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26. Juni 2017

Von der geglückten Integration sangesbegeisterter Neulinge

Auf große Publikumsresonanz stieß das Sommerkonzert des Kammerchores Bad Säckingen, der zum ersten Mal in der altkatholischen Kirche St. Peter und Paul auftrat.

  1. Der Kammerchor Bad Säckingen gab zusammen mit Gastsängern, Unterstufenschülern und Instrumentalisten ein Konzert in der voll besetzten Kirche St. Peter und Paul auf dem Au-Friedhof. Foto: Michael Gottstein

BAD SÄCKINGEN. Drangvolle Enge herrschte am Samstagabend im Altar- und Besucherraum der altkatholischen Kirche St. Peter und Paul: Das Vorhaben des Kammerchores, mit Hilfe seines "Mitsingprojektes" den Chorgesang populärer zu machen, darf als Erfolg gewertet werden. Zusammen mit einem Instrumentalensemble führten die Sänger Barockmotetten sowie romantische und zeitgenössische Chormusik auf.

Bei einer Samstagsprobe hatten der Dirigent Wolfgang Haller und die erfahrenen Sänger die "Neulinge" so gut integriert, dass bei den drei gemeinsam aufgeführten Werken keine Schwachstellen auszumachen waren. Waldemar Ahléns romantischer "Sommerpsalm" wirkte angenehm leicht, klangschön und unangestrengt, ebenso wie Edward Elgars "Ave Maria". Ein Beispiel für zeitgenössische Musik, die ohne Irritationen auskommt, war John Rutters "Look at the world", das von den Sängern mit guter Intonation, sicherem Zusammenwirken und dynamischen Abstufungen dargeboten wurde – man merkte, wie motiviert das Ensemble zu Werke ging. Noch größer wurde der Kreis der Sänger bei Bachs "Jesus bleibet meine Freude" und dem Choral "Geh aus, mein Herz", denn da durfte auch das Publikum mitsingen. Zur Auflockerung spielte der Lautenist Thomas Sailer John Dowlands poetischen Tanz "The Frog Galliard" und Bachs Bourrée. In Händels Orgelkonzert entlockte der Solist Stephan Kreutz der kleinen Chororgel diverse Klangschattierungen, spielte seinen virtuosen Satz sehr flüssig und reicherte ihn mit zahlreichen Verzierungen an.

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Bei den anderen Stücken war der Kammerchor vokal auf sich alleine gestellt: In Johann Pachelbels "Singet dem Herren" überzeugte er durch Kultiviertheit der Stimmen und Präzision, denn die gleichberechtigten Stimmen waren klar herauszuhören. Mit drei Werken war Heinrich Schütz vertreten, das komplexeste davon war die Motette "Jauchzet dem Herren alle Welt", in der sich ein Wechselspiel zwischen dem Chor und einem auf der Empore platzierten Quartett entfaltete: Fesselnde Dialoge, aparte Echo-Wirkungen, sicher bewältigte Melismen und die gute Textverständlichkeit belegten die Erfahrung des Chores im Umgang mit schwierigen Werken. Auch Bachs Motette "Ich lasse dich nicht" lebte von dem Wechselgesang zwischen Chor und Solistenquartett. Expressive Akzente setzte das Ensemble im zweiten Teil, als ein energisch hervorgestoßenes "Ich lasse dich nicht"-Motiv durch die Stimmlagen wanderte und der Sopran als Kontrast eine ruhige, fließende Kantilene darüber spannte. Zwei moderne, gleichwohl tonale Lieder von Morten Lauridsen und Christian Lahusen rundeten das mit viel Beifall bedachte Konzert ab.

Autor: Michael Gottstein