, aber wenn sie eine Behandlung brauchen, gehen sie lieber nicht hin."

Aber was bedeutet das für das Spital Bad Säckingen? Anna Zaoralek, die stellvertretende Pressesprecherin des Stuttgarter Sozialministeriums, verweist auf BZ-Nachfrage auf laufende Gespräche und will sich nicht zu konkreten Folgen für einzelne Klinikstandorte im Land äußern. Der Minister habe allgemeine Aussagen zur Krankenhauslandschaft in Baden-Württemberg getroffen.

Man habe jedoch bereits im Herbst vergangenen Jahres in Gesprächen mit der Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein die grundsätzliche Bereitschaft geäußert, dringende Sanierungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes zu fördern – allerdings gehe es dabei nicht um Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds. Man befinde sich aber in einem laufenden Prozess, wolle dessen Ergebnis nicht vorgreifen. Das nächste Gespräch finde voraussichtlich noch im Januar statt – Ergebnis offen.

Noch im Oktober vergangenen Jahres hatte Landrat Martin Kistler auf BZ-Anfrage zur Sanierung des Bad Säckinger Spitals gesagt: "Wir haben noch Kreismittel zur Verfügung von 2,4 Millionen Euro und bemühen uns zusätzlich um Fördermittel". Eine Stellungnahme des Landrats zur aktuellen Entwicklung war am Dienstag nicht zu bekommen.

Bleibt das Krankenhaus Bad Säckingen erhalten?

Wird der Standort Bad Säckingen zu erhalten sein? Simone Jeitner, die Geschäftsführerin der Spitäler Hochrhein GmbH, weicht aus: "Derzeit finden weitere Gespräche mit dem Sozialministerium und dem Regierungspräsidium statt. Dabei werden Maßnahmen zur zukünftigen Entwicklung der Patientenversorgung abgestimmt." Man sei "auf dem richtigen, zukunftsfähigen Weg", bündele Kapazitäten und führe das Know-how an Schwerpunkten zusammen.

Deutliche Kritik an der grundsätzlichen Linie des Ministeriums übt Beatrix Köster, die Vorsitzende des Fördervereins für das Spital Bad Säckingen: "Zunächst sollte der Minister die Frage beantworten, wie Patienten innerhalb von 30 Minuten mit ihrem Pkw eine Grund- und Regelversorgung erreichen können. Wenn man sich die Landkarte des Kreises anschaut, werden mehr als 5000 Einwohner nicht innerhalb dieser Zeit eine Versorgung erhalten. Damit ist nach der Gesetzeslage die Versorgung nicht gewährleistet. Das Spital Bad Säckingen ist daher eine notwendige Aufnahmestation für akute Fälle." Besonders Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten seien auf schnelle Hilfe angewiesen, da gehe es um Minuten, sagte Köster. "Wenn qualifizierte Ärzte einem Menschen innerhalb kurzer Frist das Leben retten, erübrigt sich die Frage, ob das in einem kleineren oder größeren Krankenhaus geschieht."

Ob die ambulante Versorgung in der Fläche durch kassenärztliche Versorgungszentren zu gewährleisten sein wird, wie vom Minister prophezeit? Köster ist da skeptisch: "Der Ärztemangel im ambulanten Bereich und ländlichen Bereich wird in den nächsten Jahren zunehmen."

Autor: Konstantin Görlich