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02. September 2011 17:37 Uhr

Gleissanierung

Bahn-Baustelle: Nebelhorn nervt Anwohner

Die Bahn-Baustelle ist in Freiburg angekommen – und mit ihr das durchdringende Hupen, mit dem die Bauarbeiter vor heranfahrenden Zügen warnen. Auch nachts. Dass rund um die Uhr gebaut wird, ärgert die Anwohner.

  1. Eine 20 Kilometer lange Bahnstrecke wird im Breisgau saniert – Nebelhornbeschallung inklusive. Foto: Ingo Schneider

Seit dem 31. Juli erneuert die Deutsche Bahn zwischen Riegel und Freiburg auf 20 Kilometern Gleisbett, Schwellen und Gleise. Am vergangenen Wochenende ist die Baustelle auch in Freiburg angekommen. Es wird sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet. Die Anwohner in Zähringen und Herdern sind seitdem am Ende ihrer Nerven – besonders die durchdringenden Huptöne, die die Bauarbeiter auch nachts vor heranfahrenden Zügen warnen, machen ihnen zu schaffen.

Asle Demir wohnt mit ihrer vier Monate alten Tochter auf der Höhe des Herdermer Bahnhofs. Seit Beginn der Bauarbeiten, sagt sie, sei sie nicht mehr sie selbst. "Auch bei geschlossenen Fenstern und Rollläden und mit Ohrstöpseln höre ich nachts die die Warnhupe", sagt sie. Schlafen sei da unmöglich, auch ihre Tochter wache ständig auf. Durch die Übermüdung sei sie tagsüber zittrig und unkonzentriert, so dass sie auf dem Bürgersteig mit dem Kind auf dem Arm sogar gestürzt sei. Zum Glück ist nichts passiert.

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"Es spielt doch keine Rolle, ob die Arbeiten zwei oder drei Wochen dauern, wenn dafür wenigstens nachts Ruhe ist." Heinz Kerger
Auch Heinz Kerger, Chefarzt der Anästhesiologischen Klinik im Diakoniekrankenhaus, ist zornig. Er wohnt in Zähringen, 30 Meter von den Gleisen entfernt. Direkt unter seinem Fenster fahren auf einer provisorischen Metallrampe Tag und Nacht Laster und schweres Gerät an und ab. "Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass die Bahn diese Arbeiten durchführt", sagt er. Aber dass dies angeblich rund um die Uhr sein muss, findet Kerger eine Frechheit. "Es spielt doch keine Rolle, ob die Arbeiten zwei oder drei Wochen dauern, wenn dafür wenigstens nachts Ruhe ist", meint er. Viele Menschen müssten ja morgens früh zur Arbeit und bräuchten deshalb ihren Schlaf. "Würde an einer normalen Baustelle für ein Einfamilienhaus bis spät in die Nacht gearbeitet, würde doch sofort die Polizei eingeschaltet."

Bahn: Informationen tröpfeln nur spärlich

Sowohl Asle Demir als auch Heinz Kerger haben sich mit ihrem Anliegen an die Bahn gewandt. Kerger ist im Callcentergewirr der Bahn gar nicht erst zu einem Ansprechpartner durchgedrungen. Asle Demir sprach zwar mit einer Bahn-Mitarbeiterin, diese konnte ihr aber auch nicht weiterhelfen und gab ihr eine Emailadresse. Auf ihre Beschwerdemail erhielt Demir eine nicht namentlich gekennzeichnete Antwort: Trocken wird auf den modernen Standard der automatischen Warnanlage verwiesen, die sich an den Umgebungslärm anpasse und vorschriftsgemäß drei Dezibel lauter sei als dieser. "Angepasst ist da nichts", meint Demir. Als vor vier Jahren in St. Georgen Gleise saniert wurden, kamen die Hupen auf geschätzte 85 Dezibel. Heinz Kerger erwägt nun, gegen die Bahn rechtliche Schritte einzuleiten, um eine Entschädigung zu erhalten.

Bei der Deutschen Bahn selbst tröpfeln die Informationen auf Anfrage der BZ nur spärlich. "Wir sind mit den Bauarbeiten im letzten Bauabschnitt. Am 4. September nachts um 24 Uhr werden die Arbeiten abgeschlossen sein", so Pressesprecher Roland Kortz. Details über Stand und genauen Ablauf der Bauarbeiten auf Freiburger Gebiet konnte er nicht nennen. Auch der zuständige Bauoberleiter sei zurzeit nicht greifbar. Andere Ansprechpartner gebe es nicht. Auch eine Besichtigung der Baustelle sei "aus Sicherheitsgründen" kurzfristig nicht möglich.

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Autor: Petra Völzing