Wenn eine Klinik Patienten helfen will, dafür aber kein Geld bekommt

Axel Kremp

Von Axel Kremp

Do, 06. Dezember 2018

Bad Säckingen

FDP-Landesvorsitzender Michael Theurer nimmt von seinem Besuch im Sigma-Zentrum in Bad Säckingen eine Anregung mit in den Bundestag nach Berlin.

BAD SÄCKINGEN. Wenn Spitzenpolitiker Firmen oder Einrichtungen in der Region besuchen, bleibt es oft beim Austausch von Nettigkeiten und dem Bekenntnis des Gastes, mächtig beeindruckt zu sein vom zuvor Gesehenen und Gehörten. Der Besuch des FDP-Landesvorsitzenden und stellvertretendem Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Bundestag, Michael Theurer, im Sigma-Zentrum in Bad Säckingen ging da weiter. Was Theurer da von Professor Bielitz, dem Geschäftsführenden Ärztlichen Direktor des Sigma-Zentrums, hörte, wird der Liberale in eine parlamentarische Anfrage formen. "Dazu muss sich die Bundesregierung äußern", sagte Theurer und erntete dabei zustimmendes Kopfnicken bei Bielitz und dessen Kollegen in der Geschäftsleitung des 240 Mitarbeiter zählenden Hauses, Verwaltungsleiter Andreas Lächele, und Justiziar Johannes Hansmann.

Worum geht es: Gesetzlich versicherte psychisch erkrankte Menschen und deren Angehörige müssen – selbst bei akuten schweren Schüben der Krankheit – mitunter monatelang auf stationäre Behandlung in einer Fachklinik warten. Abhilfe könnten private psychische und psychiatrische Fachkliniken wie das Sigma-Zentrum in Bad Säckingen leisten. Das Sigma-Zentrum, so sagte Bielitz, würde solche Akutpatienten gerne aufnehmen, dürfe es aber nicht, weil die Gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme verweigern. Dabei, so sagte der Geschäftsführende Ärztliche Direktor weiter, würde sein Haus den gesetzlichen Kassen nicht mehr berechnen, als diese auch den Kliniken mit Kassenzulassung vergüten. Will heißen, den Kassen entstünden keinerlei Mehrkosten, den Patienten könnte aber effektiv und insbesondere schnell geholfen werden. Verweigert werde auch die Übernahme der Kosten von gesetzlich Versicherten mit einer entsprechenden Zusatzversicherung. Bielitz: "Das ist disfunktional und nicht nachvollziehbar."

Theurer, der die Eckpunkte liberaler Gesundheitspolitik vorstellte, versprach, sich des Themas anzunehmen. Auf den ersten Blick erschließe sich ihm nicht, weshalb die Kassen diese Kosten nicht übernehmen, wenn für den Patienten zeitnah kein Bett in einem Haus mit Kassenzulassung bereitgestellt werden könne. Er werde der Bundesregierung kritische Fragen dazu stellen.

Einig sind sich der Gast aus der Bundespolitik und der Klinik-Chef im Ziel, Bürokratie im Gesundheitswesen abzubauen und den hoch qualifizierten medizinischen Fachkräften mehr Kompetenz zu geben. "Ärzte fühlen sich nicht mehr frei", klagte Bielitz.