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27. Januar 2012
Friedrichsbad Baden-Baden: Kraulen unterm Kuppeldach
Traditionelle Badekultur: Im Friedrichsbad in Baden-Baden.
Durch eine kleine Glastür betreten wir den verspielten Bau im Renaissance-Stil. Mitten in der Innenstadt Baden-Badens eröffnet sich zwischen den Häuserfronten das Gelände, auf dem sich das Friedrichsbad befindet. Bereits im pompösen Eingangsbereich ist der verregnete Wintertag vergessen. In der Umkleidekabine streifen wir zusammen mit den Sachen den Alltag ab. Ab hier verbietet die Kleiderordnung jeglichen Stoff. Der Übergang in die Textilfreiheit wird durch ein weißes Laken erleichtert. Eingehüllt wie zu Zeiten der Römer, nähern wir uns dem wohltuenden Vormittag.
Das Friedrichsbad ist nicht einfach irgendein Thermalbad. Seit 130 Jahren ist es eines der Wahrzeichen Baden-Badens. Erbaut im 19. Jahrhundert, galt es bei seiner Eröffnung 1877 als das modernste Badehaus Europas. Was damals durch seine Fortschrittlichkeit lockte, besticht heute durch antiken Charme.
Beim Verlassen der Umkleidekabine werden wir vom Personal empfangen und in die richtige Richtung gewiesen. Die Räume sind nummeriert, überall stehen Zeitempfehlungen. Keine unserer Fragen bleibt unbeantwortet.
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Siebzehn unterschiedlich temperierte Stationen können wir durchlaufen – Schwimmbecken, ein Dampfbad, Massagen, Wärmeräume. Los geht’s.
In Badeschlappen schlüpfen, Laken aufhängen – unter einem der Riesenduschköpfe haben wir den ersten Wasserkontakt. Das warme Wasser treibt uns die tiefsitzende Winterkälte aus der Haut. Schon im ersten Wärmeraum, bei angenehmen 54 Grad, schließen wir die Augen, überlegen länger als die empfohlene Zeit liegenzubleiben. Doch die Neugierde treibt uns voran.
Durch einen schweren Vorhang betreten wir den nächsten Raum. Wieder legen wir uns hin, diesmal bleiben unsere Augen geöffnet: Exotische Bilder verzieren einige der Kacheln, hier ist die Zeit stehen geblieben. Der 68 Grad warme Heißluftraum treibt uns erste Schweißperlen auf die Stirn. Wir wandern weiter.
Bei der Cremeseifenmassage müssen wir, nach einer weiteren Dusche, schwere Entscheidungen treffen: Nehmen wir harte oder weiche Bürsten? Die Masseurin entscheidet sich, dank meines Zögerns, für die weiche. Die Creme verteilt sie sanft auf der nassen Haut – die Naturhaarbürste schrubbt hinterher. Während meine Begleitung lächelnd genießt, sehe ich mich, dank des Bürsteneinsatzes, schon mit geröteter Haut nach Hause gehen. Ein Peeling kann nicht schaden, denke ich, und beiße die Zähne zusammen.
Das hat sich gelohnt – mit seidig weicher Haut gehen wir weiter ins mit Erdwärme beheizte Dampfbad. Zwischen 45 und 48 Grad bringen uns hier nur leicht ins schwitzen. Die hohe Luftfeuchtigkeit umhüllt unsere Körper, das Wasser schwebt in kleinen Perlen um unsere Köpfe. Wir greifen danach.
Überall sind die Wasserhähne verspielt geschwungen, kleine Statuen, römische Rundbögen – die Räumlichkeiten entführen uns in eine andere Zeit. So auch am runden Bewegungsbecken: Beim Rückenschwimmen treiben wir für einen Moment auf dem Wasser, schauen nach oben. Wow! Was für ein Kuppeldach! Dank langsam sinkender Temperaturen kommt unser Kreislauf wieder in Schwung. Wie drehen ein paar Runden und sind uns einig – ein 50-Meter-Becken wäre jetzt das Richtige.
Diese anregende Wirkung ist auch dem Thermalwasser zu verdanken. Es entspringt dem Quellgebiet des Florentinerberges Baden-Baden. Die zwölf Einzelquellen schütten täglich 800 000 Liter Natriumchlorid haltiges Wasser aus, mit Temperaturen zwischen 56 und 68 Grad Celsius sprudelt es an die Oberfläche. Im Bad liegen die Höchsttemperaturen bei maximal 38 Grad.
Noch einmal unter dem Riesenduschkopf fällt unser Blick auf ein winziges Becken, 18 Grad droht uns das Schild an. Nicht darüber nachdenken, einfach rein. Eine Sekunde untertauchen und raus. Das gute Gefühl entschädigt für den kalten Moment. Wir schmiegen uns in warme Handtücher, die Haut fühlt sich samtweich an. Manch einer geht jetzt noch zur Massage, wir nicht. Eingewickelt wie Larven in ihren Kokon finden wir im Ruheraum liegend in die Trockenheit zurück – auf dem Weg dorthin gönnen wir uns ein Nickerchen.
Autor: Franziska Wissemann


