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09. Februar 2012

Gäste bewerten Kaiserstuhl gut

Studie bescheinigt gutes Angebot, aber schlechte Vermarktung.

BAHLINGEN. Die Region Kaiserstuhl-Tuniberg ist besser als ihr Ruf, urteilt das Institut für Management und Tourismus der Fachhochschule Westküste in Heide (Schleswig-Holstein) in einer Studie. "Das Angebot stimmt, es wird nur viel zu schlecht vermarktet", so Diplom-Geograf Frank Simoneit am Montag im Bahlinger Gemeinderat.

"Sie haben eine einzigartige Chance", erklärte der Projektleiter aus dem hohen Norden. Das Institut, das bundesweit derartige Untersuchungen macht, hat eine "außergewöhnliche Differenz" ausgemacht zwischen der Beurteilung des Kaiserstuhls durch Menschen, "die schon hier waren, und solche, denen die Region noch fremd ist". Von den Besuchern erhalte der Kaiserstuhl Noten, nach denen sich andere Regionen die Finger lecken würden. Simoneit: "Wer da war, weiß zu schätzen, wovon die anderen noch keine Ahnung haben." Um die touristische Wertschöpfung im Kaiserstuhl zu steigern, sei es notwendig, vor allem die Vorzüge effektiv zu vermarkten, ein paar Angebote zu intensivieren und einige Leistungsträger auf die Spur zu bringen.

Werbung

Das aktuelle Marketing funktioniere nicht, weil "nicht alle an einem Strang ziehen". Die Teamfähigkeit der Region sei deutlich zu verbessern, schreibt Simoneit den Kaiserstühlern ins Stammbuch. Es brauche einen zentralen Steuerer des Marketings. Das könne eine von den Kommunen und Partnern getragene GmbH im "Naturgarten Kaiserstuhl" sein. Unter der Aufsicht der Bürgermeister müssten Profis damit betraut werden, eine Marke aufzubauen und eine Vertriebsoffensive zu starten – in Abstimmung mit anderen Markenträgern wie der Weinwirtschaft. Dabei müsse der zukünftige Geschäftsführer nicht nur viele Kompetenzen haben, sondern auch auf Erfolg verpflichtet werden, konterte er Siegfried Ernsts Bedenken, eine "Non-Profit" Organisation, die nicht mit eigenem Geld wirtschafte, könne schnell auch zu "Non-Engagement" führen.

Skeptisch war Ernst auch, ob es gelingt, alle in ein Boot zu bekommen: "Aus der Weinwirtschaft weiß ich, dass es schon von einem Dorf zum anderen schwierig genug ist." Trittbrettfahrer dürfe es jedenfalls nicht geben. Eine weitere Herausforderung sei es, dass sich Kaiserstuhl und Tuniberg als Einheit verstehen, zumal der Kaiserstuhl-Tuniberg-Tourismus e.V. in die neue Marketinggesellschaft übergehen soll, wie Simoneit erklärte. Er habe aber auch in vielen Gesprächen schon festgestellt, dass Kirchturmdenken einem vernünftigen Gemeinschaftssinn weiche.

Auf mindestens 450 000 Euro bezifferte Simoneit den Finanzierungsrahmen, der auf alle Gemeinden zukomme. Nach einem bereits ermittelten Schlüssel würden rund 17 000 Euro jährlich auf Bahlingen entfallen. Die neue Organisation solle möglichst Anfang 2013 starten.

Bahlingen selbst könne sein Potenzial ausbauen, indem man die hohe Auslastung in der Hauptsaison auf die Nebensaison verlängere, so Simoneit. Ansatzpunkte könnten dabei das Radfahren sowie die gezielte Werbung um ältere Gäste sein. Vorsichtig bewertet könnten die Übernachtungen in Bahlingen um acht Prozent gesteigert werden.

Trotz mancher Skepsis sahen alle Räte Handlungsbedarf und beurteilten das vorgestellte Konzept als auf den ersten Blick überzeugend.

Autor: Markus Zimmermann