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12. Februar 2010
Hauptsache, das Haus bleibt stehen
Gemeinde und viele andere sind daran interessiert / Das Denkmalamt hält es für schutzwürdig, kann dies aber bislang nicht belegen.
BADENWEILER. Das Interesse ist immens: Seit bekannt ist, dass das Oskar-Schlemmer-Haus im Badenweiler Ortsteil Sehringen zwangsversteigert wird, richtet sich große Aufmerksamkeit auf das Holzhäuschen. Manche betrachten es als ein Kaufobjekt, andere als ein wertvolles Erinnerungsstück an einen international bekannten Bauhaus-Künstler, der – angezogen von der Künstlerkolonie um René Schickele und Annette Kolb – sich für zwei Jahre hier niederließ.
Die Notiz im Gemeindemitteilungsblatt machte Ulrich Schroeter stutzig: Sehringer Straße Numero 13 – das ist doch das Schlemmer-Haus, ging es dem Neubürger durch den Kopf, der seit zwei Jahren in Badenweiler lebt und im Vorstand des Vereins "Kunst-Palais" tätig ist. Seine Mutmaßung bestätigte sich. Es handelt sich um das Häuschen dieses bedeutenden Künstlers, dessen Werke in großen Museen hängen, zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York. Es wird zwangsversteigert. Der Sachverhalt bewegt nun viele – aus durchaus unterschiedlichen Motiven.Während Oskar Schlemmer 1937 sein Haus in Sehringen bezog, hatten die Nationalsozialisten ihre Schmähausstellung "Entartete Kunst" in München eröffnet, erinnert Schroeter. Schlemmer wurde von den Nazis als "Kunstbolschewist" verfemt und aus der Kunstszene gedrängt. Eine kleine Erbschaft ermöglichte ihm den Bau des Hauses in Sehringen, das er selbst entworfen haben soll. Er selbst wohnte dort nur zwei Jahre, aber seine Familie offenbar länger. Sie ist heute noch vielen Sehringern bekannt, die erzählen, dass Tut Schlemmer, seine Frau, bis ins hohe Alter regelmäßig nach Sehringen gekommen sei. Das Haus wurde immer, wenn auch nur sporadisch, benutzt. Die Zwangsversteigerung angestrengt hat die Enkelin Janine Schlemmer. Dahinter steckt der Erbschaftsstreit mit ihrer Tante, der Schlemmer-Tochter Jaina Schlemmer und deren Sohn Raman, der seit dem Tod der Schlemmer-Witwe 1987 andauert und bei dem es um die Verwaltung des Erbes geht.
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Ulrich Schroeter hat sich mit dem Kunstlehrer Hans Frick das Holzhaus angeschaut und dabei eine Klingel mit der Aufschrift "Tut Schlemmer" entdeckt. "Es war schon ein besonderer Augenblick", sagt er, auf diese Weise diesem international bekannten Künstler nahe zukommen. Deshalb bemühen sich Schroeter und Frick darum, eine Bewegung in Gang zu setzen, die eventuell einen Freundeskreis zum Ergebnis hat, der dieses Erinnerungsstück in die Hand nimmt und pflegt. Weil es dazu mehr bedarf als des reinen Enthusiasmus, wird versucht, das Interesse größerer Einrichtungen für das Schlemmer-Haus zu gewinnen. Stiftungen wurden angeschrieben, das Bauhaus in Berlin und die Staatsgalerie Stuttgart, die den umfangreichsten Museumsbestand an Schlemmer-Originalen bewahrt. Der Künstler, geboren und gestorben in Stuttgart, müsste auch dem Land Baden-Württemberg am Herzen liegen, meint Schroeter und ist sich darin ganz einig mit Bürgermeister Hans-Eugen Engler, der die Gemeinde mit einer solchen Aufgabe überfordert sieht. Badenweiler sei bereits mit anderen Baudenkmälern, etwa der Römischen Bauruine, dem Inhalatorium und dem Kunstpalais gefragt. Jedenfalls aber legen Gemeinderat und Bürgermeister Wert auf den Erhalt und sind bereit, jede Initiative, die sich für den Erhalt, die Sanierung und eine wie auch immer geartete Nutzung engagiert, ideell zu unterstützen. Es wäre wünschenswert, dass sich eine solche Kulturinitiative bilde, sagt Engler, die Frage aber, ob die Gemeinde auch finanziell helfen könnte, müsse Moment noch offen bleiben. Der Gemeinderat und der Planungsausschuss haben sich nichtöffentlich mit der Angelegenheit beschäftigt.
Die Zeit drängt. Ob sie ausreicht, eine private Initiative auf die Beine zu stellen, die so viele Spenden zusammenbringt, dass das Haus ersteigert werden kann, weiß Ulrich Schroeter nicht. Sollte es möglich sein, dann gehe es nicht darum, ein Schlemmer-Museum einzurichten, sondern darum, das Haus zu erhalten und kleine Veranstaltungen allgemeiner Art darin zu organisieren, vielleicht auch Künstlern das Arbeiten im Atelier mit Stipendien zu ermöglichen. Sollte aber die Initiative nicht zustande kommen, dann ist auch für ihn nur eins wichtig: Dass das Haus nicht abgerissen wird.
Bisher sieht die Denkmalbehörde (siehe nebenstehendes Interview) keine Möglichkeit, sich zur Bedeutung des Hauses zu äußern. Sie geht zwar von der Denkmalwürdigkeit aus, kann aber nicht einschätzen, ob sie hochrangig genug ist, dass dem Eigentümer der Erhalt wirtschaftlich zugemutet werden kann. Weil sie keinen Zugang erhält, kann die erforderliche Prüfung nicht stattfinden. Die Richter des Amtsgerichtes aber wüssten, dass das Objekt denkmalrechtlich relevant sein könnte, sagt Jörg Feldmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde in Müllheim, so dass sie bei der Versteigerung am 3. Februar darauf hinweisen werden. Das Gericht registriert ein stärkeres Interesse an der Immobilie als üblich, aber kein immenses. In Badenweiler indes spricht man bereits von einem Schlemmer-Tourismus .
Autor: Gabriele Babeck-Reinsch


