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17. März 2017

Der Kronprinz von Rekordmeister Zwiebler

Fabian Roth nimmt dem Badminton-Dominator den Titel ab, scheitert in Basel aber im Achtelfinale.

  1. Philipp Roth (hier bei der Europameisterschaft im Februar in Polen) Foto: dpa

BASEL. Bei den Badminton Swiss Open in Basel beweist der Nordbadener Fabian Roth einmal mehr, dass er der neue deutsche Badminton-Star werden könnte. Dabei hatte der 21-Jährige sogar schon Befürchtungen, dass er seinen Traum von einer Profikarriere wegen einer langwierigen Verletzung begraben muss. Nach fast einjähriger Wettkampfpause kehrte Roth im vergangenen Oktober in die Turnierserie zurück und besiegte einige Weltklassespieler, darunter auch den deutschen Rekordmeister Marc Zwiebler. Anfang Februar nahm er ihm erstmals den nationalen Titel ab.

"Es ist schön, dass es geklappt hat, bevor Marc aufhört", freut sich Roth. Noch ist der 33-jährige Zwiebler Zwölfter der Weltrangliste und damit einer der besten Einzelspieler in einer Sportart, die vor allem von Asiaten dominiert wird. Beide trainieren zusammen am Olympiastützpunkt in Saarbrücken, im vergangenen Jahr reiste Roth als Sparringspartner für Zwiebler mit zu den Olympischen Spielen nach Rio. Wie jeder Sportler will er einmal selbst antreten. "Tokio 2020 ist das Ziel", sagt Roth.

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Bei den Badminton Sportfreunden Neusatz in Bad Herrenalb hat der in Karlsruhe geborene Roth zum ersten Mal den Schläger in die Hand genommen. "Die Halle war zwei Minuten von meinem zu Hause entfernt", erzählt er. Seine beiden Brüder Sebastian und Patrick spielen dort weiterhin in der der Regionalliga. Fabian hingegen ist als 16-Jähriger an den Stützpunkt gegangen, der damals noch in Mülheim war, und spielt nun bereits seine fünfte Saison für den Bundesligisten TV Refrath. Kürzlich wurde er auf Platz 50 der Weltrangliste geführt, besser war er noch nie.

"Man sagt ja, dass man manchmal nach einer Verletzung gestärkt zurückkommt", sagt Roth. Zehn Monate musste er wegen Hüftproblemen pausieren und erlebte in danach mit, wie Nationalteamkollege Max Schwenger mit 23 Jahren seinen Schläger verletzungsbedingt an den Nagel hängen musste. "Ich bin froh, dass ich überhaupt zurückgekommen bin", sagt Roth, "dass es so gut läuft, hätte ich nie gedacht." Jetzt ist er schmerzfrei, muss aber täglich Zusatzschichten zum normalen Training einschieben, um keinen Rückfall zu riskieren.

Seine sportlichen Ziele will er sich deshalb nicht zu hoch setzen. Auch bei den Swiss Open in Basel schaut er nur "von Spiel zu Spiel". Nach seinem klaren Erstrundensieg gegen einen Indonesier gewann er in einem hochklassigen Match im Sechzehntelfinale gegen den gesetzten Hsu Jen Hao (Taiwan), die Nummer 26 der Welt. "Es immer gut, jemanden zu schlagen, der vor einem steht", freut sich Roth. Bei der Team-EM im Februar in Polen gelang ihm das sogar gegen den Weltranglisten-Vierten Viktor Axelsen. Den Dänen bezeichnet Roth zwar nicht als Idol oder Vorbild, aber er schaue sich von ihm einiges ab, "weil er auch so groß ist wie ich". Es sei für ihn nicht sinnvoll zu versuchen, das Spiel der kleineren, sprunggewaltigen Asiaten kopieren zu wollen.

Der 1,91 Meter große Rechtshänder Roth ist ein ganz anderer Spielertyp als der zehn Zentimeter kleinere Linkshänder Zwiebler. Seine Stärken bestehen im druckvollen Spiel, vor allem mit seinen diagonalen Schmetterbällen kann er immer wieder punkten. Und während Zwiebler durch seine emotionale Art das Publikum für sich gewinnen oder auch mal gegen sich aufbringen kann, ist Roth auf dem Feld scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen. "Ich mache mein Ding und muss mich nicht nach jedem Punkt abfeiern", erklärt der 21-Jährige. Erst nach dem Matchball gegen Hsu Jen Hao war Roth in der Basler St. Jakobshalle in Jubelpose zu sehen.

Er hoffte danach auf ein Viertelfinale gegen den zweifachen Olympiasieger und mehrfachen Weltmeister Lin Dan aus China: "Das wäre cool." Doch im im Achtelfinale machte sich Roth am Donnerstagabend selbst einen Strich durch die Rechnung und verlor aufgrund vieler unerzwungener Fehler gegen den Indonesier Ishan Maulana Mustofa mit 16:21, 9:21.

Autor: Daniela Frahm