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08. November 2017 17:43 Uhr

Kreistag

Spital Bad Säckingen wird geschlossen, stattdessen kommt ein Gesundheitscampus

Der Kreistag hat entschieden: Das Bad Säckinger Spital wird Ende des Jahres geschlossen. Stattdessen soll ein Gesundheitscampus kommen. Bad Säckingen wird zudem Zentrum für Geriatrie im Landkreis. Die Entscheidung ist in einer aufgeheizten Atmosphäre vor 800 Zuschauern gefallen.

  1. Das Spital Bad Säckingen wird geschlossen. Das hat der Kreistag beschlossen. Foto: Sarah Trinler

  2. Der Kreistag stimmte am Mittwochnachmittag mit großer Mehrheit für die Schließung des Spitals Bad Säckingen zum 31. Dezember 2017. Foto: Held

  3. Beatrix Köster, Vorsitzende des Fördervereins Pro Spital, plädierte für den Erhalt des Bad Säckinger Spitals. Foto: Felix Held

Die Entscheidung ist gefallen: Der Kreistag stimmte am Mittwochnachmittag mit großer Mehrheit für die Schließung des Spitals Bad Säckingen zum 31. Dezember 2017. Allerdings soll es in Bad Säckingen weiterhin ambulante Angebote in einem sogenannten Gesundheitscampus geben, außerdem soll Bad Säckingen zum Zentrum für Altersmedizin im Kreis Waldshut ausgebaut werden. Der Landkreis wird sich an der Umsetzung des Konzepts beteiligen, für das 20 Millionen Euro geplant sind. Dafür stehen die 12,7 Millionen vom Landkreis zur Verfügung, die im Frühjahr für die Sanierung des Spitals bereitgestellt wurden, um es bis zur Fertigstellung eines Zentralkrankenhauses – voraussichtlich ab 2025 – aufrecht zu erhalten.

Wende kommt mit Bad Säckingens Bürgermeister Guhl

Die entscheidende Wende in der Sitzung brachte der Bad Säckinger Bürgermeister Alexander Guhl, der sich nach massiver Kritik am bisherigen Geschehen für den Vorschlag aussprach, der letztlich beschlossen wurde. Nach einer daraufhin von Landrat Martin Kistler angeregten Unterbrechung, in der sich die Fraktionen besprechen konnten, erklärten die Fraktionssprecher ihre Zustimmung. Für die CDU sprach Martin Albers, für die Freien Wähler Ira Sattler, für die SPD Karin Rehbock-Zureich und für die Grünen Ruth Cremer-Ricken. Klaus Denzinger (FDP) sagte, er werde nicht zustimmen.

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Buhrufe und Drohung, den Saal räumen zu lassen

Die Sitzung fand in aufgeheizter Atmosphäre am Mittwochnachmittag in der Rappensteinhalle in Laufenburg vor rund 800 Besuchern statt. Landrat Kistler wurde bei seinem Eintreffen mit Buhrufen und Pfiffen begrüßt. Viel Beifall bekam dagegen Beatrix Köster, Vorsitzende des Fördervereins Spital, die in der Bürgerfragestunde für den Erhalt des Bad Säckinger Spitals plädierte. Kistler drohte sogar damit, den Saal räumen zu lassen, als Spitalgeschäftsführer Hans-Peter Schlaudt während seines Vortrags mehrfach unterbrochen und ausgebuht wurde.

Schlaudt erklärte, dass er keine reelle Chance sehe, das Spital in Bad Säckingen ab 2018 weiter zu betreiben, vor allem weil kein Personal gefunden werden könne. In Bad Säckingen seien umgerechnet 11,7 Ärztestellen offen. Es fehlten vier Ärzte alleine in der Anästhesie und 7,7 in der Inneren Medizin, so Schlaudt.  "Sie können nicht von mir erwarten, Patienten aufzunehmen, die ich nicht versorgen kann. Vor diesem Hintergrund kann ich die Intensivmedizin in Bad Säckingen nicht weiterführen. Wenn wir in Bad Säckingen die Kapazitäten nicht haben, müssen wir sie an anderer Stelle schaffen. Und das können wir nur in Waldshut." Dafür sollen in der Kreisstadt 300 Betten betrieben und eine Station mit 35 Betten reaktiviert werden.

Gesundheitscampus in erweiterter Form

Alternativ zur Schließung stellte er neue Pläne für einen Gesundheitscampus in Bad Säckingen vor. Dort könne man zusätzliche Angebote einbauen, etwa ein ambulantes Operationszentrum mit dem Ziel, Anlaufpunkt zu sein für Patienten an 365 Tagen und 24 Stunden am Tag, die ambulante Versorgung brauchen, aber keine intensivmedizinische Versorgung. Das ginge weit über das hinaus, was eigentlich mit einem Gesundheitscampus geplant sei, sagte danach auch Landrat Kistler. Er stellt 20 Millionen Euro Gesamtkosten in den Raum, was dem Gesundheitsstandort Bad Säckingen deutlich mehr helfe als ein Sanierungsprogramm fürs Spital mit 12,7 Millionen, das bereits vom Kreistag im Frühjahr beschlossen, aber nicht umgesetzt wurde.

Der Zeitplan für den Gesundheitscampus in Bad Säckingen sieht vor, dass bis zur Kreistagssitzung am 13. Dezember der Auftrag definiert sein soll, wie der Gesundheitscampus aussehen könnte. Das genaue Konzept soll mit Beteiligung des Landkreises, der Stadt Bad Säckingen, der Spitäler Hochrhein GmbH, des Rehaklinikums Bad Säckingen, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassen und weiterer Partner bis März 2018 ausgearbeitet sein und im April dem Kreistag vorgestellt werden. Dieser soll in der Aprilsitzung einen Beschluss über die Maßnahmen und Finanzierung fassen. In Trägerschaft des Kreises, der Stadt Bad Säckingen und der Spitäler Hochrhein soll das Projekt ab Mai 2018 umgesetzt werden. Ein speziell eingesetzter "Campusmanager" soll das Projekt überwachen.

"Ich halte das Ganze, was hier passiert ist, wie man mit dem Standort Bad Säckingen umgegangen ist, für einen beispiellosen Skandal." Alexander Guhl
Kritisch äußerte sich Bad Säckingens Bürgermeister Guhl zu Schlaudts und Kistlers Ausführungen. Es sei für ihn eine Bankrotterklärung ersten Ranges, wenn Schlaudt sage, dass er kein Personal finde. "Ich halte das Ganze, was hier passiert ist, wie man mit dem Standort Bad Säckingen umgegangen ist, für einen beispiellosen Skandal, dass ich heute nur sagen kann: Ich gratuliere aufrichtig allen, die Bad Säckingen schon lange abwickeln wollten, jetzt haben Sie es geschafft. Wir finden kein Personal mehr."

Andererseits sieht Guhl im Gesundheitscampus angesichts der jetzigen Situation einen guten Ansatz. "Wir reden hier über 1000 Arbeitsplätze, die in dem Bereich in Bad Säckingen angesiedelt sind. Das setzt aber voraus, dass man das auch wirklich will und dass der Landkreis der Stadt Bad Säckingen die Funktion als Gesundheitsstandort zubilligt, die sie verdient hat. Deswegen kann ich mit dem Beschlussvorschlag des Landrat mitgehen, wenn Bad Säckingen das Zentrum für die Altersmedizin im Kreis wird und das nicht nur mit ambulanter Geriatrie, sondern auch mit akutgeriatrischer Versorgung."

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Autor: Felix Held und Martin Köpfer