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24. Oktober 2017

Mehr Nadelbäume für den Forst

Das Forsteinrichtungswerk für Ballrechten-Dottingens Wald sieht einen Hiebsatz von 19 100 Festmetern und ein geringeres Ergebnis vor.

  1. Der Wald hat viele Facetten. Eine davon ist die Bewirtschaftung. Foto: mod

  2. Revierleiter Jörg Pflüger Foto: Sabine Model

BALLRECHTEN-DOTTINGEN. Das Forsteinrichtungswerk regelt die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes auf zehn Jahre. Für 2017 bis 2026 hat die Forstdirektion einen Wirtschaftsplan erstellt. Der Hiebsatz liegt mit insgesamt 19 100 Festmetern 4000 unter dem bisherigen. Die Vornutzung wird auf zehn Prozent verringert. Die Hauptnutzung macht rund 90 Prozent des Einschlags aus. Die Bestandspflege wird erhöht und der Nadelbaumanbau intensiviert. Deshalb ist mit einem geringeren Wirtschaftsergebnis zu rechnen. Der Gemeinderat stimmte einmütig zu.

Bestandsaufnahme
Der Gemeindewald besteht aus zwei großen Distrikten in Ballrechten und in Sulzburg, dem sogenannten Dottinger Wald. Die Fläche ist mit knapp 250 Hektar seit der Ersteinrichtung nahezu konstant. Der Holzvorrat stieg gegenüber der vorherigen Dekade um 16 Festmeter pro Hektar auf 433 an, liegt aber immer noch 35 Festmeter unter dem idealen Soll. Wie der Direktor des Forstbezirks Staufen, Herbert Stiefvater, vor dem Gemeinderat ausführte, besteht die Baumartenfläche zu zwei Dritteln aus Nadel- und zu einem Drittel aus Laubbäumen. Mit 31 Prozent ist die Douglasie am stärksten vertreten, gefolgt von Tanne (23 Prozent), Buche (23 Prozent) und Fichte (12 Prozent).

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Auf 51 Hektar findet Verjüngung "unter Schirm", also unter den Baumkronen statt. Das hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Bestände seien zu einem Drittel über 60 Jahre alt, so Stiefvater. Der letzte Forsteinrichtungsplan sah 23 500 Festmeter Einschlag vor. Tatsächlich waren es 23 741. Eine Punktlandung. Der neue Hiebsatz lässt mit 19 100 Festmetern 4400 weniger zu. Weil derzeit auf dem Holzmarkt die Vornutzung aus Pflegebeständen besser zu verkaufen ist als die Hauptnutzung alter Bestände, werde sich das Ergebnis voraussichtlich vorübergehend verschlechtern, prognostizierte der Direktor. In den letzten zehn Jahren seien im Durchschnitt "sehr gute" 45 000 Euro Reinerlös pro Jahr erwirtschaftet worden.

Zukunftsplanung
In den kommenden zehn Jahren stehen 130 Douglasien zur Astung an. Auf 13,6 Hektar soll verjüngt werden, knapp zwei Drittel mit Douglasie. Zusätzlich ist vorgesehen, auf 7,7 Hektar Douglasie, Fichte, Tanne und Eiche anzubauen. Die Jungbestandspflege ist auf 37,2 Hektar und die Verjüngung "unter Schirm" auf 21,7 Hektar geplant. Dabei sollen in gefährdeten trocken-warmen Lagen vor allem klimastabile Baumarten wie Eiche und Douglasie berücksichtigt werden. Ziel sei es, die Nadelholzanteile zu sichern und einen stabilen Mischwald aufzubauen, so Stiefvater, um langfristig ökonomisch und ökologisch sinnvoll wirtschaften zu können. Reduzierter Hiebsatz und verstärkter Pflegeaufwand schmälern zwar den Erlös, kündigte Stiefvater an, helfen aber der zukunftsträchtigen Verjüngung.

Insbesondere im Dottinger Wald brauche es jedoch "Flankenschutz" durch die Jagdpächter. Man könne die jungen Bäume zwar mit physikalischen und chemischen Maßnahmen gegen Wildverbiss schützen, erklärte der Fachmann, ideal sei jedoch ein hinreichender Abschuss. Tanne und Eiche seien beim Gamswild besonders beliebt. Weil die Jagdzeit aber erst im September beginnt, äst das Wild im Sommer die jungen Triebe ab. Die Gemeinde hat deshalb mit den Jagdbesitzern in einem Dreijahresvertrag neue Zielvereinbarungen getroffen. Jedes Jahr sollen statt 20 nun 21 Stück Rehwild geschossen werden. Die Nichteinhaltung der Vorgaben ist ein Kündigungsgrund. Auch wenn es weh tue, müsse die Gemeinde ein paar Jahre auf Geld aus dem Forstbetrieb verzichten, resümierte Bürgermeister Bernhard Fehrenbach. Aufgrund des Klimawandels sei der Wald auf klimastabile Arten umzubauen.

Forsterlöse
Das Forstwirtschaftsjahr 2016 schließt trotz reduziertem Einschlag von 1717 Festmetern mit einem Ergebnis von 30 462 Euro nochmal gut. Geschuldet sei das einer 20-prozentigen Vornutzung mit höherer Wertschöpfung, teilte Revierleiter Jörg Pflüger mit. Kulturen wurden angelegt und Erholungsvorsorge mit Wegpflege und Bänken betrieben. Eine kleine Menge "Käfertannen" waren zu fällen. Die Vorausschau für 2017 fiel erfreulich positiv aus. Statt der geplanten 1600 Festmeter wurden 1757 eingeschlagen. Es handelte sich überwiegend um die Endnutzung schlechterer Bestände in unwegsamem Gelände. Das verursachte höhere Kosten. Ästungen, verstärkte Jungbestandspflege und ein halbes Hektar Douglasienanbau waren Investitionen in die Zukunft.

Der Trockenheit fielen 140 gepflanzte Eichen zum Opfer, die nun nachgepflanzt werden müssen. Dennoch liegt der Erlös voraussichtlich bei 12 000 bis 15 000 Euro und nicht wie kalkuliert nur bei 435 Euro. Der Plan für 2018 sieht ein Ergebnis von 8650 Euro vor. In dem kalkulierten Einschlag von 1760 Festmetern sei ebenfalls "Käferholz" enthalten, so Pflüger. Weil die möglichen 1910 Festmeter erneut nicht erreicht werden, erläuterte der Förster, dass er die ersten fünf Jahre des Forsteinrichtungswerkes zurückhaltender planen werde. Der Gemeinderat ging diesen Weg einstimmig mit. Forstdirektor Herbert Stiefvater dankte für das Interesse am Wald und das Vertrauen in die Arbeit der Forstverwaltung, fügte jedoch aufgrund der ernüchternden Zahlen an: "Der Wald ist weit mehr als Holzproduktion."

Autor: Sabine Model