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25. Januar 2012
"Wir diskutieren über Alternativen"
BZ-INTERVIEW mit Rektor Ekkehard Wurster über die aktuelle Situation der Hauptschule in der Gemeinde Badenweiler.
BADENWEILER. Als das Kultusministerium 2009 die Integration kleiner Hauptschulen in zentrale Werkrealschulen anordnete, hat sich Badenweiler dagegen und stattdessen für den Erhalt der eigenen Hauptschule entschieden. Aber deren Zukunft ist durch sinkende Schülerzahlen gefährdet. Über die aktuelle Situation informierte Rektor Ekkehard Wurster nun den Gemeinderat und sprach darüber auch mit BZ-Mitarbeiterin Sigrid Umiger.
BZ: Die Hauptschule in Badenweiler durfte einzügig weiter bestehen, weil sie sich vor allem durch berufsorientierte Projekte ein eigenes Profil erarbeitet hatte. Gilt das nicht mehr?Ekkehard Wurster: Unser Profil und die Zusammenarbeit mit Betrieben wird nach wie vor gelobt. Nach den neuen Vorgaben der grün-roten Landesregierung könnten wir – was bislang nicht geht – bis zum Ende der zehnten Klasse unterrichten und auf Antrag sogar Werkrealschule werden, unter der Voraussetzung von mindestens 16 Schülern in der zehnten Abschlussklasse. Aber es könnte sein, dass wir schon 2013 diese Auflagen nicht mehr erfüllen können. Deshalb habe ich mit dem Kollegium – wir haben 22 Lehrkräfte – über Alternativen diskutiert.
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BZ: Wie viele Schüler haben Sie zurzeit?
Wurster: Wir unterrichten 130 Grundschüler in sechs Klassen, da wir je zwei zweite und dritte Klassen haben und 66 Hauptschüler in vier Klassen, wobei Fünft- und Sechstklässler in einer Klasse sind. Problem ist, dass Badenweiler zu wenig Schüler hat. Nur 25 Schüler kommen aus der Gemeinde, die meisten unserer Hauptschüler wohnen in Nachbargemeinden, aber deren Zahl lässt nach. Da bis 2016 noch Schulbezirke bestehen, werden viele Anträge von Eltern aus Nachbargemeinden nicht bewilligt. Zurzeit haben wir 25 Hauptschüler aus dem Schulbezirk Müllheim, sechs aus Niederweiler, zwei aus Neuenburg, einen aus Sulzburg. Drei kommen aus Buggingen, vier aus Auggen, denn diese Gemeinden sind nicht an Schulbezirke gebunden.
BZ: Könnte die René-Schickele-Schule nicht Gemeinschaftsschule werden?
Wurster: Auch das haben wir im Kollegium diskutiert. Ich finde es pädagogisch sinnvoll, wenn Schüler bis zur sechsten Klasse Zeit haben über einen Wechsel an weitergehende Schulen nachzudenken. Aber wir können auch die Kriterien für eine Gemeinschaftsschule nicht stemmen. Wir müssten zweizügig sein oder bei Einzügigkeit stabile Klassengrößen von mindestens 20 Schülern nachweisen. Außerdem müsste die Gemeinde in ein erweitertes räumliches Konzept investieren. Das können wir angesichts der unsicheren Schülerzahlen nicht erwarten.
BZ: Ist somit das Aus für die Hauptschule in Badenweiler besiegelt?
Wurster: Nein. Im ungünstigsten Fall gehen wir davon aus, dass wir die aktuellen Schüler der Sekundarstufe bis zu ihrem Abschluss unterrichten und betreuen. In diesem Fall würde es mindestens noch drei Jahre dauern bis zum definitiven Ende der örtlichen Hauptschule.
BZ: Und wie sähe dann der günstigere Fall aus?
Wurster: Unsere Schule ist sehr beliebt wegen der Projekte in kleinen Klassen. Wir nehmen jede Anmeldung von außerhalb gerne entgegen. Aber wegen des bestehenden Schulbezirks Müllheim muss in jedem Einzelfall nach Rücksprache mit der Müllheimer Schulleitung und unter Beteiligung des Freiburger Schulamtes geprüft werden, ob der Schulbezirkswechsel bewilligt wird. Hätten wir mehr Schüler, könnten wir eine eigenständige fünfte Klasse einrichten und damit den Erhalt der Hauptschule sichern.
BZ: Und wenn das nicht klappt?
Wurster: Dann bauen wir auf einen gleitenden Wechsel hin zur reinen Grundschule. In der möglichst mehrjährigen Übergangszeit sollte die Grundschule konzeptionell weiterentwickelt werden. Ich denke da an eine Ganztagsschule und die Neugestaltung von Räumen für eine neue Lernkultur. Diese Entscheidungen muss aber der Gemeinderat mittragen. In zwei Jahren feiern wir das 50-jährige Bestehen der René-Schickele-Schule und so lange werden wir ganz bestimmt noch durchhalten. Vielleicht sogar länger.
ZUR PERSON: EKKEHARD WURSTER (56)
Der promovierte Pädagoge und Diplompsychologe ist seit 2008 Rektor der Grund- und Hauptschule der Gemeinde Badenweiler in Oberweiler. Er hat an der Pädagogischen Hochschule Mathematik und Kunst studiert, danach Psychologie mit dem Schwerpunkt Erziehungs- und Bildungsberatung.
Autor: umi
Autor: umi
