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02. Juli 2009 14:11 Uhr

Umsatzrückgang und steigende Kosten

Badischer Winzerkeller zahlt weniger Traubengeld aus

Trotz einer Preiserhöhung ist der Umsatz des Badischen Winzerkellers im Geschäftsjahr 2008 (1. Januar bis 31. Dezember) um knapp 5 Prozent auf 49,7 Millionen Euro zurückgegangen. Die Winzer müssen sich mit 2,8 Prozent weniger Traubengeld zufrieden geben.

  1. Der Badische Winzerkeller gehört zu den größten Bioweinerzeugern in Deutschland. Foto: Gerold Zink

BREISACH. Sie bekommen im Schnitt nur noch 7811 Euro pro Hektar, im Vorjahr waren es 8088 Euro. Die Vorstandsmitglieder der Breisacher Genossenschaftskellerei, Günter Hilmert und Wilfried Dörr, sowie Prokurist Andreas Kohler erläuterten den Mitgliedern am Mittwochabend in der Jahreshauptversammlung die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres.

Der Umsatz ist auf 49,7 Millionen Euro zurückgegangen (2007: 52,3 Millionen Euro). Grund für die Einbußen seien vor allem die Lieferengpässe im Weißweinbereich, erläuterte Dörr. Lieferengpässe bei wesentlichen Weißweinsorten hätten dazu geführt, dass von Großabnehmern auch Rot- und Roséweine nicht entsprechend geordert wurden.

Die Weinvorräte zum Jahresende betrugen 44,2 Millionen Liter. "Wir haben im Weißweinbereich alles verkauft, was wir hatten", sagte Dörr. "Beim Rotwein hingegen herrschte Überfluss", ergänzte Prokurist Kohler. Als Konsequenz aus der Weißweinknappheit habe man die Menge beim Federweißen um 50 Prozent reduziert, um mehr Grundwein für hochwertige Produkte zu haben, berichtete Günter Hilmert.

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Auch durch eine Preishöhung – der Durchschnittspreis stieg um 19 Cent auf 2,44 Euro pro Liter – habe man den Umsatzrückgang nicht wett machen können. Der Weinabsatz sank auf 20,9 Millionen Liter (Vorjahr: 23,3 Millionen Liter). Gleichzeitig stiegen die Kosten für Energie, Verpackungen und Glas weiter an. Außerdem hätten sich durch den Wegfall von EU-Beihilfen die Kosten für die Maischeanreicherung fast verdoppelt, wie Dörr berichtete.

"Unsere Einsparpotenziale sind erschöpft", erklärte Dörr. Nachdem man in den vergangenen Jahren konstant Personal abgebaut habe, sei man auch hier an einer Grenze angelangt, ergänzte Kohler. Der Badische Winzerkeller beschäftigt 147 Voll- und 22 Teilzeitmitarbeiter.

Alles in allem habe man gestiegenen Kosten durch die Preiserhöhungen annähernd auffangen können. "Unser Ziel, eine Erhöhung des Traubengelds für die Winzer, konnten wir unter diesen Bedingungen aber nicht erreichen", bedauerte Dörr.

" Badischer Wein GmbH ist

ein starkes Signal"

Verbandsprüfer Bernhard Ritter
Investiert hat der Badische Winzerkeller im vergangenen Geschäftsjahr 1,7 Millionen Euro, "vor allem in die Perfektionierung der Anlagen", wie Dörr erklärte. Außerdem habe man aus Freiburg eine gebrauchte Halle übernommen und als Lagerhalle in Breisach aufgebaut. Sehr erfolgreich entwickle sich die Vinothek, die der Badische Winzerkeller 2008 am Breisacher Marktplatz eröffnet hat. In diesem Jahr soll die Solaranlage erweitert werden (wir berichteten).

Die Rebfläche des Badischen Winzerkellers hat sich 2008 durch die Einbindung der WG Varnhalt und das Anpachten von Flächen um 27,2 auf 2435 Hektar erhöht. 2008 hat der Badische Winzerkeller eine Rebflächenbörse gestartet. Die Winzer melden frei werdende Flächen. Diese werden sozusagen als Zwischenlösung vom Badischen Winzerkeller angepachtet. Ziel ist es, den Verlust der Flächen zu verhindern. "Wir wollen nicht ein großer Rebbewirtschafter werden, sondern verstehen uns als Rebflächenmakler",betonte Dörr. Das Angebot werde von den Winzern vermehrt angenommen. Angefangen habe man mit 5 Hektar, mittlerweile seien es bereits 20 Hektar.

Um die Sortenstruktur den Marktgegebenheiten anzupassen, bezuschusse man Winzer bei Umpflanzungen auf Weißweinsorten wie Gutedel, Müller Thurgau oder Grauburgunder.

Dörr hob auch die Qualitätsoffensive, die der Winzerkeller bereits 2007 gestartet hatte, hervor. Sie sei ein großer Erfolg. Das lasse sich auch an den Prämierungsergebnissen ablesen: "Wir hatten einen regelrechten Medaillenregen."

Eine Voraussage für den Herbst 2009 sei momentan eher schwierig, meinte Dörr. Die Voraussetzungen für einen Normalherbst seien gegeben, er rechne aber nicht mit Riesenmengen. In den ersten 5 Monaten des Jahres 2009 liege man beim Weinverkauf im Plan, sagte Hilmert. Insgesamt sehe man sich gut aufgestellt. Das Umsatzniveau sei ähnlich wie im Vorjahr. Zwar konsumierten die Verbraucher nicht weniger Wein, aber sie achteten infolge der Wirtschaftskrise mehr auf den Preis. "Wir beobachten eine Umverteilungen hin zu mittleren und niedrigeren Preissegmenten", sagte Hilmert. Mit einer Ausnahme: Bei der Edition Fritz Keller, die im Discounter Aldi Süd im Premium-Segment verkauft wird, sei der Absatz sehr gut. Für das Keller-Aldi-Projekt brauche man weiter Flächen. "Angesichts des Erfolgs, verstehe ich nicht, dass die Winzer zögern", ergänzte Dörr.

"Wir brauchen höhere Durchschnittserlöse", betonte Hilmert. Er sprach sich für mehr Premium-Produktionen aus. Das Überangebot an Rotweinen erschwere allerdings die Situation in Baden. Hilmert appellierte auch an die Kooperationsbereitschaft der Winzer. Es sei sinnvoller, vorhandene Kapazitäten gemeinsam auszunutzen als weitere zuschaffen.

Auch Bernhard Ritter, Verbandsoberprüfer des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, Jürgen Bender, Vizepräsident des Badischen Weinbauverbands, und der Aufsichtsratsvorsitzende des Badischen Winzerkellers, Karl-Heinrich Maier, forderten die Winzer zu mehr Gemeinsamkeit auf. "Wir müssen bei der Vermarktung an einem Strang ziehen", sagte Bender und lobte den Badischen Winzerkeller, der die Zeichen der Zeit erkannt habe. Ritter bezeichnete die neue Werbegemeinschaft "Badischer Wein GmbH", die von Genossenschaften, Weingütern und Kellereien getragen wird, als "starkes Signal für die badische Weinwirtschaft".

Dörr und Maier gingen auch kurz auf zwei Personalentscheidungen des Badischen Winzerkellers ein, die für Aufsehen gesorgt hatten. "Wir haben es uns nicht einfach gemacht, aber wir glauben, dass es genügend Gründe gab für die fristlose Kündigung von Sven Hildebrandt", sagte Dörr. Die Entscheidung habe mit dessen Funktion als Betriebsratsvorsitzender nichts zu tun. Maier verteidigte den Entschluss, den Vertrag mit dem bisherigen Vorstandsmitglied Hermann Wiegand nicht zu verlängern. Die Gründe dafür seien ausschließlich wirtschaftliche Aspekte gewesen.

Autor: Agnes Pohrt