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21. März 2017

Vier Spezialisten alter Musik

Weniger bekannte Werke des Komponisten Heinrich Ignaz Franz von Biber standen im Zentrum eines Konzerts in St. Peter und Paul.

  1. Armin Bereuter, Ralph Stelzenmüller, Sam Chapman und Isabel Schau (von links) sind am Samstag in Bad Säckingen aufgetreten. Foto: Michael Gottstein

BAD SÄCKINGEN. Heinrich Ignaz Franz von Biber (1644 bis 1704) war zu Lebzeiten als Komponist und Violinvirtuose hoch geschätzt, doch heutzutage steht er im Schatten der bekannteren Vertreter des Spätbarock. Wie sehr sich eine Wiederentdeckung lohnt, wurde am Samstagabend in der altkatholischen Kirche St. Peter und Paul in Bad Säckingen deutlich.

Es waren nur rund 20 Besucher gekommen, doch diese erlebten ein faszinierendes, von großer Sachkunde getragenes Konzert von vier Spezialisten alter Musik. Die Violinistin Isabel Schau, der Organist und Truhenorgelspieler Ralph Stelzenmüller, der Gambist und Violonespieler Armin Bereuter und Sam Chapman als Spezialist für historische Zupfinstrumente führten aus Bibers "Rosenkranzsonaten" die fünf schmerzhaften Geheimnisse auf, und zur Auflockerung waren zwei Kompositionen von John Jenkins (1592-1678) eingestreut, die vor allem dem Gambisten Gelegenheit gaben, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen.

Barocke Instrumentalmusik wird oft mit strengen Formgesetzen assoziiert, doch sie kann auch ungemein expressiv sein, wenn auch weniger im Sinne einer romantisch-individualistischen Emotionalität, sondern im Sinne von so genannten "Affekten", die mit feststehenden musikalischen Chiffren bestimmte Emotionen oder Situationen schildern. Isabel Schau gab eine Einführung, dank deren die Zuhörer diese Figuren entschlüsseln konnten, und erklärte, weshalb die Musiker so viele Instrumente mitgebracht hatten: Die einzelnen Sonaten sind für Violinen in verschiedenen Stimmungen geschrieben, so dass sie fünf Instrumente brauchte.

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In der ersten Sonate wurde deutlich, wie wirkungsvoll Biber Dissonanzen und chromatische Passagen einsetzte, um den Affekt des Schmerzes zu schildern. In der "Geißelung" wurde das Gelächter der Menge in lautmalerischer Manier nachgeahmt.

In der mit markantem Rhythmus und energischer Phrasierung gespielten "Dornenkrönung" sowie der Kreuztragung" wurde durch Wiederholungsfiguren, die in regelrechter Besessenheit um sich selbst kreisten und zu keinem Ziel führten, deutlich, in welcher Ausnahmesituation sich Jesus befand. Heftige Sforzati symbolisierten die Hammerschläge in der "Kreuzigung", und wirbelnde Läufe und furiose Tremoli schilderten das Erbeben des Tempels.

Insgesamt eine hochpräzise Interpretation von vier Musikern, die glänzend aufeinander eingespielt waren, große Sensibilität für Details und dynamische Feinabstufungen zeigten, aber auch keine Scheu vor großen expressiven Ausbrüchen hatten, zu denen auch der obertonreiche, weniger "glatt" wirkende Ton der historischen Instrumente beitrug.

Autor: Michael Gottstein