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13. September 2011
Wenn Unterschiede zu Ergänzungen werden
In der Villa Berberich sind Werke des Laufenburger Bildhauers Daniel Waldner und der Malerin Bettina Bohn zu sehen.
BAD SÄCKINGEN. Ein überdimensionaler Puppenarm streckt sich den Besuchern in der Villa Berberich entgegen. Die grüßende Hand ist ein Objekt des Laufenburger Bildhauers Daniel Waldner, der zusammen mit der Malerin Bettina Bohn die neue Ausstellung des Kunstvereins Hochrhein bestückt. Herausgekommen ist ein anregendes Zusammenspiel von Malerei, die etwas Schwebendes, Aufgelöstes hat, und einer Objektkunst, die surreal und vieldeutig wirkt.
"So ein volles Haus hatten wir lange nicht mehr", freute sich Kunstvereins-Chef Frank van Veen über den Besucherandrang. In seiner letzten Vernissagerede als Vorsitzender reflektierte van Veen über die Dialoge, Beziehungen und Selbst-Spiegelungen beim Betrachten dieser so unterschiedlichen und sich doch schön ergänzenden Arbeiten.
Puppenhände, tanzende Füße in Ballettschuhen und Spiegel spielen in Daniel Waldners Objekten eine symbolhafte Rolle. Der Künstler aus Kaisten setzt seine Objekte aus modellierten Polyesterkörperformen und verschiedenen Gegenständen zusammen. Im Erkerraum der Villa hat er eine geheimnisvolle Theaterbühne mit klatschenden Puppenhänden aufgebaut. Kleine weiße Hände sind auch auf die Schneiderpuppen-Torsi appliziert – Sinnbild dafür, dass viele Hände nach einem greifen.
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Assoziationsreich widmet sich der Schweizer Künstler dem "Weißes Ballett": Da setzen sich Füße in Ballettschuhen zum anmutigen Spitzentanz in Bewegung. Bei diesem mobilen Objekt weht ein Hauch von Tinguely durch den Raum. Spiegel, Vogelfedern, ein offener Käfig und eine Reihe von schwebenden Ballettschuhen in einem Theaterwägelchen wecken Anspielungen an das disziplinierte Rollenspiel des Tanzens und des Lebens. Der Torso an Krücken mag erstmal provozierend und verstörend wirken. Doch wie bei den Interieurs, dem Glasturm als Miniatur-Bürokäfig, dem Zimmer im Rhein oder dem Gestänge mit Holzteilen, die an Kleiderbügel, Kuhjoch oder Wirbel eines Tiers erinnern, drückt Waldner viel Hintergründiges über das reale Leben aus – verpackt in surreal-fantasievoller Form und ungewöhnlichen Materialien.
Wasser, Nebel und aufgelöste Körper sind die Motive, um die Bettina Bohns Bilder kreisen. Die in Hohenegg lebende Malerin und Kunstlehrerin – sie hat früher an der Realschule Bad Säckingen unterrichtet – beschwört in den Meeresbildern höchst expressiv die elementare Kraft und Wucht der Wellen, der Gischt, der Brandung in schillernden changierenden Meeresblautönen von Türkis bis zum Graublau. Eine weitere Serie zeigt weibliche und männliche Körper im Wasser und unter Wasser, schwerelos schwebend, verschwimmend, mit sich auflösenden Konturen. Die Grenzen zwischen Wasser und Figur lösen sich zunehmend auf, die Körpersilhouetten der Tauchenden und Schwimmenden sind nur schemenhaft erkennbar, zerfließen im Wasser. Auch das Dunstige, Diffuse, verwischt Erkennbare eines Körpers beim Duschen hinter Milchglas erfasst Bohn überaus atmosphärisch.
Stark zurückgenommen und reduziert im Farblichen, aufgelöst in helle Weißgraunuancen, sind Bohns neue Landschaften, die sehr meditativ wirken und nur noch leise und vage angedeutete Formen von Bäumen, Tälern, Hügeln erkennen lassen. Da zeigt die Malerin, wie viele feinschattierte Töne Weiß und Grau haben. Wunderbar sensibel fängt sie in der Reihe "Nebel" die im diffusen Nebelschleier aufgelöste Schwarzwaldlandschaft ein. Aus Naturmaterialien wie Blättern von Lauch oder Papier geformt sind Bohns zarte weibliche Torsi, die etwas von Häuten haben und deren sinnliche Körperformen zerfasern und sich zersetzen: Symbol für die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit der Natur.
von 14 bis17Uhr sowie sonntags von
10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.
Autor: Roswitha Frey
