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09. Februar 2011

Drei Sänger und ein Clown

Die Show "Alive and Swingin’" im Festspielhaus Baden-Baden.

  1. Auf der Showtreppe: Sasha, Rea Garvey und Xavier Naidoo Foto: dapd

Am Ende darf Michael Mittermeier doch noch mit den Kollegen gemeinsam singen. Mit weicher Hüfte und coolem Blick steigt der bayerische Komiker die Showtreppe im ausverkauften Festspielhaus Baden-Baden herunter und intoniert durchaus zielsicher die erste Strophe von Frank Sinatras "My Way". Sasha, Xavier Naidoo und Rea Garvey schlendern danach über die Stufen, ehe die vier dann, opulent begleitet von der Tobias-Kremer-Bigband, den dreistündigen Abend mit ernster Miene und vollem Sound ausklingen lassen. "Alive and Swingin’ – Ein Tribute an das legendäre Rat Pack" nennt sich die dreistündige Show, die für einen Abend in Baden-Baden Station machte.

Dabei ist es eigentlich zum Scheitern verurteilt, wenn man Legenden wieder auferstehen lassen möchte. Rat Pack war der Name für den Freundeskreis, der sich Anfang der 1960-er Jahre um Frank Sinatra gebildet hatte. Dazu gehörten neben den Sängern Dean Martin und Sammy Davis Jr. auch der Schauspieler Peter Lawford und der Komiker Joey Bishop. Im Casinohotel "Sands" in Las Vegas, an dem Sinatra Anteile erworben hatte, boten die fünf zweimal pro Tag eine gefeierte Show, die Musik und Comedy verband. "Alive and Swingin’" versucht nicht, die "Summits" (Gipfeltreffen) genannten Abende zu kopieren. Natürlich glitzert es auf der Retrobühne des Festspielhauses Baden-Baden, natürlich liefert eine Big Band den passenden Sound zu den Standards, natürlich tragen die vier Akteure Smoking. Aber ein schaler Aufguss ist der Abend deshalb noch lange nicht. Eine angenehme Selbstironie durchzieht die Show.

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Die Rock-Vergangenheit der Sänger färbt die Arrangements. Schon das erste Stück "Ain’t That a Kick in the Head" kommt sehr druckvoll von der Bühne. Insbesondere Rea Garvey und Xavier Naidoo haben ihr eigenes Timbre, das immer durchzuhören ist. Sasha kommt vielleicht auch wegen seiner Rockabilly-Vergangenheit als Dick Brave noch am ehesten an den geschmeidigen Crooner-Stil von Frank Sinatra oder Dean Martin heran, wenn er das entspannte "I’ve Got You Under My Skin" mit der notwendigen Coolness versieht oder "Everybody Loves Somebody" frisch geölt ins Mikrofon schickt. Diese individuelle Färbung ist eine Stärke des Abends. Denn singen können sie alle. Besonders eindrucksvoll ist das, wenn Rea Garvey, der frühere Kopf von Reamonn, ganz ohne Begleitung das irische Volkslied "Danny Boy" anstimmt oder Xavier Naidoo "The Impossible Dream" mit vollem Brustton und jeder Menge Soul ausstattet.

Michael Mittermeier fungiert als Anheizer und Pausenclown. Schon mit den ersten Sprüchen zielt er unter die Gürtellinie – und tummelt sich dort den ganzen Abend. Er bricht das Pathos der Songs, erhöht das Tempo und gibt den Giftzwerg, der sich über die Kollegen lustig macht. Bei "As Time Goes By" nerven seine brachialkomischen Attacken. Aber er zeigt ja noch ein gutes Finish.

Autor: Georg Rudiger