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06. Februar 2012

"Das Team wird mir sicher fehlen"

BZ-INTERVIEW mit Roland Belle, der in 48 Dienstjahren im Rathaus Badenweiler 35 Jahre lang Haupt- und Bauamtsleiter war.

  1. Roland Belle Foto: Umiger

BADENWEILER. In der heutigen Gemeinderatssitzung wird Roland Belle, Hauptamtsleiter der Gemeinde Badenweiler, nach 48-jähriger Dienstzeit im Rathaus in den Ruhestand verabschiedet. Über seine fünf Jahrzehnte im Dienst der Gemeinde und ihrer Bürger sprach BZ-Mitarbeiterin Sigrid Umiger mit dem künftigen Pensionär.

BZ: 48 Jahre Amtszeit schafft kein Bürgermeister. Sie haben als 15-Jähriger begonnen. Wie war da damals, wie später?
Roland Belle: Mit 15 natürlich sehr aufregend. Ich habe mit beiden Bürgermeistern immer gut zusammengearbeitet, erst mit Dr. Rudolf Bauert, der 1963 gewählt worden war. Damals hatten wir zwei bis vier Gemeinderatssitzungen im Monat. 1991 kam Karl-Eugen Engler. Uns verband von Anfang an stets ein freundschaftliches Miteinander.
BZ: Was hat sich am meisten geändert?
Belle: Die Technik. Ich habe auf der alten Olympia Schreibmaschine, Baujahr 1928 angefangen. Ende der 1980er Jahre hatten wir fortschrittliche Schreibautomaten und mit Karl-Eugen Engler kamen die Computer. Das hat die Arbeit und vor allem die Archivierung wesentlich vereinfacht. Aber, geprägt von der Olympia, habe ich einen harten Anschlag, was mir so manche Tastatur nicht verziehen hat.

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BZ: Der Hauptamtsleiter ist ja die Kontaktstelle zwischen Mitarbeitern, Einwohnern und Bürgermeister. War das früher einfacher zu Händeln?
Belle: Ich denke nicht. Im Rathaus- und Bauhofteam hilft jeder jedem. Geändert hat sich, dass es früher nur drei Frauen in der Verwaltung gab, heute sind es neun und nur noch fünf Männer. Aber die Ansprüche der Bürger waren schon immer hoch, was an der Struktur des Heilbades liegt. Aber dafür sind die Mitarbeiter der Verwaltung da. Wir haben ja nicht umsonst als einzige Verwaltung in Baden-Württemberg das Qualitätssiegel. Und einer, der wie ich in Badenweiler geboren wurde und in diesem liebenswerten Ort lebt, kennt die Wünsche der Bürger und Gäste. Im Winter muss man ab und an erklären, dass ein Bauhof, der 100 Kilometer Wege frei halten muss, nicht vor jeder Haustüre gleichzeitig streuen kann.
BZ: Was waren denn die größten Herausforderungen?
Belle: Die Fusion mit Lipburg-Sehringen 1974 und ein Jahr später mit Schweighof. Wir haben die Integration aber schnell geschafft, weil wir stets ein offenes Ohr für alle Bürger und Ortschaftsräte hatten und weil wir unsere Fusionsversprechen – Friedhofshallen und Straßensanierungen – zügig erfüllt haben. Viel Vorarbeit war notwendig, als 1991 die Kur- und Touristikgesellschaft und acht Jahre später die Badenweiler-Thermen-Touristik (BTT) wurde. Ein einschneidendes Erlebnis war 1997 das Ende der Verkehrsbeschränkung, die mir bis dahin viel Arbeit eingebracht hat. Die Durchfahrtsverbote passten nicht mehr in die Zeit, man hätte sie schon einige Jahre früher aufheben sollen. Nicht vergessen werde ich den 8. Februar 2006, als die Markgrafenstraße um vier Meter abgesackt ist, kurz nachdem der Bus durchgefahren war. Die Gemeinde musste in Vorleistung gehen, die Straße herrichten und bis 2011 um Entschädigung kämpfen.
BZ: Mit welchen Gefühlen gehen sie jetzt von Bord?
Belle: Mit sehr gemischten. Das Team wird mir sicher fehlen – wir haben ein einmaliges Betriebsklima. Langeweile kommt aber nicht auf. Ich warte mit viel Freude auf unser zweites Enkelkind, liebe den Sport, habe einen Sprachkurs begonnen und freue mich auf mein Kochpraktikum, das ich im Kulinarium in Neuenburg machen darf. Alles andere lasse ich entspannt auf mich zukommen.

ZUR PERSON: ROLAND BELLE (63)

hat 1964 seine Verwaltungslehre im Rathaus Badenweiler begonnen. 1977 wurde er zum Hauptamtsleiter ernannt und war auch für die verwaltungstechnische Betreuung des Abwasserzweckverbandes Weilertal zuständig. 1981 kam die Bauleitplanung hinzu. Seit 1999 war er Hauptamts- und Bauamtsleiter in Doppelfunktion. Roland Belle ist verheiratet und wohnt seit 1978 in Schweighof.  

Autor: umi

Autor: umi