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02. März 2011

Baden-Baden

Elfjährige für 300 Euro gekauft

Im Baden-Badener Missbrauchsprozess legt ein Angeklagter ein umfassendes Geständnis ab.

BADEN-BADEN (dpa). Ein umfangreiches Geständnis hat ein 38 Jahre alter mutmaßlicher Kinderschänder aus Erfurt vor dem Landgericht Baden-Baden abgelegt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit gab der Beamte der Arbeitsagentur unter anderem zu, ein elf Jahre altes Mädchen missbraucht zu haben.

Regungslos sitzt der Mann aus Thüringen auf der Anklagebank, während Staatsanwältin Natascha Kottisch-Borchmann mehr als 20 Minuten lang die grauenvollen Vorwürfe aufzählt. Erst habe der Mann gefilmt, wie der Stiefvater sich an der Stieftochter verging, dann missbrauchte er die Kleine selbst. Das war ihm 300 Euro wert.

Auch der Stiefvater sollte eigentlich auf der Anklagebank sitzen, wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs an seiner Stieftochter. Aber der 59-Jährige aus Rastatt unternahm am Montag in der Justizvollzugsanstalt Offenburg einen Suizidversuch.

Im Internet lernte der Beamte laut seinem Geständnis auch einen weiteren Gleichgesinnten kennen, mit dem er einen brutalen Kinderporno bestellte. Kottisch-Borchmann liest die E-Mail vor: "Ich hätte gern ein Girl, neun bis zwölf", beginnt die Nachricht. Entführt und verschleppt sollte das Kind werden, betäubt und gefesselt. "Ein paar Erdrosselungsszenen" dürften nicht fehlen. Die Ermordung sollte aber nur vorgetäuscht werden, sagt im Anschluss der Vorsitzende Richter. Die geforderten 600 Euro waren den Deutschen zu teuer. Schließlich wird laut Anklage eine "abgespeckte, günstigere Version" geliefert.

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Dann schildert die Staatsanwältin, was auf dem Rechner des Angeklagten noch alles gefunden wurde: Nackte Kinder, meist nur ihre Geschlechtsteile, damit sie nicht erkannt werden können. Und Männer, von denen ebenfalls nur die Genitalien zu sehen sind. Auch der Angeklagte selbst betrieb eine Homepage mit solchen Fotos. Hinter verschlossenen Türen legt er ein Geständnis ab. "Er hat Reue gezeigt und sich entschuldigt", erzählt sein Anwalt später. Sein Mandant habe auch eingeräumt, dass er Hilfe braucht.

Mit seiner Aussage hat der Angeklagte seinem Opfer den Auftritt vor Gericht erspart. Für sie sitzt Anwalt Kai Nissen als Nebenkläger im Prozess. Das Mädchen spreche nicht über das, was ihr angetan wurde, erzählt er. "Das ist sicherlich eines von mehreren Symptomen posttraumatischer Störungen." Mindestens einmal pro Woche sei das Mädchen in psychotherapeutischer Behandlung.

Autor: dpa