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21. Juli 2010

Vom Sparziel noch sehr weit entfernt

Bürgermeister nimmt Debatte um die Jugendarbeit zum Anlass, in der Sparkommission Änderungen der Strukturen anzumahnen.

  1. Wohin fallen die Kugeln? Ungewiss ist der Ausgang der Diskussion über die Zukunft der offenen Jugendarbeit und des Freizeitangebots im Bad Säckinger Kinder- und Jugendhaus. Foto: archivfoto: manuel matt

BAD SÄCKINGEN. Bürgermeister Martin Weissbrodt ist unzufrieden mit der bisherigen Arbeit der Spar- und Strukturkommission des Gemeinderates. In der nunmehr sechsten Sitzung der Kommission machte Weissbrodt am Montag seinem Unmut Luft: "Wir haben bisher nicht einmal ansatzweise Strukturen geändert", so der Bürgermeister. Anlass für dieses wenig schmeichelhafte Urteil war die Diskussion über die offene Jugendarbeit, deren Notwendigkeit von den meisten Kommissionsmitgliedern betont wurde – ohne die Kosten zu hinterfragen.

"Wir alle halten Jugendarbeit für wichtig, ohne zu fragen, was wir uns noch leisten können", sagte Weissbrodt, nachdem das Gremium drei von Jugendreferent Peter Knorre vorgelegte Szenarien zur Fortführung der Jugendarbeit in der Stadt diskutiert hatte. Grund für Knorres Zwischenbericht: Dessen Vorgänger Ewald Hegener, derzeit noch im Vorruhestand, wird sich im Mai 2011 endgültig in den Ruhestand verabschieden. Die bis dahin von der Stadt zu erbringenden Leistungen, rund 40 000 Euro, werden dann frei – und könnten unverändert für die Jugendarbeit ausgegeben oder aber eingespart werden. Der Status Quo könne also auch erhalten werden, wenn diese 40 000 Euro eingespart werden. Belasse man das Geld aber in der Jugendarbeit, könne an einer "familienfreundlichen Kommune" weitergearbeitet werden – zumindest Ressourcen für ein "großes" Kinderferienprogramm wären dann vorhanden.

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Bei Aufrechterhaltung der finanziellen Ausstattung könne aber auch eine 50-Prozent-Stelle für einen "Streetworker" und damit für die mobile Jugendarbeit geschaffen werden, ohne dass der Status Quo im Alten Gefängnis beschnitten würde. Die Sachkosten freilich würden durch die neue Stelle anstegen. Ein Mittelweg war das drittes Szenario: Weiter mit den bisherigen Mitteln und trotzdem eine Halbtagsstelle für den Streetworker einrichten.

Dies wäre eine Lösung mit den einschneidenden Folgen: Die Arbeit im Jugendhaus und Knorres Tätigkeit als Jugendreferent müssten dann zurückgefahren werden. Ferner sei die Umsetzung einzelner Maßnahmen aus dem Leitbild dann kaum noch möglich. Eine vierte Alternative kam dann vom Bürgermeister: Man müsse auch überlegen, das Jugendhaus ganz zu schließen, "diese Fragestellung muss erlaubt sein", sagte Weissbrodt. Knorre ließ zwar die Frage des Ortes einer offenen Jugendarbeit ausdrücklich offen, tendierte aber offen zum Alten Gefängnis: "Das ist etabliert und wird akzeptiert."

Entscheidungen standen in der Sitzung zwar nicht an, etliche Kommissionsmitglieder verwiesen jedoch auf das verabschiedete Leitbild zur Kinder- und Jugendarbeit und forderten die Umsetzung der dort formulierten Maßnahmen. Dabei stießen sie auf den Widerstand des Bürgermeisters. "Von den Vereinen mit Jugendarbeit kommt Kritik, weil die nur 8000 Euro bekommen, das Jugendhaus aber das Dreißigfache", sagte der Bürgermeister. Statt Einschnitte zu prüfen, halte man in der Kommission fest an bestehenden Strukturen und fordere sogar deren Ausbau. Nicht nur bei der Jugendarbeit, auch in vielen anderen Bereichen wie zum Beispiel in den Ortsteilen. Eine Ausnahme seien die Technischen Dienste, da sei die Verwaltung dabei, Strukturen zu ändern.

Autor: Stefan Sahli