Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
23. Februar 2012
Kunstpalais in Badenweiler zeigt Panos Kounadis surreale Gemälde
Im Kunstpalais in Badenweiler zeigt Panos Kounadis großformatige und surreale Gemälde.
BADENWEILER. Die neu eröffnete Ausstellung "Konkrete Träume" im Kunstpalais in Badenweiler lädt Besucher dazu ein, sich auf die symbolhafte Welt des Unterbewussten einzulassen. Suggestiv, anrührend und befremdlich fängt der in Freiburg lebende Künstler Panos Kounadis in großformatigen surrealen Acrylgemälden Traumsituationen ein. Hier verlieren Menschen ihr Gesicht, kleben mit den Füßen in einer zähen Masse fest oder stehen kurz vor der vollständigen Auflösung.
Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion zeigt der Künstler Wahrnehmungen, die Gefühle und zwischenmenschliche Zusammenhänge ausdrücken wollen. Da ist der "Träger", der einsam eine Straße ins Ungewisse entlangläuft und ergeben an seiner schweren, unsichtbaren Last trägt. Alltagssituationen wie das Schwimmen in einem an ein Thermalbad erinnernden Gebäude werden verstörend gebrochen durch zwei undefinierbare Gebilde mit schemenhaften Gesichtern und Umrissen im Inneren, die sich langsam und unbemerkt auf ein friedlich badendes Paar herabsenken. Ob die Gebilde bedrohlich sind oder eher Anstöße geben zur Konfrontation mit Verdrängtem, liegt ganz im Auge des Betrachters.Werbung
Überhaupt lässt Kounadis viel Spielraum für die individuelle Interpretation. Manche seiner Gemälde strahlen trotz ihrer Befremdlichkeit einen eigentümlichen Frieden aus, so wie der alte Mann, der wie verschmolzen mit seiner Umgebung unter einer endlosen Galerie von hochaufragenden, an Knochen erinnernden Bäumen sitzt. Das mag daran liegen, dass bei Kounadis, wie er bei der Vernissage erzählte, ein intensiver Traum den Anstoß zu Künstlerlaufbahn und Kunststudium gab. Bei der Vernissage wurde die stille Sogwirkung seiner Gemälde noch verstärkt durch den einzigartigen Klang von Tilo Wachters "Hang" mit ihrer Kombination aus Melodie und perkussiven Elementen, zudem verstärkt durch Wachters archaisch-expressiven Gesang.
Neben den Traumgemälden zeigt Kounadis in seiner Serie von "Schwarzwaldbildern" einen menschenleeren, urtümlichen Silva Nigra. Monochrom in dunkelblauen Schattierungen gehalten, mit mächtigen Bergformationen, nadelfein gemalten Nadelwäldern und tiefen Tälern, in denen die Nebelbänke liegen, lädt dieser Wald nicht zum Joggen und Grillen ein, sondern zur Ruhe und Kontemplation. Hier wohnt auch der surreale "Schwarzhase" in seinem Objektkasten, Seite an Seite mit einem Babypüppchen, umrahmt von Feder-Fichten, das Ganze in düsterer Mondnacht in tiefstem Schwarz gehalten. Weitere Facetten von Kounadis Schaffen sind seine surrealen Skulpturen wie der schlanke, zugleich filigrane und kraftvolle, von Hörnern gekrönte "Wächter", minutiös gezeichnete Nahaufnahmen zerfurchter Baumrinde, stark abstrahierte Zeichnungen von Menschen und Gesichtern und eine Serie kleinformatiger, dadaistischer Collagen.
Autor: Silke Hartenstein
