Millionenminus bei der BTT

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mi, 19. September 2018

Badenweiler

Jahresabschluss 2017 bei der Badenweiler Thermen und Touristik GmbH bedeutet gut 200 000 Euro Mehrbelastung für die Gemeinde.

BADENWEILER. Der Jahresabschluss 2017 der Badenweiler Thermen und Touristik GmbH (BTT) weist einen Jahresfehlbetrag von 1 414 600 Euro auf, 257 932 Euro mehr als 2016. Für die Gemeinde bedeutet das eine finanzielle Mehrbelastung von 207 292 Euro. Dieser Betrag kommt zu den bereits geleisteten 200 000 Euro hinzu.

Seit der Ende 2015 geltenden Finanzierungsvereinbarung zwischen Land und Badenweiler hat die Gemeinde bei einem BTT-Fehlbetrag von bis zu einer Million Euro 20 Prozent davon zu tragen, was darüber hinaus geht, ist von der Gemeinde zur Hälfte zu zahlen. Immerhin fiel das zu 50 Prozent von der Gemeinde zu tragende Defizit um 42 700 Euro geringer aus als die hierfür im Haushalt 2018 angesetzten 250 000 Euro. Der Gemeinderat folgte dem Beschluss des BTT-Aufsichtsrats und stimmte dem Jahresabschluss zu.

Die Übernachtungszahlen und die Besucherzahlen der Cassiopeia Therme gingen 2017 erneut zurück. Trotz einer Steigerung der Gästeankünfte um zwei Prozent sanken die Übernachtungszahlen gegenüber 2016 um 1,2 Prozent auf 433 734 Übernachtungen – 2016 war der Rückgang mit 4,8 Prozent noch deutlich höher gewesen. Der Anteil der Übernachtungszahlen von Feriengästen sank 2017 um 1,4 und bei Sozialgästen um 0,9 Prozent. Als Gründe für die sinkenden Übernachtungszahlen führte BTT-Geschäftsführer Alexander Horr in der Gemeinderatssitzung die rückläufigen Besucherzahlen der Schmuckmesse Basel auf und den Umstand, dass einige große Hotels wegen Renovierungsarbeiten geschlossen waren. Dies gilt seit 2016 für das Grandhotel Römerbad und galt vier Jahre lang für das im August 2017 als Park Hotel & Spa Katharina wieder eröffnete frühere Hotel Eckerlin. Laut Auskunft von Gudrun Khedija, bei der BTT zuständig für Meldewesen, begannen des Weiteren im November 2017 die Renovierungsarbeiten im "Kellner’s Spa", der "Rosenhof" wurde im Mai 2017 wieder eröffnet – soviel zu den größeren Hotels im Ort.

Mit 252 087 Besuchern kamen 5,4 Prozent weniger Gäste in die Cassiopeia Therme als 2016. Es kamen 4,2 Prozent weniger Gäste, die ausschließlich die Therme gebucht hatten, im Römisch Irischen Bad waren es 5,7 Prozent und im Saunabereich 8,2 Prozent weniger Gäste, die Kombi-Eintritte sanken um 8,7 Prozent. Dies führt Horr auf die abgeschlossenen Sanierungs- und Baumaßnahmen in Bad Bellingens Balinea Therme und Bad Krozingens Vita Classica zurück, dazu kamen in der Cassiopeia Therme die verschobene Generalsanierung der Marmorbad-Technik, die dreiwöchige Schließung des Marmorbades und Störungen in der Dampferzeugung des römisch-irischen Bades im Frühjahr 2017. In der Wellnessabteilung der Cassiopeia Therme hat sich der Abwärtstrend des Jahres 2016 mit 11,2 Prozent weniger Anwendungen in 2017 noch verstärkt. Der von 2020 bis 2024 geplante Thermenausbau samt -erweiterung werde sich gravierend negativ auf die Erlössituation auswirken, so Horrs Prognose, doch dürfte danach mit einer deutlichen Umsatzverbesserung zu rechnen sein. Davon abgesehen wird aufgrund der seit Jahresende 2016 angestoßenen Maßnahmen in allen Tätigkeitsbereichen der BTT in den nächsten Jahren eine Verbesserung der Erlös- und Aufwandssituation durch steigende Besucherzahlen und geringere Aufwendungen prognostiziert. Das Kurhausbistro etwa wird seit März 2018 von einem Pächter betrieben und im April 2018 trennte man sich vom Souvenirladen "Marie & Marie" – in beiden von der BTT betriebenen Unternehmen waren die Erlöse gegenüber 2016 um insgesamt 70 300 Euro zurückgegangen. Der Materialaufwand der BTT sank, vor allem wegen verringerter Energiekosten, um 56 500 Euro, beim Personalaufwand gab es keine nennenswerte Erhöhung. Insgesamt fielen die Gesamterlöse der BTT mit 6,5 Millionen Euro um 276 600 Euro niedriger aus als in 2016.

Baden-Württemberg dagegen verzeichnete 2017 einen Anstieg der Übernachtungszahlen um 1,7 Prozent. Hans-Dieter Paul (SPD) forderte mehr Anstrengungen beim Marketing und Verhandlungen mit dem Land zwecks Abdeckung des mit dem Thermenausbau erwartbaren höheren Defizits – die künftige Bad-Baustelle und die Leerstände seien "sicher keine Werbung". Dirk Beckert (CDU) schlug eine Befragung der Kurgäste vor. Angelika Mehl (Grüne) bezweifelte die Renovierungsarbeiten in Hotels als Grund für den Rückgang der Übernachtungszahlen: Die Feriengäste könnten ja in anderen Badenweiler Hotels logieren. Martin Bauert (FWG) vermisste Neues beim touristischen Angebot und regte an, wieder einen Minigolfplatz zu eröffnen. Hierzu verwies Bürgermeister Karl-Eugen Engler auf die in jüngerer Vergangenheit erfolgten Eröffnungen von Schul-, Kurpark- und Tschechowmuseum.