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10. März 2010
Bald wächst Wald über Sankt Georg
Das ehemalige "Trinkerheim" in Badenweiler-Sehringen wird demnächst abgerissen.
BADENWEILER-SEHRINGEN. Wer von Badenweiler nach Sehringen fährt, sieht vor dem Ortseingang links an der Straße ein marodes Gebäude: St. Georg, im Volksmund bekannt als "Trinkerheim". Der Abriss des seit Jahren leerstehenden Hauses steht unmittelbar bevor. Das Areal soll renaturiert werden.
Inhaber und Betreiber von St. Georg waren die Oberrheinischen Kliniken Nordrach. Sie haben das 3356 Quadratmeter große Areal zum symbolischen Preis von einem Euro an die Gemeinde Badenweiler verkauft. Wie aus der Verwaltung zu erfahren war, wird das Gebäude jetzt abgerissen. Das kostet inklusive der Entsorgung von Altlasten rund 55 000 Euro und soll vom Vorbesitzer mit 10 000 Euro bezuschusst werden . Der Abriss sei notwendig, um die Schönheit der Landschaft wieder herzustellen, aber auch, weil die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen müsse, da das zerfallene Gebäude direkt am Fußweg steht, erklärt Bürgermeister Karl-Eugen Engler. Die Renaturierung erfolge von selbst, denn, so Hauptamtsleiter Roland Belle: "Die Natur holt sich zurück, was ihr gehört."
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Über die Geschichte des Hauses weiß Rudolf Bauert gut Bescheid. Er war von 1963 bis 1991 Bürgermeister von Badenweiler und ist bekannt für seine fundierten Geschichtskenntnisse. Er erinnert sich: Oberhalb und rechts von St. Georg war eine Gipsmühle, die noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben wurde und zeitweilig dem Gipsmühlenbesitzer Krafft aus Niederweiler gehört haben soll. Zu Beginn der 1960er Jahre hat der örtliche Architekt Eberhard Mild auf dem Areal ein Hotel gebaut. Auftraggeber sei "ein Spekulant aus Berlin" gewesen, so Rudolf Bauert. Das Hotel hieß "Berliner Hof", dann "Waldschloss", sei aber nie gut gelaufen und daher stillgelegt und an einen Unternehmer namens Zajac verkauft worden. Der sei zu der Zeit Pächter eines Hauses in Oberweiler gewesen, indem dreißig geisteskranke Menschen beherbergt wurden. Hintergrund sei damals gewesen, psychiatrische Landeskrankenhäuser zu entlasten. Mit diesen Patienten zog Zajac um in das von ihm erworbene Hotel und machte daraus das Heim St. Georg. Zeitweilig sollen bis zu sechzig Menschen in dem Haus untergebracht gewesen sein, ohne Betreuung oder Ansprechpartner. Sie hätten oft im Rathaus über das "sehr mäßige" Essen geklagt, erinnert sich Rudolf Bauert.
Als Bürgermeister habe er dann in einer Behördenbesprechung erreicht, dass zumindest stundenweise ein Arzt, der damals pensionierte Dr. Schirg aus Niederweiler, eingestellt wurde. Danach seien die Zustände "einigermaßen erträglich" geworden, sagt der Altbürgermeister. Einige Jahre später ging St. Georg in den Besitz der Oberrheinischen Kliniken über.
Schmunzelnd kommentiert Rudolf Bauert den Ein-Euro-Kaufpreis, mit dem die Gemeinde Badenweiler das marode Gebäude St. Georg erworben hat: "Das war viel zu teuer." Nach dem Abriss soll an der Stelle ein Lehrpfad eingerichtet werden und eine Tafel, die auf die frühere Gipsmühle und das Silberbergwerk (heute Café Mondweide) in Sehringen hinweist, erklärt der Ortsvorsteher von Lipburg-Sehringen, Leonhard Mayer. Um auch die schwere Arbeit unter Tage in Erinnerung zu rufen, stiftet Albert Schwald aus Lipburg eine Lore, die er jetzt noch herrichtet.
Autor: Sigrid Umiger
