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13. Dezember 2011
Die Sprache der Engel zum Klingen gebracht
Kirchenchor St. Erasmus führt zum 3. Advent das Magnificat von John Rutter in der Pfarrkirche in Ballrechten-Dottingen auf.
BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Das Magnificat ist einer der bedeutendsten biblischen Texte und wird schwerpunktmäßig der Adventszeit zugeordnet. Immer wieder hat dieses Marien-Gebet Musiker zu unterschiedlichsten Vertonungen animiert. So auch den zeitgenössischen englischen Chorleiter und Komponisten John Rutter. Sein Magnificat wurde 1990 in der New Yorker Carnegie Hall aufgeführt. Am 3. Advent war es vom Kirchenchor St. Erasmus in der Pfarrkirche in Ballrechten-Dottingen zu hören.
Der ehrgeizige Dirigent Guido Berg hatte alle stimmlichen und instrumentalen Register gezogen, um mit diesem Werk in den Zuhörern etwas zum Klingen zu bringen. Musik sei die Sprache der Engel, schickte Pfarrer Eduard Schmidt der Aufführung voraus. Sie sei die Berührung zwischen Gott und der Seele, zitierte er die Schriftstellerin Bettina von Arnim.
Virtuos gelang gleich der Auftakt "Magnificat anima mea" mit Chor und Orchester, dessen Streicher (Mechthild, Axel und Judith Sikora, Sonja Höllger, Mathis Berg, Destine Traute und Christine Otto) diesmal durch Querflöte (Christina Waibel), Oboe (Stefan Wiese) und Klarinette (Gregor Sikora) sowie Percussion-Einsatz (Michael und Gabriel Steiert) verstärkt wurden. Die Herausforderung an den klassisch geprägten Chor war der unkonventionelle Umgang Rutters mit musikalischen Traditionen und ungewohnter Kompositionstechnik. Heraus kam eine völlig neuartige, eigenwillige Interpretation des Marien-Lobpreises.
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Eingeflochten in den Ablauf der sechs lateinischen Gesänge wurde ein englisches Loblied auf die Mutter Gottes aus dem 15. Jahrhundert "Of a Rose, a lovely Rose", bei dem zum ersten Mal die Solisten Eike Kramer und Marianne Rösch (Sopran), Sabine Mitzel und Martina Steiert (Alt) Gregor Becher (Tenor) sowie Bernd Elsässer und Hubert Weis (Bass) zum Einsatz kamen. Gefordert war Hubert Weis überdies, um neben dem Gesang aus der elektronischen Orgel und dem Orgelpositiv die jeweils passenden Effekte herauszuholen. Denn in Rutters Werk verbindet sich eine außerordentliche Musikalität, die vom Choral über die Fuge bis hin zu vielfältigen Rhythmen mit wechselnden Takteinheiten reicht. Der Spannungsbogen umfasst schlichte Dreiklangtonalität genauso wie impressionistische Ganztonchromatik mit Anklängen von Filmmusik und Jazzelementen.
Die Gefühle Marias verstand die Solosopranistin Lucia Brosemer mit betörend klarer Stimme unvergleichlich kantabel und melodiös in lyrischen Passagen zum Ausdruck zu bringen, begleitet von großangelegten, effektvollen Chorpartien. Kraftvoll setzte sich davon das fugenartige "Fecit Potentiam" ab, bei dem sich das stark besetzte Orchester wirkungsvoll inszenierte. Im nächsten Satz "Esurientes" wechselten kammermusikalisch anmutende Arien der brillanten Lucia Brosemer mit fulminanten Tuttiblöcken der imposanten Chorregister. Dazu lieferte das Kammerensemble Akzente bis zum zarten Ausklingen der Bläser und Streicher. Reich an stimmlicher und instrumentaler Farbigkeit bildete das "Gloria" den glanzvollen Schlusspunkt.
Am Ende stellte Pfarrer Schmidt fest, dass die Sprache der Engel sehr deutlich gewesen sei. Sie habe zum Staunen, Erschrecken und sanftem Gefühl angeregt. Die frenetisch applaudierenden Zuhörer bewegte sie überdies zu dankbar-spendablem Ausdruck im Spendenkörbchen.
Autor: Sabine Model
