Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. März 2017

Eine Show, bei der man vor Überraschungen nicht gefeit ist

Volles Haus in der Castellberghalle zur Show von Gogol & Mäx / Das musikalisch-akrobatische Duo aus Staufen ist seit 25 Jahren auf den Bühnen Europas zu Hause.

  1. Nach 25 Jahren gemeinsamer Bühnenshow haben Gogol und Mäx nichts an erfrischender Komik, Akrobatik und verblüffender Musikalität eingebüßt. Foto: Sabine Model

BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Seit Jahren nimmt der SV Rot-Weiß Ballrechten-Dottingen seinen finanziellen Eigenanteil am Kunstrasenplatz quasi mit Humor. Genauer – mit "Humor in Concert". Unter diesem Titel und Auftrag agierte nämlich das legendäre Staufener Künstler-Duo Gogol & Mäx zum zweiten Mal auf der Bühne der Castellberghalle für die Schuldentilgung und zur konzertakrobatischen Volksbelustigung. Kleine und große Fans aus der Region sorgten für ein volles Haus. Der stellvertretende SV-Vorsitzende Thomas Ritzenthaler betrachtete zufrieden seine Benefizkasse. Ein Volltreffer.

Seit 25 Jahren sind Gogol und Mäx im Doppelpack auf den Bühnen Europas zu Hause. "Diesmal genau in dessen Zentrum – in Ballrechten-Dottingen", witzelte Ritzenthaler, der für den Auftritt wieder mal private und sportliche Beziehungen spielen ließ. Und dann kamen sie, die internationalen Kleinkunstpreis-Abräumer.

Der tapsige Mäx, alias Max-Albert Müller, Baujahr 1956, seit mehr als 40 Jahren als professionelles Spaß- und Musiktalent unterwegs. Seine gepflegten Markenzeichen: viel zu große Schuhe, wallendes graues Haar, weite Hosen und unendlich biegsame Knochen. Bewaffnet ist er mit einem ganzen Arsenal an Trommeln, Glocken, Xylophonen und Okarinas, wahlweise auch mit Alphorn, Melodica, Gitarre, Tuba und Hackbrett, die er sämtlich meisterhaft beherrscht, sie aber gleichwohl unkonventionell einsetzt.

Werbung


Mäx befindet sich ständig auf der wuselig-kreativen Suche, mit welchem der teilweise fantasievollen Instrumental-Konstruktionen er das angesagte "Concerto – solo" seines Kompagnons boykottieren und ergänzen kann. Der zwölf Jahre jüngere Gogol, alias Christoph Schelb, ist das korrekt gescheitelte, nobel befrackte Pianisten-Pendant. Gesegnet mit einer ebenso grandiosen musikalischen Klassik-Vielfalt von Bach bis Tschaikowsky. Sobald er jedoch in die Tasten greift, sinnt Mäx auf "Attacko"-Aktionen, die zu verschiedenen Ergebnissen führen. Entweder vertreibt er Gogol und haut seinen Dauerfavoriten "La Cucaracha" in die weißen Tasten. Möglicherweise enden die einfallsreichen Rangeleien des hochmusikalischen Duos aber auch in einem verblüffend konzertanten Hochgenuss, der das Publikum zum Staunen und begeisterten Applaus hinreißt. Oder aber sie enden im Chaos in einer Tonne, mit zerrissenem Frack oder Kopfverletzungen, die wiederum den Ideenreichtum beflügeln.

Der Endlos-Kampf um den Platz auf dem Klavierschemel kann aber ebenso in einer akrobatischen Eroberung des Instrumentes münden, die zu einem vierhändigen Stück führt, "on top" über dem Klavier hängend. Vor Überraschungen ist man bei dieser Show nie gefeit. Auch nicht vor Akteuren, die sich in einer Tuba verstecken, einen Elefanten täuschend nachahmen und danach die beiden Blasinstrumente per Schlauch verbinden, um einen Luftballon aufzublasen. Fasziniert pirschen sich einige Kinder immer näher an die Bühne, um ein Andenken zu ergattern und sei es nur ein Pappteller, der sich bei der Jonglage-Nummer zwischen die Porzellanteller verirrt hat. Ob nun Concerto "preludo", "serioso" oder "in aqua", ob "Musica Bavaria" oder Flamenco-Klänge aus Andalusien, bis der Stuhl kracht – was die beiden Ausnahmekünstler anpacken, gelingt authentisch, immer mit genialer mimischer Verwandlungskunst als Ausdruck schelmischer, schadenfroher oder schmerzvoller Emotionen. Stets vermitteln sie das Gefühl, am Schwingen der Klöppel auf dem Glasxylophon oder beim Betätigen des Blasebalgs an der Kastenorgel mittels Steigbügeln selber mindestens genauso viel Spaß zu haben wie die Zuschauer. Der Vortrag von Mäx auf dem seitlich gekippten Klavier begleitet von Gogol auf dem Saxophon im Balance-Kampf auf einer Tonne, gehört zu den Höhepunkten. Das Finale Grande dominiert Gogols Ballerina-Seiltanz im zartrosa Tutu mit Schirm auf einer Stange zwischen Klavier und Tuba. Die Drahtseil-Variante auf einem Kabel wird noch rechtzeitig abgebrochen. Dafür gibt es Pirouetten und einen Lauf auf den Händen, bei dem der Saal kopfstand und ekstatisches Getrampel den Hallenboden erbeben ließ. Die von Mäx ständig animierte und lautstark unterstützte Forderung nach "Zuuugabäää" gipfelte in einer zarten, leise verklingenden Abschluss-Melodie, mit den Fingern auf wassergefüllten Weingläsern gespielt. Danach tobte der Beifall, bis Thomas Ritzenthaler mit Tropfen vom Castellberg im SV-gemäßen "Rot-Weiß"-Mix für diesen komödiantisch-virtuosen Abend, die Großzügigkeit der Sponsoren und den Helfer-Einsatz dankte.

Autor: Sabine Model