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28. September 2010
Rückschau
New Pop Festival: Die Männer haben Verletzungspech
Zuletzt waren es meist die jungen Sängerinnen, die beim New Pop Festival den nachhaltigsten Eindruck hinterließen. Dieses Mal war die männliche Fraktion stark vertreten - etwa mit den Hurts, Scouting for Girls und Plan B.
Neue Runde im musikalischen Wettstreit der Geschlechter: In den vergangenen Jahren waren es meist die jungen Sängerinnen, die beim SWR 3 New Pop Festival den nachhaltigsten Eindruck hinterließen. Dieses Mal war die männliche Fraktion mit Bands wie den Hurts, Scouting for Girls und Plan B besonders stark vertreten – musste sich aber doch wieder der geballten Ladung weiblicher Sangespower knapp geschlagen geben.
Ein bisschen Pech war allerdings mit im Spiel: Der Tourschlagzeuger der mit besonderer Spannung erwarteten Hurts hatte am Nachmittag vor dem Auftritt offenbar Probleme mit seiner Hand bekommen und musste im Krankenhaus behandelt werden. Als Folge dauerte das Konzert im Baden-Badener Festspielhaus nicht mal eine Dreiviertelstunde. Die hatte es aber in sich: Sänger Theo Hutchcraft und Keyboarder Adam Adamson haben sich sehr genau angehört, mit welchem Stil die Synthiepop-Duos der 1980er Jahre wie OMD – die sich bezeichnenderweise auch gerade mit einem Album zurückgemeldet haben – ihre Erfolge feierten und setzen hemmungslos auf eine Mischung aus Melancholie und Bombast.
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Sie hat beim Überraschungs-Hit "Wonderful Life" bestens funktioniert und trägt auch bei den übrigen Nummern aus dem Debütalbum "Happiness". Ein ironisch anmutender Titel, schließlich gibt sich das Duo aus Manchester ganz dem Weltschmerz hin, wenn auch nicht ohne Portion Hoffnung: In "Wonderful Life" wird einem jungen Selbstmordkandidaten von einer gewissen Susie Mut gemacht. Ein bisschen Humor scheinen die jungen Männern mit Pomade im Haar und gepflegten Anzügen auch zu haben, wie eine gelungene Coverversion von Kylie Minogues "Confide in Me" zeigte. Da hätte man gerne noch mehr gehört.
Während die Hurts sich ganz geschniegelt präsentierten, boten Scouting for Girls später am Abend den denkbar größten Kontrast: Die Band sieht aus, als hätte sie sich im Studentenwohnheim kennengelernt, setzt auf geradlinige aber effektive Rocknummern und einen ganz hohen Mitmachfaktor beim Publikum. Plan B schließlich schlugen eine Brücke zwischen den beiden Bands der männlichen Kollegen. Auch wenn ihre Anzüge eher zu den Hurts passten, steckten darin Musiker mit einem ganz schön frechen Mundwerk: Als gleich bei den ersten Takten die Technik versagte, wurde auf der Bühne geflucht wie spätnachts in einem britischen Arbeiterpub. Dabei kann Mister Plan B so gut singen wie rappen und die "menschliche Beatbox" in der Band allein mit seiner Stimme die Titelmelodie von "Der Pate" imitieren, Saxophon inklusive.
Kein schlechtes Männerprogramm also, bei dem die Alex Max Band allerdings nicht mithalten konnte. Zwar war der Kreischfaktor beim früheren Sänger von The Calling immens, seine Musik aber belanglos-netter Radiorock. Und die permanenten Verweise auf die eigene glorreiche Vergangenheit – "dieser Song lief bei den Olympischen Spielen und den Oscars, jener Song ist ein Klassiker geworden" wirkten ziemlich peinlich.
Weitaus souveräner präsentierten sich Marina and the Diamonds. Die britische Sängerin mit griechischen Wurzeln gibt auf der Bühne gern den Vamp mit schwarzem Make-Up und Lippenstift und zog beim New Pop Festival sämtliche Stimmregister. Auch Ellie Goulding, optisch eher feenhaft-zerbrechlich, präsentierte ihre Folkmusik mit elektronischen Elementen im Theater Baden-Baden wesentlich energievoller als es ihr Äußeres und ihre Platte "Lights" vermuten ließen. Und vor ihrem Ohrwurm "Starry Eyed" gibt es ohnehin kein Entrinnen.
Bei Amanda Jenssen trog der erste Eindruck ebenfalls: Sehr elegant und mit ausladendem schwarzen Hut trat die Schwedin auf die Bühne des Theaters. Zunächst sah alles nach einem gediegenen Konzert mit starker Jazz-Komponente aus, doch Amanda Jennsen erwies sich schnell als witzige Unterhalterin, die mit ihrer hochkarätigen Band auch gerne mal ordentlich aufs Tempo drückte und sogar zu einem Tanz auf dem liegenden Kontrabass ansetzte. Und ihre Version von Cab Calloways "Minnie the Moocher" zählte zu den Festival-Highlights.
Wenn man noch das Blumenkind mit Popgespür Aura Dione und die junge Soulsängerin Rox hinzurechnet, hatten die Frontfrauen in Baden-Baden dann auch dieses Mal wieder die Nase vorn.
Und dann war da noch Lena: Ihr Besuch in der Festivallounge am Samstagnachmittag sorgte für einen Auflauf, wie ihn das New Pop Festival noch nicht erlebt hat. Zusammen mit dem souveränen Auftritt beim "New Pop Festival Special" wurden damit all jene widerlegt, welche die 19-Jährige Grandprix-Gewinnerin bereits wieder auf dem absteigenden Ast sehen. Auch von diesem Festival-Gast wird man noch eine ganze Menge hören und sehen.
– Ausstrahlung der Konzertmitschnitte im SWR-Fernsehen: Aura Dione: 1. 10., 0.45 Uhr; Marina & The Diamonds: 8. 10., 1 Uhr; Rox: 15. 10., 0.45 Uhr; Hurts: 22. 10., 0.30 Uhr; Alex Max Band: 29. 10., 1 Uhr; Ellie Goulding: 5. 11., 0.45 Uhr; Scouting For Girls: 12. 11., 0.30 Uhr; Robert Francis: 19. 11., 0.30 Uhr; Amanda Jenssen: 26. 11., 0.30 Uhr; Plan B: 3. 12.; 0.45 Uhr.
Autor: Stefan Rother
