US-Paddler geben auf

Michael Krug

Von Michael Krug

Di, 19. April 2011

Bad Säckingen

Weltrekordversuch für die schnellste Nonstop-Rhein-Fahrt endet in Laufenburg/Schweiz.

BAD SÄCKINGEN/LAUFENBURG (CH). Es war groß angekündigt und ist aber früh gescheitert: Der Weltrekordversuch zweier Amerikaner, den Rhein nonstop im Kanu in Rekordzeit von der Quelle bis zur Mündung zu paddeln, endete gestern in Laufenburg/Schweiz. Dort zumindest steckten sie bis gestern Mittag um 17 Uhr fest. Das "freut" wiederum einen Schweizer – den aktuellen Rekordhalter.

Unter dem Motto "Conquer the Rhine" waren Michael Schnitzka, 47, und Dan Hoffmann, 23 years, am Samstag in Buchs (Schweiz) mit ihrem Kanu in den Rhein gesprungen, entschlossen, einem Schweizer den Weltrekord zu stehlen. Doch der Versuch muss seit gestern als gescheitert betrachtet werden. Am Sonntagnachmittag bewegte sich auf der Homepage, die die beiden für den Weltrekordversuch eingerichtet hatten, ab 16 Uhr nichts mehr. Letzter Standort, den der GPS-Sender meldete: Laufenburg/Schweiz, noch vor dem Kraftwerk.

Dort waren sie auf dem Gelände der Energiedienst ans Ufer gegangen. Auch gestern Nachmittag war von den beiden zwar ihr Boot und diverse Utensilien, die sie beim Grillen benötigt hatten, zu sehen – von den Amerikanern aber fehlte jede Spur.

Dafür war ein leibhaftiger Weltrekordler vor Ort: Corrado Fillipponi hält seit Juli 2010 die Bestzeit für die Strecke. Für die 1161 Kilometer lange Distanz von Chur bis Hoek van Holland hatte er – allein unterwegs – sieben Tage, zehn Stunden und 16 Minuten gebraucht. Der Schweizer hatte mit seinem Kompagnon Peter Ineichen die Bemühungen der beiden Amerikaner von Anfang an begleitet. "Wir stehen schon länger in Kontakt miteinander", sagt Corrado. Michael Schnitzka , einer der Amerikaner, hatte die Rhein-Tour 2007 schon einmal gewagt, war aber am ersten Tag gescheitet.

Was mit den US-Amerikanern genau geschehen ist, wusste Corrado Fillipponi gestern auch nicht: "Wir haben uns auch im Spital erkundigt, aber da sind sie nicht", sagt sein Kollege Peter Ineichen. Was die Schweizer aber rausbekommen hatten: Das Begleitfahrzeug der Amerikaner war in Schaffhausen in der Werkstatt gestrandet. Da die Amerikaner zu ihrem Team keinen Telefonkontakt haben, wollten Fillipponi und Ineichen helfen. "Wir haben sie am Sonntagabend hier auf dem Gelände noch angetroffen und gefragt, ob alles okay ist", erzählt Fillipponi.

Seiner Einschätzung nach ist das Unterfangen der US-Boys schon gescheitert: Gestern bereits waren sie einen Tag hinter ihrem eigentlichen Zeitplan zurück. "Ich bin vergangenes Jahr jeden Tag 180 Kilometer gepaddelt", sagt Fillipponi. Die Müdigkeit, die Kraft, der Wind – eine derartige Strecke verlangt einem alles ab. "Zwischen den Schleusen am Hochrhein gibt es kaum Strömung, ab Karlsruhe kommt Lastverkehr dazu, in Duisburg ist der größte Binnenhafen Europas, weiter hinauf kommen die Gezeiten dazu", weiß Fillipponi um die enormen Hindernisse einer Rheinfahrt nur mit Muskelkraft