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15. Oktober 2015

Unverhältnismäßige Kosten

Seit einem Jahr gibt's abends mehr Busverbindungen in Badenweiler - jetzt werden sie wieder eingestellt

Der Gemeinderat in Badenweiler spricht sich gegen die Fortführung von zusätzlichen Busverbindungen in den Abendstunden aus.

BADENWEILER. Seit dem 15. Dezember 2014 verbinden drei zusätzliche Busse werktags in den Abendstunden die Kommunen Müllheim und Badenweiler. Das Angebot wurde auf ein Jahr befristet. Es sei, so Hauptamtsleiter Florian Renkert, gezielt beworben worden. Da jedoch zu wenig Fahrgäste aus Badenweiler die Busse nutzen, soll das Angebot laut Mehrheitsbeschluss des Badenweiler Gemeinderats nicht fortgeführt werden.

Über Fahrgasterhebungen wurde ermittelt, wie stark die Busse frequentiert sind. Die Ergebnisse wurden nun dem Badenweiler Gemeinderat präsentiert. Die drei zusätzlichen Abendverbindungen kosten 40 125 Euro pro Jahr. Im Rahmen der interkommunalen Vereinbarung zwischen Badenweiler und Müllheim beträgt Badenweilers Kostenanteil 12 000 Euro, was 30 Prozent der Kosten entspricht, Müllheim beteiligt sich mit 28 125 Euro ( 70 Prozent). Es zeigte sich, dass im Durchschnitt an den Zähltagen alle drei Abendbusse zusammen von insgesamt 24 Badenweiler Fahrgästen genutzt werden. Somit bezuschusst die Gemeinde rein rechnerisch jede Fahrt mit zwei Euro pro Person. Die Verwaltung zog daraus das Fazit: Die Kosten der Linien stehen in keinem Verhältnis zur Nutzung. Dies fanden auch sieben Gemeinderäte und Bürgermeister Karl-Eugen Engler. Angelika Mehl, Ulrike Liebisch, Harald Schwanz, Ulrike Kießling und Andrea Wiesler dagegen stimmten für eine Fortführung der Abendbusse, Christian Baltes enthielt sich der Stimme.

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"Wir haben hier drei Abendverbindungen, die ausschließlich Badenweiler und Oberweiler bedienen", stellte Bürgermeister Engler fest. Angesichts der niedrigen Fahrgastzahlen sei es schwierig einzusehen, warum nicht auch weitere Ortsteile angebunden wären. Der letzte Abendbus fährt um 22.15 Uhr vom Müllheimer Bahnhof nach Badenweiler. Dies sei zu früh und erlaube weder Theater- noch Konzertbesuche, etwa in Freiburg, fand Claus Becker. Hierzu meinte Engler, viele von Badenweilers Gästen seien im höheren Alter: "Ich seh’ sie um Mitternacht nicht auf den Bahnhöfen, weil sie sich dort unwohl fühlen." Dem fügte Karl Heinz Zink hinzu, seiner Erfahrung nach stiegen ältere Bürger und Gäste nachts vom Bahnhof eher auf das Auto um.

Angelika Mehl meinte, Pendler würden sich nicht einlassen auf ein Angebot, das auf nur ein Jahr befristet sei: "Die haben sich anders organisiert." Ulrike Kießling sprach sich für die Verlängerung des Probelaufs um ein weiteres Jahr aus, dann auch an den Wochenenden. Ulrike Liebisch schlug als Alternative zu den Abendbussen ein Anruf-Sammeltaxi vor, das auch Schweighof und Sehringen anbinde. Das habe es schon mal gegeben und sei mangels Nachfrage wieder eingestellt worden, sagte Engler dazu.

Autor: Silke Hartenstein