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04. Februar 2014 18:49 Uhr

Industriegebiet "Holderacker"

Dinger Stone: Bahlinger Firma investiert 3,4 Millionen Euro in Endingen

Die Erfolgsgeschichte des Kaiserstühler Unternehmens Dinger Stone geht weiter: Der auf Naturstein, Quarz und Keramik spezialisierte Betrieb expandiert – allerdings nicht im heimischen Bahlingen.

  1. Simeon und Raphael Dinger (Mitte) stellen Vertretern der Bürgschaftsbank und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft sowie der Volksbank Breisgau-Nord ihren Betrieb und ihre Expansionspläne vor. Foto: Martin Wendel

  2. Ein Wasserstrahl schneidet Steinplatten mit bis zu 4000 bar Druck. Foto: Martin Wendel

Von zwei auf 40 Mitarbeiter in zehn Jahren, dazu im Schnitt ein jährliches Umsatzplus von 30 Prozent – die jüngere Geschichte von Dinger Stone liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte. Simeon und Raphael Dinger haben den elterlichen Betrieb vor zehn Jahren übernommen und kontinuierlich ausgebaut. Jetzt soll das Wachstum weitergehen – allerdings nicht mehr in Bahlingen, wo die ursprüngliche Firma Boos 1885 gegründet wurde. Dinger Stone wird für rund 3,4 Millionen Euro im Endinger Industriegebiet "Holderacker" neu bauen.

Neues Konzept, neuer Name

Dass es ein Unternehmen in fünfter Generation noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Simeon (30) und Raphael Dinger (35) hatten vor zehn Jahren die Wahl: zumachen oder den elterlichen Betrieb weiterführen. Sie entschieden sich fürs Weitermachen – unter neuem Namen und mit einem neuen Konzept. Sie erkannten in Küchenarbeitsplatten aus Naturstein einen lukrativen Markt und setzten bewusst auf qualitativ anspruchsvollere Produkte. Mit Erfolg, wie die vergangenen zehn Jahre zeigten. Heute macht die Firma mehr als drei Millionen Euro Umsatz pro Jahr, Tendenz steigend.

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Fürs neue Konzept stand auch der neue, englische Firmenname: Dinger Stone. Das Unternehmen hatte stets mehr als nur den heimischen Markt im Blick und agiert nicht nur beim Wareneinkauf, sondern auch mit seinen Produkten international. Ein Begriff dürfte die Firma wohl vor allem Fachleuten aus der Bau- und Küchenbranche sein, denn das Endkundengeschäft spielt bislang kaum eine Rolle. Seine Naturstein-, Quarz- und Keramikprodukte liefert Dinger an Küchenstudios und Ladenbauer. Auch für Geschäfte von Edelmarken wie Rolex liefert Dinger Stone die farblich passenden Natursteinplatten. Die Bahlinger entwerfen und liefern Designrückwände für Hotels und Empfangshallen oder auch Bäder. Dazu kommen exklusive Produkte wie Becken, mit CNC-Technik aus massivem Stein gefräst und gesägt. Angesichts des Aufwands wird schnell klar: Für den kleinen Geldbeutel ist so ein Becken nichts. So wundert es nicht, als Raphael Dinger verrät, der russische Oligarch Roman Abramowitsch wasche sich täglich an einem Becken von Dinger Stone.

Steinerne Vielfalt aus aller Welt

Die Materialvielfalt, die dem Besucher auf dem Firmengelände an der Reetzestraße im Gewerbegebiet Unter Gereuth begegnet, ist beeindruckend. Die Ware kommt aus der ganzen Welt, vor allem aus Brasilien und Indien. Dabei importieren die Bahlinger teilweise direkt aus den Steinbrüchen namhafter Hersteller. Simeon Dinger hat viele Steinbrüche selbst besucht; die internationalen Kontakte sind mit eine Grundlage dafür, dass das Unternehmen selbst exotische Steine liefern kann, an die andere kaum rankommen. Die Lagerware wird im Schnitt binnen drei bis vier Monaten umgeschlagen. Kinderarbeit bei bearbeiteten Steinen aus China ein Problem für die Kunden hierzulande, ist für Dinger Stone kein Thema. Man beziehe reine Industrieprodukte, schwere Steinplatten und Blöcke, die nur maschinell verarbeitet werden.

Beeindruckende Entwicklung

Was die Brüder binnen zehn Jahren erreicht haben und in Zukunft vorhaben, beeindruckt am Dienstag beim Rundgang auch Vertreter der Bürgschaftsbank und der Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) Baden-Württemberg sowie der Volksbank Breisgau-Nord – die Finanzpartner beim bevorstehenden Neubau. Bis 2012 produzierten Raphael und Simeon Dinger noch in der 300-Quadratmeter-Halle ihrer Großeltern. Doch mehr Geschäft und mehr Kunden brauchen auch mehr Platz. Sie mieteten eine rund 1600 Quadratmeter große Halle in der Nachbarschaft an und erlebten, "wie viel schneller und besser der Betrieb läuft", sagt Raphael Dinger. Ein guter Zwischenschritt und Testlauf auf dem Weg zum Neubau, sind die Brüder heute überzeugt.

Standortsuche in der Region

Die Suche nach dem neuen Firmenstandort begann vor fünf Jahren. Gebrauchtimmobilien und Standorte in der ganzen Region wurden geprüft, doch auch die Gemeinde Bahlingen konnte dem ortsansässigen Betrieb nicht das bieten, was Dinger Stone sucht und braucht. Fündig wurde man in Endingen an der L 113. Das Eckgrundstück im Industriegebiet Holderacker unmittelbar am Kreisverkehr sei ideal, schwärmt Raphael Dinger: Repräsentative Lage, gute Verkehrsanbindung auch ins Elsass und vor allem genug Platz. Gut 10.500 Quadratmeter umfasst das Areal, auf dem der rund 3,4 Millionen Euro teure Neubau mit 4000 Quadratmetern Produktionshalle sowie 750 Quadratmetern für Büros und Ausstellung entstehen soll. "Hier können wir dann endlich unsere Produkte in Szene setzen", freut sich Raphael Dinger. Zudem soll das Angebotsspektrum wachsen. Künftig wollen sie mit ihren Platten und Steinblöcken auch kleinere Steinmetze beliefern.

Geplant ist eine bis zu 80 Meter lange Lagerhalle, in der die Ware direkt vom Lkw mit Kränen abgeladen werden kann. Die anschließende Halle bietet genug Platz für einen Produktionsablauf der kurzen Wege mit dem vorhandenen Maschinenpark – und für weiteres Wachstum. Obendrein habe die Stadt eine Option für weitere 5000 Quadratmeter eingeräumt.

Finanzhilfe bei der Expansion

Hilfe bei der Expansion kommt von der Bürgschaftsbank und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) Baden-Württemberg. Sie begleiten pro Jahr knapp 2500 Unternehmer bei ihren Vorhaben (siehe Infobox unten). "Wachstumsfinanzierungen freuen uns ganz besonders", betont Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank und MBG-Geschäftsführer.

Sobald die Finanzierung steht, soll der Bauantrag gestellt werden. Baubeginn soll im Herbst sein, damit die Gebäudehülle bis Winter geschlossen ist. Geplant ist eine Bauzeit von rund einem Jahr.
Stichwort: Bürgschaftsbank und MBG

Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg wurde von der Wirtschaft für die Wirtschaft gegründet. Ihre Träger sind Kammern, Verbände sowie Spitzeninstitute der Kreditwirtschaft. Ihre Bürgschaften ermöglichen kleinen und mittleren Unternehmen im Land Finanzierungen, wenn Sicherheiten fehlen. Insgesamt bestehen knapp 15.000 Bürgschaften an baden-württembergischen Unternehmen im Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro. Die MBG ist eine öffentlich geförderte Beteiligungsgesellschaft. Sie will die der Finanzierungsstruktur bei Existenzgründungen und mittelständischen Unternehmen verbessern. Ihr aktueller Beteiligungsbestand liegt bei 1095 im Volumen von 313 Millionen Euro.

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Autor: Martin Wendel