Musikalische Reise durch Zeitgeschichte

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 14. Juli 2018

Ballrechten-Dottingen

Landespolizeiorchester war zu Gast bei der Bürgerstiftung Ballrechten-Dottingen.

BALLRECHTEN-DOTTINGEN (BZ). Bereits zum dritten Mal gastierte das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg in Ballrechten-Dottingen, davon das zweite Mal im Pfarrhof von St. Erasmus. Animiert durch das besondere Ambiente und im Scheinwerferlicht der untergehenden Sonne bot das Orchester, unter der Leitung von Stefan R. Halder, ein einzigartiges Konzert.

Nach dem etwas provozierenden Einstieg mit dem "Lied der Württemberger" wurde das Publikum auf musikalische Reisen mitgenommen, die im späteren Verlauf einen hohen gesellschaftlichen Bezug zu Auswanderung und Migration bekommen sollten. Hierbei war es der besonders anschaulichen und mit viel geschichtlichem Hintergrundwissen garnierten Moderation des Dirigenten zu verdanken, dass die Botschaften auf leichte, aber doch verständliche Art bei den Zuhörern ankam. Beginnend in Paris fuhr der "Orient Express" von Philip Sparke über Wien bis nach Budapest. Die Moderation erinnerte an Massenauswanderung, auch "Schwabenzüge" genannt, nach Ost- und Südosteuropa. Viele Donaudeutschen übersiedelten ab Ende des 17.Jahrhunderts nach Ungarn und später ins Banat. Sowohl die schnelle Polka "Éljejn a Magyár" von Johann Strauss wie auch "Meleaguri Mistice" von Thomas Doss waren eindrucksvolle Musikstücke dieser geschichtlichen Stationen. Im 18. Jahrhundert waren auch Polen und Russland Ziel deutschen Auswanderer. Die Musikstücke "Klezmer Classics" von Johan de Mej und der "Säbeltanz" von Aram Chatschaturjan erinnerte an diese Auswanderungsroute. Mit den Auswanderungswellen nach Nord- und Südamerika verband das Orchester seine Musikstücke "Gershwin on Broadway" von G. Gershwin, "Harlem Nocturne" von Earl Hagen, "La Cumparsita" von G.H. Motos Rodrigúes und "Danzon" von Arturo Márquez. Neben der sehr informativen und durchaus zum Nachdenken anregenden Moderation bewegten auch die geschilderten persönlichen Migrationshintergründe von zwei Ensemblemitgliedern. Den Schluss der musikalischen Reisen bildete die beschwingt vorgetragene "Berliner Luft" von Paul Lincke, die zum Mitpfeifen animierte. Dem Wunsch des heftig applaudierenden Publikums nach einer Zugabe entsprach das Orchester gerne mit dem "Radetzky-Marsch" und dem "Badnerlied" .