"Die Atmosphäre ist einfach geil"

Hannes Selz

Von Hannes Selz

Fr, 07. September 2018

Badenweiler

Zum zweiten Mal findet in dieser Woche das Damentennis-Turnier Badenweiler Open statt – mit internationaler Besetzung.

BADENWEILER. Es herrscht eine idyllische Ruhe am südlichen Rand Badenweilers. Doch Reh und Igel huschen eilig davon, als plötzlich Geräusche wie von knallenden Korken durch den Wald hallen. Chantal Sauvant, ein deutsches Nachwuchstalent im Tennis, macht aber keine Flasche Champagner auf. Vielmehr tritt sie an die Grundlinie des Tennisfeldes, wirft den Ball in die Luft und schmettert ihn mit voller Wucht und einem kurzen Plopp-Geräusch übers Netz.

Zum zweiten Mal nach 2017 sind in dieser Woche Tennisspielerinnen aus ganz Europa im Kurort zu Gast. Die Badenweiler Open stehen auf dem Plan. "Die Atmosphäre ist einfach geil", beschreibt (die inzwischen allerdings ausgeschiedene) Sauvant, die bereits zum zweiten Mal an den Start geht, ihren Eindruck. Zum einen meint sie damit die Ruhe, welche die Umgebung des Tennisparks ausstrahlt. Zum anderen aber auch die rund 100 Zuschauer, die jeden Tag zu den drei Tennisplätzen kommen, auf denen das Turnier ausgetragen wird: "So viele Leute wie hier kommen bei solchen Turnieren andernorts nur selten."

Das mit immerhin 15 000 Dollar Preisgeld dotierte Turnier – die Gewinnerin bekommt knapp 2200 Euro – ist Teil der ITF-Future-Tour, bei der die Spielerinnen auf der ganzen Welt versuchen, sich in der Weltrangliste zu verbessern. Das Besondere am Turnier in Badenweiler, das vergangenen Samstag startete, ist die Möglichkeit für die Sportlerinnen, im Tennisinternat direkt auf der Anlage zu übernachten. "Es ist toll, dass das Hotel direkt auf der Anlage ist. Die Zimmer sind super", freut sich Sauvant, der spontan nichts einfällt, was die Organisatoren noch besser machen könnten.

Viele Spielerinnen nehmen die Zimmer der Akademie, wo sich sonst das ganze Jahr über Tennistalente auf ein mögliches Profigeschäft vorbereiten, in Anspruch. Daneben übernachten einige auch in örtlichen Hotels, die von der Anlage nur einen Fußmarsch entfernt liegen.

Der Veranstalter des Wettkampfes ist der Tennispark Badenweiler, der dem russischen Geschäftsmann Sergej Samsonenko gehört. "Er ist ein großer Freund und Unterstützer des Sports", beschreibt René Ruegamer, Direktor der Badenweiler Open, seinen Vorgesetzten. Ruegamer ist an der Akademie als sportlicher Leiter angestellt und für die Planung des Turniers zuständig. "Ich glaube, wir haben hier eine der schönsten Tennisanlagen in Baden", betont der 30-Jährige. "Eigentlich werden solche Turniere auf größeren Clubanlagen ausgetragen. Bei uns ist alles eher klein aber fein. Es herrscht eine fast schon familiäre Atmosphäre."

Die Planung begann bereits kurz nachdem die damals zum ersten Mal ausgetragenen Badenweiler Open im vergangenen Jahr beendet waren. Mit der Sponsorensuche ist Ruegamer zufrieden: "Vor allem Thomas Selinger hat uns mit seinem Netzwerk seiner Generalagentur sehr unterstützt. Viele Firmen aus der Region haben erkannt, dass sie aus dem Turnier einen Nutzen für sich ziehen können."

Auch im nächsten Jahr sollen im Kurort die gelben Filzbälle durch die Gegend fliegen. Erneut wird dann das vorrangige Ziel sein, Nachwuchstalenten, die an der Schwelle zum Profigeschäft stehen, eine Plattform zu bieten. Die 16-jährige Chantal Sauvant ist hierfür ein gutes Beispiel. Sie spielte bereits unter anderem in Sri Lanka und schlug 2018 schon in Antalya und Budapest auf. "Badenweiler ist ein Heimturnier für mich", sagt Sauvant, die aus dem nördlich von Karlsruhe gelegenen Bad Schönborn kommt und in Mannheim die elfte Klasse eines Gymnasiums besucht.

Für die sportliche Zukunft hat die ehrgeizige junge Frau, die momentan den Weltranglistenplatz 1041 belegt, große Pläne: "Mein Ziel ist es, unter die besten 50 Tennisspielerinnen der Welt zu kommen." Sollte der Rohdiamant Sauvant tatsächlich eine Große im deutschen Sport werden, erinnert sie sich vielleicht auch irgendwann an das Turnier auf der ruhigen und am Wald gelegenen Tennisanlage in Badenweiler zurück, das ihr als ein Sprungbrett in den Profibereich diente.

Badenweiler Open: Am heutigen Freitag, 7. September, finden die Viertelfinalspiele im Einzel (von 11 Uhr an) und danach das Finale im Doppel (etwa 15 bis 16 Uhr) statt. Während am morgigen Samstag, 8. September, die Halbfinalspiele (von 12 Uhr an) anstehen, steigt am Sonntag, 9. September, das Finale im Einzel (12 Uhr). Die Startzeiten der Partien sind wetterabhängig. Zu den Spielen am Wochenende erwartet Turnierleiter René Ruegamer bis zu 500 Zuschauer.