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07. Juni 2010

Badhof-Kapelle in Bad Boll sanieren

Interessen- und Förderkreis um den Erhalt des Kleinods bemüht.

  1. Peter Marienfeld (links) und Hans-Jörg Adler koordinieren als Hauptinitiatoren die Aktivitäten zur Sanierung und den Erhalt der Kapelle in Bad Boll. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Die Badhof-Kapelle in Bad Boll ist als einzig übrig gebliebenes Bauwerk heute noch sichtbares Zeichen dieses einst bedeutsamen und weltweit renommierten Kur- und Heilbades in der Wutachschlucht. In den zurück liegenden Jahrzehnten schien die Kapelle beinahe dem Zerfall preisgegeben. Nun bemüht sich ein Interessen- und Förderkreis um den Erhalt dieses Kleinods als Bauwerk und Zeitzeuge im Naturschutzgebiet. Hauptinitiatoren sind dabei Peter Marienfeld und Hans-Jörg Adler.

Den passionierten deutsch-schweizerischen Wanderer und Naturfreund beschäftigte der sichtbare Zerfall der Kapelle seit einigen Jahren. Mehr oder weniger zufällig stellte Peter Marienfeld im Spätsommer des vergangenen Jahres in diesem Punkt Übereinstimmung mit seinem Golf-Partner Hans-Jörg Adler fest, der seinerseits just zu jener Zeit ebenfalls auf das Problem aufmerksam wurde. Umgehend knüpften die beiden Kontakte zu Bürgermeister Michael Scharf, Architekten, Handwerkern, Friedbert Zapf als Vorsitzendem der Ortsgruppe Bonndorf des Schwarzwaldvereins und weiteren Personen, die von der Sanierung der Kapelle entweder betroffen oder daran interessiert sind. Bereits im September bildete sich der "Interessen- und Förderkreis Kapelle Bad Boll", gemeinsam nahm man das Projekt bei verschiedenen Lokalterminen in Augenschein und schon bald kristallisierten sich wesentliche Erhaltungsmaßnahmen und eine erste grobe Kostenschätzung heraus. Kontakte zu Landespolitikern wurden geknüpft , Flyer und eine Homepage erstellt sowie erste Überlegungen hinsichtlich eines künftigen Nutzungskonzepts der Kapelle, der Finanzierung und etwaiger Fördermaßnahmen konkretisiert. Der Landtagsabgeordnete Klaus Schüle sagte bei einem Besuch im Februar Unterstützung in dieser Angelegenheit zu. Finanzminister Willi Stächele ließ die Initiatoren Anfang Mai in einem Schreiben wissen, dass er "dieses bürgerschaftliche Engagement für den Erhalt eines Identität stiftenden Ortes" unterstützt und sicherte Planungsleistungen von Seiten der Staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung zu. Einen finanziellen Beitrag an den anfallenden Kosten könne das Land, das seit 1991 im Besitz der Kapelle ist, allerdings im Hinblick auf die Haushaltslage nicht bereitstellen. Peter Marienfeld freut sich dennoch über den tollen Einsatz der Politiker und sieht in dieser Stellungnahme des Finanzministers einen Meilenstein für die Kapelle.

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Die voraussichtlichen Kosten in Höhe von 100 000 Euro könnten auch ohne eine Landesbeteiligung gestemmt werden, über Spenden, Sponsoren oder eine eventuelle Förderung aus dem Leader-Programm der EU, so die Vorstellung der Initiatoren, die eine fifty-fifty Lösung ideal fänden. Einige ortsansässige Handwerker stellten bereits in Aussicht, ihre jeweiligen Leistungen zum Selbstkostenpreis zu erbringen. Keine finanzielle Unterstützung ist von Seiten des Denkmalamtes zu erwarten, wenngleich dieses bei der Sanierung ein gewichtiges Wort mitreden wird.

Aktuell stehen die Initiatoren vor der Frage, ob für die Renovierungsmaßnahme der Kapelle ein Förderverein gegründet werden muss oder die Abwicklung über eine bereits bestehende Organisation erfolgen kann. Friedbert Zapf sieht den Schwarzwaldverein nicht in der Lage, solch ein großes Projekt zusätzlich zu stemmen und als Besitzer der Kapelle künftig für deren Erhalt zu sorgen. Auch die Kirchengemeinden und die Stadt Bonndorf haben keinerlei Interesse am Besitz einer weiteren Kapelle. Hans-Jörg Adler stellte in Aussicht, dass zumindest die finanziellen Transaktionen und Spendenbescheinigungen über die Rotaryhilfe abgewickelt werden könnten.

Kritisch sieht Bürgermeister Michael Scharf eine weitere Vereinsgründung zu diesem Zweck. Wichtigster Punkt aus seiner Sicht ist die Klärung der Eigentumsverhältnisse, etwa über einen langjährigen Pacht- und Nutzungsvertrag, sowie der künftigen Nutzung der Kapelle. "Eine pfiffige Nutzung ist das A und O, darüber definiert sich alles Weitere." Die Initiatoren können sich die Nutzung als Informationszentrum über die ehemalige Bedeutung von Bad Boll und das Naturschutzgebiet Wutachschlucht ebenso vorstellen wie eine Nutzung zu kirchlichen Zwecken, etwa Trauungen, Ehe-Jubiläen, Taufen, Maiandachten und Wallfahrten. Auch für standesamtliche Trauungen könnte die Kapelle ein attraktiver Ort sein. Freilich muss bei allen Überlegungen das Interesse des Naturschutzes berücksichtigt werden. Bei einem Vorort- Termin mit dem zuständigen Mitarbeiter des Landratsamtes soll nun eine etwaige Förderung aus EU-Mitteln geprüft werden. "Wir haben einen Haufen Arbeit vor uns", ist sich Peter Marienfeld im Klaren. Viel Zustimmung für die Initiative gibt es auch von Wanderern in der Wutachschlucht.

Eine Dame stellte gegenüber Peter Marienfeld sogar bereits eine Fensterspende in Aussicht. Ein Konto für Geldspenden ist ebenfalls eingerichtet und zwar von der Rotary Hilfe e.V. bei der Sparkasse Bonndorf, Bankleitzahl 680 512 07, Kontonummer 225 177, Kennwort "Kapelle Bad Boll".

Autor: Martha Weishaar